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Fahrbericht VW Polo TGI: Sauber durch die Stadt

Ab sofort beim Händler: der neue Erdgas-Polo TGI.
© Foto: Volkswagen

Der Erdgasmotor soll im Kleinwagensegment den Diesel als Spritsparantrieb beerben. Findet zumindest VW und schickt nun den Polo TGI ins Rennen.


Datum:
07.11.2017
2 Kommentare

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Von Holger Holzer/SP-X

Der Diesel steht im Kleinwagen kurz vor dem Aussterben. VW will mit der neuen Erdgasversion des Polo jedoch Ersatz für urbane Vielfahrer bieten. Der 66 kW / 90 PS starke Fünftürer mit bivalentem CNG-Antrieb steht ab sofort beim Händler und kostet mindestens 19.800 Euro.

Anders als der Diesel benötigt der Polo TGI keine aufwendige Abgasreinigung, um sauber zu fahren. Das ist vor allem im Kleinwagen-Segment wichtig, wo die Kosten für Stickoxidfalle und SCR-Katalysator viel stärker ins Gewicht fallen als bei großen und teuren Autos. Ein Schnäppchen ist der Gas-Polo aber trotzdem nicht; gegenüber dem vergleichbaren Modell mit reinem Benzinantrieb beträgt der Aufpreis 2.600 Euro. Vielfahrer können das durchaus herausfahren: Wer konsequent Gas statt Super tankt, kommt mit dem halben Kraftstoff-Budget aus. Auch gegenüber einem Diesel liegt der Kostenvorteil bei rund 30 Prozent. Hinzu kommen Vorteile beim Schadstoffausstoß. Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen rund ein Drittel weniger CO2, rund zwei Drittel weniger Stickoxide und 99 Prozent weniger Feinstaub.

Beim Fahren merkt man dem Polo seine saubere Arbeit nur akustisch an. Der Dreizylindermotor läuft im Gasbetrieb ein wenig rauer und metallischer als wenn er nur mit Benzin betankt wäre. Weil der Innenraum des Kleinwagens aber gut verarbeitet ist, ist das allenfalls zu hören, nicht über Vibrationen zu spüren. Bei Kraft und Durchzug muss sich der kleine VW nicht verstecken: Dank Turboaufladung kommt der Ein-Liter-Motor flott in Schwung. Und wer ihn durch fleißiges Schalten bei Laune hält, schwimmt zumindest im Stadt- und Landstraßenverkehr locker mit. Auf der Autobahn kommt das kleine Triebwerk hingegen schnell an seine Grenzen – doch das ist bei einem vergleichbaren Benziner auch nicht anders.


VW Polo TGI

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Wirtschaftlich fahren im CNG-Modus

Nachteile hat das Antriebskonzept allerdings bei der Reichweite. Die 11,3 Kilogramm CNG-Vorrat (platzsparend im Kofferraumboden untergebracht) reichen gerade einmal für 365 Kilometer Fahrt. Dann schaltet der Polo automatisch und kaum merkbar auf Benzinbetrieb. Der vollwertige 40-Liter-Tank reicht dann zwar noch einmal für gut 800 Kilometer, die Kosten- und Umweltvorteile des Gasmotors gehen dann aber verloren. Wer den Polo wirtschaftlich nutzen will, sollte daher möglichst ausschließlich im CNG-Modus fahren. Das allerdings ist nicht so einfach. In Deutschland gibt es zwar 900 Tankstellen, die aber sind ungleichmäßig verteilt und vor allem an Fernstraßen Mangelware. Am besten eignet sich der Polo wie alle Erdgasautos daher für Kunden, die vor allem in der Nähe der Heimat-Tankstelle bleiben, etwa für mobile Pflegedienste, Kurierfahrer oder Besitzer eines zusätzlichen Erstwagens.

Auch für VW soll sich Erdgas lohnen. Dem Konzern droht eine deutliche Verfehlung seiner CO2-Ziele für 2020 - erst recht seit dem Abgas-Skandal und dem damit verbundenen Nachfrageeinbruch beim sparsameren Diesel. Die Erdgasautos – inklusive des Polo und des ebenfalls neuen Seat Ibiza sind es mittlerweile 15 Modelle – sollen die entstandene Lücke zumindest teilweise schließen. Bislang allerdings waren die diversen Erdgas-Offensiven der Autoindustrie in Deutschland wenig erfolgreich: Lediglich rund 100.000 der insgesamt rund 45 Millionen deutschen Pkw fahren mit CNG-Antrieb.

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KOMMENTARE


Klaus-Dieter Morrkopf Weingarten

09.11.2017 - 15:13 Uhr

Guten Tag Herr Holzer, ich begrüße Ihren positiven Bericht über Erdgas und verstehe wie Sie daher auch nicht, warum nicht mehr Fahrzeuge auf dem Markt sind. Betrachtet man jedoch die Marketing Aktivitäten der Hersteller in diesem Bereich sieht dies sehr übersichtlich, trotz der großen Feinstaub Diskussionen, aus.- In einem Punkt möchte ich Ihnen widersprechen und zwar: Rechnen Sie die Autohöfe an den Fernstraßen hinzu, welche beiderseits zu anzufahren sind, so sind die Betankungen im Durchschnitt alle 50 km möglich.- Wenn jetzt noch die Kraftstofftanks kleiner und dadurch die Gastanks größer werden und auch noch die Volkswagen Modelle im Bereich Passat TGI und Touran TGI wieder lieferbar sind dann wäre der Ausstoß von Feinstaub, CO2 und Stickoxiden deutlich weniger.- Ein von CNG Antrieben überzeugter Volkswagen Händler.


Tom Gutmehr

15.11.2017 - 14:26 Uhr

Sehr geehrter Herr Holzer,auch ich muß Ihnen leider widersprechen, was ich CNG-Versorgung entlang dr Fernstraßen angeht. Ich bin seit Jahren CNG-Fahrer und bin auch viel auf Autobahnen unterwegs. Mein Benzinanteil bei meinem Golf Variant TGI liegt bei 40.000 km Jahreslaufleistung unter 1 % im Jahr. Ich habe mir die Mühe gemacht und die Strecke Kempten-Flensburg angeschaut, dort sind 19 Autobahnnahe-Tankstellen, diese sind meist Autohöfe mit CNG-Tankstellen versehen, von man von beiden Fahrtrichtungen über die Ab- und Auffahrt bequem und kurz hin gelangen kann. Rechne ich die 19 CNG-Tankstellen auf die Gesamt-Strecke von 790 km (Kempten-Flensburg) um, habe ich alle 40 km eine gut zugängliche CNG-Tankstelle, und zwar von beiden Fahrtrichtungen.Insgesamt gesehen ist die CNG-Tankstellen-Infrastruktur an den Fernstraße nach meiner Ansicht gut ausgebaut.Gute Fahrt, Tom Gutmehr


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