Geely: Volumenstrategie und Händleroffensive

03.07.2026 14:43 Uhr | Lesezeit: 3 min
Philipp Hempel, Executive Director Geely Auto Deutschland (li.), und Zack Zhang
Philipp Hempel, Executive Director Geely Auto Deutschland (li.), und Zack Zhang, Managing Director Geely Auto Deutschland und CPO Geely Brand Europe, im AUTOHAUS-Studio
© Foto: Stefan Schmid/AUTOHAUS

Mit globaler Größe, hohem Elektroanteil und einer ehrgeizigen Modellstrategie setzt Geely auf Wachstum in Europa. Im Online-Seminar der AUTOHAUS akademie erläuterten die Verantwortlichen ihre Pläne für Deutschland.

Geely startet mit einer klaren Strategie in Deutschland. In einem Online-Seminar der AUTOHAUS akademie stellten Zack Zhang, Managing Director Geely Auto Deutschland, und CPO Geely Brand Europe, sowie Philipp Hempel, Executive Director Geely Auto Deutschland, am Donnerstag den Fahrplan vor: Eine breite Modelloffensive, der Fokus auf alternative Antriebe und ein klassisches Händlernetz sollen den Markterfolg bringen.

Geely war mit 4,31 Millionen produzierten Fahrzeugen in 2025 der achtgrößte Automobilhersteller der Welt. Der Anteil von elektrifizierten Autos (NEV) liegt mit knapp 2,3 Millionen bei 56 Prozent. Der Bereich wuchs 2025 um 58 Prozent. "In China haben wir 709.358 Autos im ersten Quartal verkauft – mehr als jeder andere Hersteller", erklärt Philipp Hempel. Gleichzeitig wächst das internationale Geschäft bereits stark: 203.024 Fahrzeuge außerhalb Chinas im ersten Quartal 2026, ein Plus von 126 Prozent.

Ökosystem statt reiner Autoproduktion

Geely positioniert sich bewusst breit. "Wir denken nicht nur als Automobilhersteller, sondern betrachten das gesamte Mobilitätsökosystem", sagte Zhang. Das Unternehmen betreibt Satelliten für Konnektivität, entwickelt eigene Chips und investiert in neue Mobilitätsformen. Ergänzt wird dies durch Beteiligungen und Partnerschaften, etwa mit Mercedes-Benz, Aston Martin oder Renault. Die Markenlandschaft reicht von Volumen bis Luxus und umfasst unter anderem Volvo, Polestar und Lotus. "Wir haben ein unglaublich großes Portfolio an Technologie und Know-how, auf das wir zurückgreifen können", so Zhang weiter.

Zur Strategie gehört zudem eine ausgeprägte Lokalisierung: fünf Forschungs- und Entwicklungszentren sowie fünf Designstudios weltweit, darunter ein Engineering-Zentrum in Frankfurt. Damit will Geely Produkte näher an den jeweiligen Märkten entwickeln. Europa ist für den Konzern dabei ein wichtiger Markt. Hier greift man auf bestehende Produktionsstrukturen wie etwa Werke von Volvo und Lotus zurück. Bis 2030 sollen zwei Drittel der Verkäufe durch europäische Produktion gedeckt werden.


Geely E5 / Geely Starray EM-i

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Modelloffensive

Zentral für den Markteintritt ist ein schneller Ausbau der Produktpalette. Bereits gestartete Modelle werden durch eine groß angelegte Offensive ergänzt. Insgesamt zwölf Modelle will Geely innerhalb von drei Jahren auf den Markt bringen. Im Fokus stehen Volumensegmente vom B-Segment bis zur oberen Mittelklasse. Die ersten drei neuen Modelle starten jetzt im dritten Quartal 2026. Den Auftakt macht der Geely E2, ein B‑Segment-Hatchback und Topseller in China. Es folgen ein Plug-in-Hybrid im D-Segment sowie ein Plug-in-Hybrid im C-Segment. Letzterer wird eine Limousine insbesondere für den Gewerbekundenbereich sein.

Zum Start in Deutschland bringt Geely zwei Modelle ins Rennen: den Plug-in-Hybrid Staray EM-i und das vollelektrische SUV E5. Beide setzen auf umfangreiche Serienausstattung, lange Garantien (acht Jahre bzw. 200.000 Kilometer) und klare Preispositionierung. "Wahrer Luxus ist Sicherheit", zitiert Hempel Unternehmensgründer Li Shufu. Die Fahrzeuge sollen vor allem durch Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen, unter anderem mit attraktiven Leasingraten ab 149 Euro monatlich.

Bis 2028 sollen hierzulande elf Modelle verfügbar sein, die die Segmente B bis D abdecken. "Wir bauen bezahlbare Autos für ein breites Publikum, ohne dabei die Kernanforderungen Sicherheit, Qualität und Spaß zu vergessen", so Hempel.

Händlernetz als Rückgrat

Beim Vertrieb setzt Geely bewusst auf ein klassisches Modell mit lokalen Partnern. Direktvertrieb oder Agenturmodelle sind nicht vorgesehen. Geplant ist ein schneller Ausbau: Bis Ende 2026 will man hierzulande 50 Standorte haben, bis Ende 2027 dann 150. Eine nahezu vollständige Marktabdeckung ist bis 2028 geplant.

"Wir suchen keine Sprinter, sondern Partner für einen Marathon", betonte Hempel. Voraussetzung ist ein vollständiges Angebot inklusive Aftersales, um langfristige Kundenbindung zu sichern. Neben einer fixen Marge sieht der Händlervertrag einen Volumenbonus und einen Qualitätsbonus vor. Die Showroomgrößen reichen von 200 Quadratmetern ("Klasse B", fünf Fahrzeuge) über 300 Quadratmeter ("Klasse A", sieben Fahrzeuge) bis hin zu 400 Quadratmetern (zehn Fahrzeuge) für Flagshipstores in Metropolregionen.

Für die Investitionen in die geforderten CI-Maßnahmen übernimmt Geely die Hälfte als Kickback, für die Händlerlager gibt es zudem zinsfreie Zeiten. Vorführ- und Werkstattersatzfahrzeuge erhalten "präferierte Konditionen". "Wir haben sehr reale Standards. Bei uns brauchen Sie keine Fliese, keinen Schreibtisch oder Stuhl erwerben", erklärte Hempel. Nötig sind ein beleuchtetes Fassadenband und ein Pylon außen, eine "History-Wall" sowie Designelemente. Sechsstellig sei die Investition "bei Weitem nicht". Als Finanzpartner sind Arval und Consors Finanz mit an Bord. Eine Kooperation gibt es zudem mit EnBW beim Ladestrom.

Ein Fokus liegt auf dem Service. Geely kann hier auf bestehende Logistikstrukturen in Europa zurückgreifen und baut zusätzlich ein Ersatzteillager in Deutschland auf. Die Wartungsintervalle sind klar definiert: Elektrofahrzeuge alle 40.000 Kilometer bzw. zwei Jahre, Plug-in-Hybride jährlich oder alle 30.000 Kilometer. Ergänzt wird das Angebot durch Schulungen, digitale Tools und technischen Support. Die Systeme sind bereits vollständig auf Deutsch umgesetzt.


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Marketing und Markenaufbau

Parallel zum Netzaufbau startet Geely eine umfassende Markenkampagne. Der Fokus verschiebt sich von Branchenkommunikation hin zur breiten Öffentlichkeit. Der Slogan "Was, wenn doch?" soll Neugier wecken und Markenbekanntheit aufbauen. Nationale Kampagnen werden durch lokale Händleraktivitäten ergänzt, teilweise mit finanzieller Unterstützung des Herstellers. "Es gibt einen startbereiten Marktaktivierungsplan, damit jeder Konsument Geely in zwei bis drei Jahren auf dem Radar hat", sagte Hempel.


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