Der Ruf deutscher Autos ist weltweit weiter stark – doch im Elektrozeitalter gerät das Qualitätsversprechen "Made in Germany" unter Druck. Das zeigt eine internationale Endkundenstudie von Berylls by AlixPartners, für die 8.000 Autokäufer in elf Ländern befragt wurden. Die Ergebnisse offenbaren deutliche Unterschiede zwischen Märkten, Altersgruppen und Antriebsarten – und stellen deutsche Hersteller insbesondere bei batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) vor strategische Herausforderungen.
Elektroautos erfüllen Erwartungen nur eingeschränkt
Tatsächlich zählt das Herkunftssiegel "Made in Germany" weiterhin zu den wichtigsten Kaufargumenten – vor allem bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Bei Elektroautos von VW, BMW und Co. fällt das Urteil der Befragten dagegen deutlich kritischer aus. Aus Sicht vieler Kunden erfüllen deutsche BEVs das mit dem Label verbundene Qualitäts- und Technologiersprechen nicht ausreichend. Neben der wahrgenommenen Qualität leide auch das Vertrauen in die Technologie, hieß es.
Das "Made in Germany"-Siegel sei weltweit nach wie vor ein starkes Kaufargument", erläutert Samuel Schramm, Senior Consultant bei Berylls by AlixPartners. "Die BEVs von deutschen Herstellern lösen aber bei zu wenigen Kunden dieses Qualitätsversprechen ein."
E-Mobilität: Reichweite trennt die Märkte
Besonders groß sind die Unterschiede bei den Erwartungen an die Elektromobilität. In China fordern 34 Prozent der Kunden eine Reichweite von mindestens 750 Kilometern. In Deutschland hegt nur etwa jeder Fünfte diesen Anspruch, in den USA sogar lediglich zwölf Prozent. Entsprechend hoch ist in China das Interesse an EREVs und REEVs, deren Akzeptanz laut Studie mit steigendem Einkommen weiter zunimmt.
Weiteres Resultat: Für Hersteller bleibt es weltweit schwierig, Kunden konventioneller Antriebe für Elektrofahrzeuge zu gewinnen. Nicht einmal die Hälfte der Befragten würde sich für einen BEV entscheiden, selbst wenn dieser günstiger wäre als ein vergleichbarer Verbrenner.
Geringe Zahlungsbereitschaft für E‑Autos
Auch bei der Preisbereitschaft zeigen sich klare Grenzen. In China wären lediglich 27 Prozent der Käufer bereit, für ein Elektroauto mehr zu zahlen als für einen Benziner. In Europa liegt der Wert bei zwölf Prozent, in den USA bei zehn Prozent. In China verschärft zudem ein intensiver Wettbewerbs- und Preiskampf der Hersteller die Situation zusätzlich.
Markant sind zudem die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Jüngere chinesische Kunden unter 35 Jahren interessieren sich vergleichsweise wenig für deutsche Automarken. Zugleich gibt die Studie Hinweise auf eine geringere Kundenbindung: Der Anteil der Fahrer deutscher Elektroautos, die sich kein weiteres deutsches BEV kaufen würden, liegt mit 23 Prozent deutlich höher als bei chinesischen BEV‑Fahrern (13 Prozent).
Qualität bleibt entscheidend – auch im E‑Zeitalter
Unabhängig vom Markt bleibt die Qualitätsanmutung ein zentrales Kaufkriterium. Saubere Verarbeitung, hochwertige Materialien und gleichmäßige Spaltmaße spielen laut Studie weltweit eine wichtige Rolle. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen deutscher Käufer kaum von denen chinesischer Kunden. Besonders anspruchsvoll zeigen sich Fahrer von Elektroautos, die neben Verarbeitung auch hohen Wert auf Design, Materialauswahl und eine breite Farbpalette legen.
Weniger Zuspruch finden dagegen Abo‑Modelle für Fahrzeugfunktionen (Functions on Demand). In westlichen Märkten werden sie überwiegend neutral bis negativ bewertet, in Deutschland sogar überdurchschnittlich kritisch. In Korea hingegen stoßen solche Zusatzangebote auf deutlich mehr Akzeptanz. Auffällig: E‑Auto‑Fahrer stehen Abo-Modellen tendenziell offener gegenüber als Verbrennerfahrer.