Produktstrategie im Wandel: VW nutzt China‑Know‑how für neue Märkte

21.04.2026 14:28 Uhr | Lesezeit: 2 min
Ralf Brandstätter, Oliver Blume, VW
Ralf Brandstätter (l), Mitglied des Vorstands bei Volkswagen und VW-CEO in China, neben Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG.
© Foto: VW

VW will mit in China entwickelten Modellen neue Märkte im Globalen Süden erschließen, während Europa und Nordamerika außen vor bleiben. Parallel senkt der Konzern Kapazitäten. Audi bleibt in Fernost optimistisch.

Nach Jahren seiner chinafokussierten Strategie peilt VW mit seinen in der Volksrepublik entwickelten Modellen nun Märkte im Globalen Süden an. Volkswagen wolle von den Skaleneffekten und den "einzigartigen Kostenpositionen" in China profitieren, sagte China-CEO Ralf Brandstätter in Peking, wo am Freitag die wichtige Messe Auto China beginnt. VW untersuche Märkte in Südostasien, Mexiko, Nordafrika und Südamerika, sagte er. Europa oder Nordamerika kämen nicht infrage. Helfen könnte laut Brandstätter die technische Basis und das Wissen aus den Jahren der Strategie "in China für China". Diese Kompetenzen unterstützten die Gruppe in diesen Märkten, "wo wir ohnehin mit chinesischen OEMs konkurrieren müssen", sagte er.

Volkswagen will dem Manager zufolge jene Märkte erschließen, in denen der Konzern noch nicht besonders stark vertreten sei, wie in Südostasien, und solche Märkte, die für chinesische Elektro- und Hybridautos sowie chinesische Vorschriften günstig seien. Infrage kämen alle Modelle, doch nicht alle würden am Ende auch exportiert, sagte Brandstätter. Jeder Markt werde für sich untersucht. Die Strategieerweiterung kommt im Jahr der größten Produktoffensive der Wolfsburger in China mit mehr als 20 Elektro- und Hybrid-Modellen sowie neuen und überarbeiteten Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. "Wir verfügen nun über China-Geschwindigkeit und wettbewerbsfähige Kostenstrukturen", betonte Brandstätter.

VW-Chef Blume will Produktionskapazität weiter senken

Aufgrund der geringeren Nachfrage hatte VW in China vor allem bei der Kernmarke VW Pkw und der Tochter Audi die Produktionsmöglichkeiten um jeweils eine Million Fahrzeuge eingedampft. "Aktuell beschäftigen wir uns mit bis zu einer weiteren Million Kapazität, um die globale Marktsituation abzubilden", sagte Konzernchef Oliver Blume dem "Manager-Magazin". "Dann kommen wir von insgesamt über zwölf Millionen investierten Kapazitäten auf nachhaltig neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr." Eine Entscheidung, ob dafür Werke geschlossen werden müssen, ist laut Blume noch nicht getroffen.

"Wir haben einen klaren Plan, wie wir unsere Kapazitäten sozialverträglich verringern", sagte Blume zu den laufenden Stellenstreichungen. Derzeit baut Volkswagen bei der Kernmarke und vor allem den Töchtern Audi und Porsche in Deutschland zusammengenommen 50.000 Jobs ab, um die Kosten zu senken. 2019 seien die Werke des VW-Konzerns auf zwölf Millionen Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt gewesen. "Aber seit Corona liegt der Durchschnitt bei neun Millionen Fahrzeugen in komplett veränderten Märkten", sagte Blume.

In den USA denkt VW darüber nach, ob Audi die neu entstehende Fabrik der Elektromarke Scout mitnutzen kann - eine Entscheidung steht aber laut Blume weiter aus.

Audi zeigt sich realistisch, aber optimistisch in China

Audi sieht trotz heftiger Preiskämpfe in China weiter Raum für Wachstum, um sich auf dem weltweit größten Automarkt zurückzukämpfen. Helfen soll den Ingolstädtern der mit Chinas staatlichem Autokonzern Saic entwickelte E7X, ein vollelektrischer Premium-SUV für den chinesischen Markt von "AUDI". Die extra für China gegründete Marke mit vier Großbuchstaben statt den bekannten vier Ringen bringt damit nach dem E5 Sportback ihr zweites Modell heraus. Audi erwartet noch reichlich Wachstum in den kommenden Jahren. Die Zahl der Autos je 1.000 Einwohnern liege in China bei 200, in Europa bei 600, erklärte Soneira.


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China bleibt herausfordernd

Volkswagen hatte lange betont, Modelle nur in China für den chinesischen Markt zu entwickeln und zu produzieren. Der Markt bleibe aber herausfordernd, sagte Brandstätter. "Wir setzen nicht auf höhere Preise in der Zukunft." Eine Erholung der Margen könnte deshalb nur über Kosteneffizienz gelingen. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt machen den Autoherstellern harter Wettbewerb, ein Überangebot gepaart mit einer schwachen Nachfrage und ein damit einhergehender Preisdruck zu schaffen. Auch immer mehr chinesische Hersteller drängen mit ihren E-Autos deshalb auf aussichtsreiche Märkte wie Europa. Im vergangenen Jahr seien 6 Millionen Autos aus China exportiert worden, was mit den 24 Millionen in China verkauften Autos insgesamt rund 30 Millionen in der Volksrepublik hergestellte Fahrzeuge ergebe, rechnete Brandstätter vor.


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