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"Transform 2025+": VW rüstet sich für "harten Umbruch"

Herbert Diess: "Mit Transform 2025+ haben wir den größten Veränderungsprozess in der Geschichte unserer Marke angestossen."
© Foto: VW

VW steht vor einem der größten Umbrüche seiner Geschichte. Der Chef der Konzern-Kernmarke macht große Ankündigungen, der Diesel-Skandal in den USA kostet Milliarden. Gelingt die geplante "Comeback-Story"?

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Mit digitalen Mobilitätsdiensten und einem beschleunigten Ausbau der Elektromobilität sucht Volkswagen wieder Anschluss an die Weltspitze. VW-Kernmarkenchef Herbert Diess will die ertragsschwache Hauptsparte des Konzerns so für den Wandel in der Autoindustrie wappnen. Auch der US-Markt soll zurückerobert werden. Die Branche stehe vor einem "schnellen und harten Umbruch" und werde sich stärker ändern als je zuvor, sagte Diess bei der Vorstellung der Unternehmensstrategie "Transform 2025+" am Dienstag in Wolfsburg.

Bei seiner Neuausrichtung setzt Volkswagen unter anderem auf eine digitale Plattform. Bis zu 80 Millionen Nutzer sollen dem Unternehmen bis zum Jahr 2025 einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro einbringen. Die Plattform soll ein "digitales Ökosystem" werden, das vom Parken bis zum Fahren Mehrwert-Angebote um die Mobilität bietet.

Die Strategie für die gewinnschwache Hauptmarke um Golf und Passat sieht neben einer Neuausrichtung bei den Themen Elektromobilität und Digitalisierung starke Einsparungen vor. VW müsse hier schnell wettbewerbsfähiger werden, sonst werde sich die finanzielle Lage in den kommenden Jahren verschärfen, warnte Diess.

In der vergangenen Woche hatte das Unternehmen einen zwischen Vorstand und Betriebsrat ausgehandelten sogenannten Zukunftspakt vorgestellt. Dieser sieht die Streichung von weltweit bis zu 30.000 Jobs vor, davon 23.000 in Deutschland. Vom Stellenabbau beim VW-Konzern könnten in Niedersachsen laut Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in den kommenden vier Jahren bis zu 17.500 Arbeitsplätze betroffen sein. Die genaue Größenordnung sei auch davon abhängig, wie viele ältere Beschäftigte früher ausscheiden, sagte Weil bei einer Regierungserklärung im Landtag in Hannover.

"Der Verlust von Industriearbeitsplätzen in einem so großen Ausmaß ist eine sehr bittere Pille, da gibt es nichts zu beschönigen", meinte der SPD-Politiker. Das Land stehe aber auch beim Aufbau neuer Arbeitsplätze im Vordergrund. Hierbei gehe es um bis zu 7.500 neue oder umgewandelte Stellen - im Saldo werde der Abbau etwa 10.000 Stellen betragen. An den sechs niedersächsischen Standorten des VW-Konzerns sind derzeit laut Weil 105.000 Menschen beschäftigt.

Eine Million Elektroautos pro Jahr

Diess bekräftigte, die Kernmarke solle 2025 Weltmarktführer bei der E-Mobilität sein. "Mit Transform 2025+ haben wir den größten Veränderungsprozess in der Geschichte unserer Marke angestoßen." Die Strategie sieht drei Phasen vor. Nach der Sanierung des Kerngeschäfts will Volkswagen ab 2020 führender und profitabler Volumenhersteller mit einer operativen Umsatzrendite von vier Prozent werden. Spätestens ab 2025 wird eine verkaufte Zahl von einer Million Elektroautos pro Jahr angestrebt. Beim Ausbau der Elektromobilität plant Volkswagen bis zum Jahr 2020 neun Elektro- und Hybridfahrzeug-Varianten. "Die Reichweiten werden sich bis 2020 deutlich verbessern", so Diess. Auch die Ladeinfrastruktur für diese Fahrzeuge werde sich bis dahin stark verbessert haben. Das Elektroauto werde gute Beschleunigungswerte haben, auch der Innenraum werde künftig großzügiger gestaltet werden können.

Das Markenimage in den USA, aber auch in Lateinamerika soll durch deutlich mehr SUV-Geländewagen abgesichert werden. Diess: "Die Marke soll zugänglicher und sympathischer werden, Arroganz gehört der Vergangenheit an." Die SUV-Palette soll mehr als verdoppelt werden. Gleichzeitig will Volkswagen bei den Varianten straffen. "Im vergangenen Jahr haben wir bereits rund 15.000 Bauteilvarianten aus dem Programm genommen." Auch das Motorenangebot soll übersichtlicher werden. Nach unten will VW die Palette noch durch ein preiswertes "Budget Car" abrunden.

Regional sollen bis 2020 in allen großen Märkten positive Ergebnisse stehen. "In Nordamerika wollen wir eine Comeback-Story schreiben", erklärte Diess. Vor allem im US-Geschäft plant VW eine Offensive. Dort steht der Autobauer auch wegen der Belastungen infolge des Diesel-Skandals vor schwierigen Herausforderungen. "Volkswagen muss sich in Nordamerika von einem Nischenanbieter zu einem relevanten und profitablen Volumenhersteller entwickeln", sagte Diess.

Das Comeback sollen Limousinen und große SUV-Geländewagen einleiten. Ab 2021 soll dann unter dem Motto "Electrify America" die lokale Produktion von Elektrofahrzeugen beginnen. Dabei wird auch das Werk in Chattanooga (Bundesstaat Tennessee) in Betracht gezogen - eine Entscheidung steht aber erst in einigen Monaten an. Der Abgas-Skandal hatte in den USA seinen Anfang genommen und VW schwer belastet.

Bei strikter Kostendisziplin sollen die US-Werke, aber auch die Standorte in Lateinamerika ab 2020 wieder schwarze Zahlen schreiben. In Südamerika hat insbesondere in Argentinien und Brasilien bereits ein Kostensenkungsprogramm begonnen. Zugleich werden dort insgesamt 2,5 Milliarden Euro in neue Produkte investiert. (dpa)

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KOMMENTARE


Nordlicht

22.11.2016 - 11:18 Uhr

.....satt angebrachter Bescheidenheit schon gleich der nächste Weltmachtanspruch. Einfach unfassbar!Aber vielleicht sollten den zahlreichen Worten jetzt erst einmal Taten folgen.Dann wird man ja sehen.


Stefan

22.11.2016 - 22:37 Uhr

...sorry, aber was die obersten Nadelstreifenträger bei VW in letzter Zeit von sich geben, ist eigentlich nur noch unter Einnahme berauschender Mittel zu ertragen...


alporto

23.11.2016 - 08:01 Uhr

da stimm ich "Nordlicht" voll zu. Die bei VW glauben wohl die Konkurrenz lehnt sich zurück und wartet bis VW dort ist wo sie sein wollen! Visionen kann man ja haben ...Wie oft hat Audi schon angekündigt die Marktführerschaft im Premiumsegment übernehmen zu wollen. Die Geschichte kennen wir ja, alle paar Jahre wird das Ziel einige Jahre in die Zukunft verschoben ...


D.Buschhorn

23.11.2016 - 09:09 Uhr

Fazit: außer vollmundigen Sprüchen nur heiße Luft. VW hat aus den Schlappen der Vergangenheit immer noch nicht dazu gelernt.


Gentleman-Driver

23.11.2016 - 13:01 Uhr

Ich finde es ungeheuerlich (!), was sich VW seit nunmehr 15 Monaten "leistet"! Keine Spur von echter Einsicht oder gar Reue in Sachen Diesel-Betrug (ja, nur so darf man es bezeichnen - von wegen "Diesel-Thematik"...). Nun wird zunehmend die Menschheit mit einer fragwürdigen und (insbesondere seitens VW) völlig substanzlosen E-Offensive belämmert, der jegliche seriöse technische und infrastrukturelle Grundlagen fehlen. Die überwiegend nur Auflagen- und Quoten-getriebenen Medien blöken den Quark auch brav unters Volk, das nun völlig verunsichert dem Diesel als einziger z.Zt. wirklich tauglicher Motorentechnik (ich rede von modernsten Dieseln mit Partikelfilter) peu à peu den Rücken kehrt. Das Thema Elektro-Antrieb ist meiner Meinung nach definitiv der falsche Weg, insbesondere hinsichtlich seiner auf längere Sicht hin katastrophalen Umweltbilanz (was soll letztlich an mit extrem viel Energie hergestellten und ökologisch höchst fragwürdigen Strom "aus der Steckdose" fressenden E-Autos besser sein, als an den heutigen Verbrennungsmotoren? Das soll allen Ernstes die Zukunft sein??? Daß ich nicht lache!). Eine ganze Lead-Branche auf dem Holzweg - eifrig angetrieben vom erwischten Betrüger VW, um von ihren Betrügereien abzulenken, beflissen flankiert von den weitgehend fach- und themenfremden Medien und der wissenschaftlich wie üblich unbeleckten Politik. Dank VW und durch VW sägt sich die Branche noch viel schneller (und viel zu schnell) den Ast ab, auf dem sie sitzt und dies, bevor ECHTE Alternativen entwickelt werden können Synthetic fuel? Brennstoffzelle? Wasserstoffantrieb? Warum spricht und schreibt fast niemand darüber??? Wir alle im Handel müssen/dürfen diesem irren Treiben machtlos zusehen und dürfen uns tagtäglich mit den zunehmend verunsicherten Verbrauchern herumschlagen, die JETZT von uns Fahrzeuge wollen, die in der Lage sind ihren HEUTIGEN automobilen Bedürfnissen gerecht zu werden. Dies können die paar wenigen halbwegs ernst zu nehmenden aber leider völlig überteuerten E-Modelle aber nicht einmal ansatzweise liefern. Quo vadis Automobilbranche?


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