Volkswagen: Deutliche Fortschritte bei Sanierung

27.07.2006 11:48 Uhr
Nach Sondereinflüssen hat VW im ersten Halbjahr rund 1,03 Milliarden Euro verdient.

Umsatz und Absatz legen im ersten Halbjahr kräftig zu / Restrukturierungskosten belasten Ergebnis / Kurssprung an der Börse

Europas größter Autobauer Volkswagen sieht sich trotz deutlicher Fortschritte bei seiner Sanierung längst noch nicht am Ziel. Im ersten Halbjahr 2006 erzielte der Konzern zwar ein kräftiges Plus bei Umsatz und Absatz, und das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen stieg um mehr als die Hälfte auf rund zwei Mrd. Euro. VW-Chef Bernd Pischetsrieder sagte aber am Donnerstag in Wolfsburg, es seien noch "erhebliche Anstrengungen" erforderlich, um die nachhaltige Profitabilität und die Zukunft des Konzerns zu sichern. Milliardenschwere Kosten für die Sanierung der ertragsschwachen Kernmarke VW belasteten das operative Ergebnis nach Sondereinflüssen im ersten Halbjahr. Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch bezeichnete das Jahr 2006 als "Jahr der Restrukturierung". An der Börse machte das VW-Papier einen Kurssprung von zeitweise zehn Prozent auf 60 Euro. Händler und Analysten lobten vor allem das Ergebnis vor Sonderposten. Diese wichtigste Kerngröße habe sehr positiv überrascht. Pischetsrieder sagte, VW habe wichtige Fortschritte zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gemacht. Der erzielte Gewinn sei aber "weiter unbefriedigend". Pötsch sagte, mit dem Ergebnis der Kernmarke Volkswagen Pkw könne VW nicht zufrieden sein. "Wir müssen mit Hochdruck an der Restrukturierung arbeiten." Diese sei fundamental für ein angemessenes Ertragsniveau des Volkswagen-Konzerns. "2006 müssen wir die Voraussetzung für unsere langfristige Wettbewerbsfähigkeit schaffen." Zum Ergebnis der Marke VW gab es keine konkreten Angaben. VW will die Probleme der Kernmarke, die Überkapazitäten hat und mit vergleichsweise hohen Kosten produziert, mit massiven Kostensenkungen, Stellenabbau sowie neuen Modellen angehen. VW hatte mindestens 20.000 Jobs auf den Prüfstand gestellt. Sie sollen hauptsächlich über Aufhebungsverträge und Altersteilzeit abgebaut werden. Pischetsrieder sagte, bisher seien 2.500 Abfindungsverträge abgeschlossen worden. Auf die Frage, ob VW damit rechne, dass rund 5.000 Mitarbeiter auf diesem Weg ausscheiden, sagte er, die Schätzung gehe in die richtige Richtung. Pischetsrieder betonte, entscheidend sei es, die Kosten pro Stunde zu verringern. Er sei sicher, dass es bei den Sanierungsverhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern eine Lösung geben werde. Die Beschäftigten wüssten, dass es ums Überleben von VW in Deutschland gehe. Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen schlugen in den ersten sechs Monaten 2006 mit einem Betrag von 1,3 Mrd. Euro zu Buche. Darin enthalten waren einer VW-Sprecherin zufolge Kosten für Stellenstreichungen in Brasilien sowie Aufwendungen für Altersteilzeitmaßnahmen sowie Abfindungen bei VW. Den Sanierungskosten gegenüber standen entlastende Sondereffekte aus dem Verkauf der Töchter Gedas und Bordnetze in Höhe von rund 300 Mio. Euro. Unterm Strich aber sank das operative Ergebnis nach Sondereinflüssen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22,9 Prozent auf rund 1,03 Mrd. Euro. Lukrativer Europcar-Verkauf Der Konzernumsatz erhöhte sich in den ersten sechs Monaten um 14,2 Prozent auf rund 51,9 Mrd. Euro, der Absatz um 12,7 Prozent auf 2,86 Mio. Fahrzeuge. Deutliche Steigerungen bei der Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge verzeichnete der Konzern auf den Hauptmärkten Westeuropa, USA und China. Aus dem Verkauf der Autovermietungstochter Europcar stellte VW eine Summe von 796 Mio. Euro als Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten in die Halbjahres-Bilanz. Alles in allem stieg daher das Ergebnis nach Steuern des VW-Konzerns im ersten Halbjahr von 403 Mio. auf knapp 1,19 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 17,3 Prozent auf 751 Mio. Euro. VW will mit Kostensenkungen, Leistungsverbesserungen sowie neuen Modellen das Vorsteuerergebnis bis zum Jahr 2008 um vier auf 5,1 Mrd. Euro verbessern. Im laufenden Jahr peilt das Unternehmen weiterhin ein Absatz- und Umsatzplus sowie eine Verbesserung des operativen Ergebnisses vor Sondereinflüssen an. (dpa)

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