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VW-Betriebsrat: Osterloh sieht Schuld bei Zulieferer

Bernd Osterloh kristisiert das Verhalten der Zulieferer.
© Foto: dpa

Wer trägt die Verantwortung für den Produktionsstopp bei VW? Ist es das Geschäftsgebaren des Autobauers? Oder missbraucht ein Zulieferer seine Druckmöglichkeiten? Für den VW-Arbeitnehmerboss ist die Sache klar. Und er macht auch für eine andere Baustelle klare Ansagen.


Datum:
22.08.2016
3 Kommentare

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Der Produktionsstopp bei Volkswagen hängt aus Sicht von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh zweifelsfrei am Verhalten des VW-Partners, der seine Teilezulieferungen eingestellt hat. "Nach unserer Auffassung liegt die Verantwortung eindeutig beim Zulieferer. Oder glauben Sie, wir als Betriebsrat fragen nicht, wessen Schuld es ist, dass unsere Kollegen zu Hause bleiben müssen", sagte Osterloh der "Bild"-Zeitung (Montag). Der Lieferstopp zweier Teilehersteller lähmt den Weltkonzern derzeit bis hin zu stehenden Fließbändern und Kurzarbeit. Beim Erfolgsmodell Golf etwa ruht die Fertigung.

Die beteiligten Zulieferer sehen die Lage anders als Osterloh und der Konzern. Sie reklamieren für sich, VW zwinge sie zu dem Lieferstopp, da der Autobauer "frist- und grundlos" Aufträge gekündigt habe und einen finanziellen Ausgleich dafür ablehne. Es geht dabei um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Der Lieferstopp geschehe zum Selbstschutz und im Kampf für die Zukunft der eigenen Mitarbeiter. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur treffen Vertreter der Zulieferer und des Autobauers am frühen Montagnachmittag in Wolfsburg auf neutralem Boden zusammen, um weiter einen Ausweg zu suchen.

An anderer Front zog Osterloh derweil eine erste rote Linie für den nahenden Zukunftspakt, der die Sicherheit der Jobs bei dem Autobauer auf eine neue Basis stellen soll. "Solange ich Betriebsratschef bin, wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Stammbelegschaft ist Stammbelegschaft. Wenn sich jemand trauen sollte, dort abbauen zu wollen, müssten wir auch den Vorstand verkleinern", sagte er der "Bild". Die VW-Kernmarke um Golf und Passat ist renditeschwach. Die Abgas-Affäre verschärfte ihr laufendes Sparprogramm zuletzt weiter.

Beschäftigungssicherung nicht verhandelbar

Für Osterloh ist die derzeit ungekündigte Beschäftigungssicherung für die VW-Stammbelegschaft nicht verhandelbar. Dabei sieht er auch VW-Konzernchef Matthias Müller an seiner Seite. "Matthias Müller steht genau wie wir zu den VW-Beschäftigten", sagte Osterloh. Bei dem Zukunftspakt verhandeln der Betriebsrat und das Unternehmen über die Aufstellung der Kernmarke VW-Pkw. Das soll bis zur nächsten Budget-Planungsrunde in diesem Herbst abgeschlossen sein. Dann sollen nach dem Willen des Betriebsrates für die deutschen VW-Werke feste Zusagen für Investitionen, Produkte und Stückzahlen feststehen.

Die von Osterloh angesprochenen betriebsbedingten Kündigungen wären aber auch nur ein Weg, die Belegschaft auszudünnen. Die Personaldecke ließe sich auch ausdünnen, indem VW Jobs nicht wieder besetzt und verstärkt Abfindungen und Altersteilzeit nutzt. Am Frühling waren Pläne bekanntgeworden, wonach bis Ende 2017 in der VW-Verwaltung jeder zehnte Job wegfallen sollte - das wären mehr als 3.000 Jobs. (dpa)

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KOMMENTARE


egon samu

23.08.2016 - 07:14 Uhr

Wir wissen, was der wichtigste Auftrag des Betriebsrates bei VW ist: Wein, Weiber und Musik für den Vorstand zu besorgen... Also die Klappe nicht so aufreißen.


Anonym

23.08.2016 - 08:40 Uhr

Herrn Osterloh als „VW-Arbeitnehmerboss“ oder „Betriebsratschef“ zu bezeichnen ist schon sehr spannend. Nicht dass ihm das nicht gefallen würde. Ich glaube aber, dass die Worte „Chef“ und „Boss“ etwas Anderes meinen, wie das was einen Interessenvertreter der Belegschaft ausmacht.Zur Sache selbst. Herr Osterloh spricht wieder einmal von der VW Stammbelegschaft. Also nicht von der großen Anzahl Menschen, für die innerhalb VW eigene Rechtseinheiten gegründet wurden, die aber zu 100% Tochterunternehmen von VW sind. Auch vermisse ich, dass H. Osterloh (oder die IG-Metall) sich einmal Gedanken darum macht, wie es denn den Menschen bei den Zulieferbetrieben geht. Wenn er seine Aussagen als Mitglied des Aufsichtsrates von VW getroffen hat, ist das bestimmt i.O.Ich schreibe das nicht um H. Osterloh anzuprangern. Vielmehr richtet sich meine Nachricht eher an die Redaktion. Sind Sie sich sicher, dass Sie die richtigen Fragen gestellt haben und nicht einseitig berichten?Danke.


Sonja S.

23.08.2016 - 09:43 Uhr

Es ist schon eine Frechheit was derzeit in Wolfsburg vor sich geht. Da lagert ein Betrieb auf einen anderen eine höchst zweifelhafte Forderungen aus, der daraufhin beginnt Volkswagen zu erpressen. Ansonsten hätte man die Forderung ordentlich vor Gericht vorbringen können. Hätte man Verträge, die eine Forderung bestätigen, wäre eine einfache Sache. Dies zeigt schon die eigentliche Intention des Zulieferers... und scheinbar nicht nur bei Volkswagen, Mercedes ist (hoffentlich nicht) der nächste.


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