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Fahrbericht Mercedes-AMG EQE 53 4Matic+: Klangvoller Leisetreter

Die Mercedes-Sportabteilung hat den EQE für besondere längsdynamische Fahrfreuden ertüchtigt.
© Foto: Mercedes-Benz

Wer AMG bislang mit hämmernden V8-Motoren gleichsetzte, muss umdenken. Mit dem EQE 53 4MATIC+ fährt die Mercedes-Performance-Tochter in die elektrische Zukunft. Die klingt sogar - nun ja - interessant.


Datum:
12.07.2022
Autor:
Mario Hommen/SP-X
Lesezeit: 
5 min
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Performance und markiger Sound stehen bei Modellen des sportlichen Mercedes-Ablegers AMG seit jeher ganz oben im Lastenheft. Selbst im lautlosen Elektrozeitalter haben die Affalterbacher diesen Kernwerten die Treue geschworen. EQE 43 4Matic und EQE 53 4Matic+ heißen die neuesten Ausführungen eiliger Elektriker der Mercedes-Sportabteilung. Speerspitze der fast fünf Meter langen Limousine ist die Version Dynamik-Plus-Paket, die beim Sprint-Duell selbst Hochleistungs-Sportwagen alt aussehen lässt.

Ein wenig hat man sich an die neue Optik elektrischer Mercedes-Luxusliner à la EQE mit kurzer Motorhaube, kuppelförmiger Fahrgastzelle und rundem Fließheck gewöhnt. Trotz Avantgarde-Allüren bleibt der Stromer mit vier rahmenlosen Einstiegstüren als Mercedes klar erkennbar. Und auch als AMG, denn senkrechte Streben im Grill, die Frontschürze im A-Wing-Stil sowie Spoilerlippe und Diffusor am Heck sorgen für die entsprechend sportliche Note. Die fällt insgesamt allerdings dezent aus, zumal prachtvolle Auspuffendohre schlicht fehlen.


Mercedes-AMG EQE 53 4Matic+ Fahrbericht

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Display-Welten im Cockpit

Nochmals imposanter sind hingegen die Display-Welten im Cockpit. Zumal unser Testexemplar über den extragroßen Hyperscreen verfügt, der die digitale Cockpitanzeige hinterm Lenkrad fast schon zum Mäusekino degradiert. Head-up-Display, ein Zusatzscreen auf der Beifahrerseite und zwei Minidisplays in dem mit vielen Schaltflächen ausstaffierten Lenkrad runden den digitalen Overkill ab. Das mag im ersten Moment für eine Reizüberflutung sorgen, doch schnell findet man sich hier zurecht. Wer sich nicht die Zeit nehmen will, in Untermenüs nach bestimmten Funktionen zu suchen, kommt über die gut arbeitende Sprachbedienung meist ohne Umwege zum Ziel.

Typisch Mercedes, wird im EQE über einen Lenkstockhebel der Fahrmodus D aktiviert, um zunächst lautlos losgleiten zu können. Wer die Abmessungen moderner Verbrennungsmotoren kennt, mag sich angesichts der beiden verblüffend kompakten E-Motörchen, die AMG im Rahmen der Fahrpräsentation in Colmar ausgestellt hat, über die Leistungseckdaten des EQE wundern: Die beiden von AMG thermisch optimierten Permanenterregt-Synchronmaschinen entfesseln bis zu 505  kW / 687 PS und 1.000 Newtonmeter. Über die kleinen Lenkrad-Displays lassen sich Fahrwerk und Antrieb zusätzlich schärfen, was unter anderem eine von Blau auf Rot wechselnde Grafik signalisiert. Doch irgendwie scheint es egal zu sein, in welchem Modus man fährt, denn Leistung ist immer, ansatzlos und überreichlich vorhanden. Auf den ersten Kilometern ist das brutale Vorpreschen des 2,6-Tonners beinahe angsteinflößend, wenngleich der Allradantrieb selbst forsche Leistungsabfragen stets in sauberen Vortrieb umzusetzen weiß. Trotz des gewaltigen Drehmoments bleibt der EQE also gut beherrschbar. Die Wucht der Beschleunigung zeigte sich immer mal wieder an der von Trägheit ergriffenen und deshalb wie von Geisterhand umklappenden Fußmatte der Beifahrerseite. An den 3,3 Sekunden für den Standardsprint hegt man keine Zweifel. Die Maximalmarke von 240 km/h ist ebenfalls schnell geknackt. Bei Zwischenspurts auf der Autobahn beeindruckte vor allem der Blick in den Rückspiegel, denn so kurzweilig wie der EQE 53 lassen nur wenige andere Autos überholte Fahrzeuge kleiner werden.


Mercedes-AMG EQE (2022)

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Zwei Klangwelten zur Auswahl

Wie es sich für E-Autos gehört, geht das Power-Cruisen nahezu lautlos über die Asphalt-Bühne. Doch AMG definiert sich seit jeher über Sound, weshalb der EQE 53 auf Wunsch seinen Gästen wie der Umwelt den längsdynamischen Sonderstatus auch akustisch mitteilen kann. Zur Wahl stehen die beiden Klangwelten Advance und Performance, bei denen man über den linken Display-Schalter am Lenkrad zwischen den Programmen, "Balanced", "Sport" und "Powerful" wählen kann. Obwohl der Klang ausschließlich aus Lautsprechern kommt, wird eine akustische Antriebsrückmeldung generiert, die der eines Verbrenners recht ähnlich ist. Beschleunigt man, schwillt der vermeintliche Motorsound an. Wer nun ein kerniges und von frechen Schnalzern untermaltes V8-Röhren erwartet, muss enttäuscht werden. Die Klangwelt "Performance" erinnert vielmehr an das futuristische Sounddesign von Fahrzeugen aus den späten Star-Wars-Filmen, was als Klangkulisse für ein E-Auto durchaus passend erscheint.

Ist man auf kurvenreichen Passstraßen etwas flotter unterwegs, kommt mit der sportlichen Sound-Untermalung auch das gute alte Fahrspaß-Feeling auf. Fahrwerk, Allradantrieb, Lenkung und Bremsen wurden von AMG in eindrucksvoller Weise für flotte Kurventänzchen optimiert. An der Vorderachse kommen, sofern man in die optionalen Keramik-Verbundbremsen investiert, 44 Zentimeter große Scheiben zum Einsatz, die von Sechskolben-Bremssätteln in die Zange genommen werden. Grundsätzlich bietet der EQE zudem eine Hinterachslenkung, was den Kurvenradius trotz XXL-Radstand klein hält. Als rassiger Sportwagen kann er angesichts seiner Masse und der leicht erhöhten Sitzposition zwar nicht vollends überzeugen. Doch ein Luxus-Cruiser, der wie vom Hafer gestochen lostürmt, hat eben auch seinen Reiz. Andererseits ist es genauso faszinierend, die künstliche Akustik aus- und auf Komfort-Fahrmodus umzuschalten und den EQE als Leisetreter und Benz im besten Sinne zu erleben. Wer ruhig und gelassen dahingleitet, könnte auch ansatzweise in die WLTP-Verbrauchsregionen von knapp über 20 kWh pro 100 Kilometer und damit in Reichweiten-Fenster von rund 500 Kilometer vordringen. Praktisch waren es auf unserer Testfahrt 30,2 kWh, was den Bewegungsradius auf rund 300 Kilometer beschränkt. Performance hat ihren Preis.


Mercedes EQE Fahrbericht (2022)

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Ein Stark-Stromer nach AMG-Art

Und hier darf die Sinnfrage gestellt werden: Mäßige Reichweite trotz riesigem 90-kWh-Akku, Sportwagen-Allüren bei 2,6 Tonnen Gewicht und ein durch und durch verschwenderisches Öko-Mobil sprechen gegen die Vernunft. Und dann wären da noch die Preise: Für den EQE 43 rund 87.300 Euro, für den EQE 53 rund 92.400 Euro netto. Doch wer es sich leisten kann und will, wird dafür ein Auto bekommen, das jenseits der Vernunft mit außergewöhnlichen Fahreigenschaften, Dynamik und Komfort begeistern kann. Und damit ist der Stark-Stromer eben ein Auto ganz nach AMG-Art. Manche mögen das.

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