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FCA Germany: Die Aktivistin aus Frankfurt

FCA Germany
Die Aktivistin aus Frankfurt
Maria Grazia Divino, CEO von FCA Germany AG, mit dem "Neuen" Kultauto Fiat 500.
© Foto: FCA
Zum Themenspecial Kundenzufriedenheit

Corona schlug 2020 bei allen ein. Beim IfA-MarkenMonitor landete FCA dennoch auf einem beachtlichen zehnten Platz. Der neue vollelektrische Fiat 500 gilt als Hoffnungsträger. Über den Rückblick 2020 sowie die Perspektiven für 2021 und danach sprach AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat in Frankfurt mit FCA-CEO Maria Grazia Davino.

AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat im Gespräch mit der FCA-Chefin Maria Grazia Davino.

Rückblick 2020

AUTOHAUS: Wie sahen für die Vorstandsvorsitzende der FCA Germany AG die Höhen und Tiefen im FCA-Marktgeschehen für Fiat, Alfa, Jeep, Abarth und Fiat Professional in 2020 aus?

Maria Grazia Davino: Höhen gab es in diesem Pandemie-Jahr eher wenige. "Höhe" war für mich, dass wir durchhalten konnten und in engem Schulterschluss, fast wie nie, ja wie eine Familie mit den Händlern zusammengearbeitet haben. Auch bei unserem Marktanteil haben wir es geschafft, auf Spur zu sein. Hervorgehoben dabei die Marke Fiat Professional - dank des Topsellers Ducato. Eine weitere "Höhe" war die Produkteinführungen von Jeep Compass und Jeep Renegade als Plug-in-Hybride. Bei Jeep haben wir gerade im SUV-Bereich ein erfreuliches Wachstum. Die Marke selbst wächst und wir fahren dort eine konsequente Marketing- und Image-Strategie. Gewiss, ein Renegade polarisiert. Den muss man individuell ausstatten und dann wirkungsvoll verkaufen können. Auch der Compass ist ein qualitativ sehr gutes Produkt und spielt in einem großen Segment mit. Es stimmt, dass wir keinen Grand Cherokee mehr haben. Doch wir haben gut vorgesorgt, so dass meine Händler noch genügend Ware haben, um Geschäfte zu machen. Dann ist ein weiteres Highlight der Fiat 500, vor allem der nun vollelektrische Neue Fiat 500, der für sein Design mit dem "Red Dot Award" ausgezeichnet wurde. Eine Perle! Und die Marke Alfa ist für mich die schönste Marke der Welt. Keine andere Marke hat diesen Charme. Und das für Männer wie für Frauen. Damit lässt sich Geld verdienen, wenn man das mit dem richtigen Ansatz und Kundenansprache macht.

Die Tiefen des Jahres waren meist mit Covid 19 verbunden. Homeoffice. Man trifft sich nicht mehr jeden Tag, die Dienstleistungen werden teils schwieriger und manchmal schlechter. Mir fehlt das Individuelle, das Persönliche, von Mensch zu Mensch. Das Thema Kurzarbeit ist ein weiteres Thema. Die Kundenzufriedenheit leidet darunter. Die Händler und ihre Mitarbeiter haben reagiert und notwendige Anpassungen vorgenommen. Der deutsche Staat hat gut reagiert. Und ich kann das international gut vergleichen, man war hier sehr schnell und strukturiert. Außerdem sorgte das Wesen der deutschen Gesellschaft für ein solidarisches Miteinander.

Handelspolitik

AUTOHAUS: Wie charakterisieren sie für 2020 die Zusammenarbeit mit den Händlerverbänden von Fiat, Alfa-Jeep?

M. G. Davino: Wir haben mit den Händlerverbänden ein vertrauensvolles und respektvolles Verhältnis und versuchen gemeinsam, dieses vor Irritationen und selbst unter schlechteren Marktbedingungen zu schützen. Die Brand Country Manager Roberto Debortoli, Niccoló Biagioli und Luigi Saia arbeiten ebenso eng wie unser Network Deveolpment Verantwortlicher Johannes Alings jeden Tag mit ihrem vollen Engagement daran.

AUTOHAUS: Waren die Fiat-Werke in Italien 2020 auch zeitweise geschlossen?

M. G. Davino: Ja, Italien war von der Pandemie als erstes Land in Westeuropa betroffen. Die Zustände aus Norditalien sind uns noch immer im Gedächtnis. Daher musste die Produktion von März bis teilweise in den Juni hinein unterbrochen werden, beziehungsweise auf niedrigem Niveau weitergeführt werden. Die kürzeste Unterbrechung gab es im Werk Sevel, in dem der Fiat Ducato produziert wird. Vergessen wir aber nicht, dass auch unsere Werke in den USA geschlossen waren – und das zum Teil noch länger als die Werke in Italien.

AUTOHAUS: Mit welchen Auswirkungen auf die Lieferfristen?

M. G. Davino: Das eigentliche Übel lag in fehlerhaften Planungen. Auf einen unvorhergesehenen Produktionsstopp sollte man immer vorbereitet sein, daraus können wir für die Zukunft lernen. Fehlerhafte Planung, ausgefallene Produktion – alles Gründe, dass mancher Kunde und mancher Händler länger als nötig auf sein Fahrzeug warten musste oder gar in wenigen Einzelfällen noch immer wartet.

"Di più"

AUTOHAUS: Sie haben sich in mehreren Videobotschaften 2020 an die Händlerschaft gewandt. Da stand stets ihr großes Motto darüber: "di più"?

M. G. Davino: "Di più" hat für mich nach wie vor tiefere Bedeutungen. Das ist quasi eine innere Einstellung. Ich will immer mehr und immer besser werden. Das möchte ich gerne in jedem von uns einimpfen, und zwar für sich selbst, seine Familie, seine Kunden, für die eigene Firma, für die Marke, also, alles, was man vor hat "di più". In Deutschland würde man wohl eher sagen sich selber fordern, um sich zu fördern.

AUTOHAUS: Wenn sie mehr wollen, kommt FCA auch mit einem eigenen Auto-Abo-Modell?

M. G. Davino: Auto-Abos sind derzeit im Trend, werden aber noch immer mitunter kontrovers diskutiert. Aber ja, auch FCA hat Pläne dazu. Wir werden in Kürze unsere Interpretation präsentieren. 

Bildergalerie
Fiat 500 Elektro (2021)
Fiat 500 Elektro (2021)Fiat 500 Elektro (2021)Fiat 500 Elektro (2021)
Fiat 500 e
Ein Blick nach innen – mit Frankfurter Skyline, dem Standort der FCA AG Germany.
© Foto: FCA

Digitalisierung im Handel

AUTOHAUS: Corona zeigte, dass die Händler, die bereits im Onlineverkauf aktiv sind, besser durch die Coronatiefen kamen. Wie stufen sie die Transformation in Sachen Digitalisierung für ihre Handelsorganisation ein?

M. G. Davino: Von null auf zehn stehen wir bei 5,2. Es gibt Händler, die sich mehr digitalisiert haben, größere Händler, andere, die andere Wege gefunden haben.

AUTOHAUS: Was wird in Sachen Digitalisierung im Hause Fiat entwickelt?

M. G. Davino: Es war schon immer meine Wahrnehmung, dass jeder Händler anders organisiert ist. Man kann nicht einfach von oben vorgeben, die müssen dein Tool benutzen. Der eine Händler arbeitet beispielsweise mit WhatsApp, der andere mit Zoom, der andere mit Google, der andere aktiv über Telefon. Dann ist das in Ordnung. Oder denken Sie an die Covid-bedingte Umstellung hinsichtlich Hygienemaßnahmen, Masken etc. Ich kann und will es nicht verordnen. Wichtig ist, dass jeder Händler bereit dazu ist, andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und sie zu nutzen. Wir haben allerdings in 2020 ein lokales Pilotprojekt für e-Commerce durchgeführt. Daraus und aus Lösungen anderer Industrien lernen wir und planen für 2021 die Einführung einer e-Commerce Lösung für alle unsere Händler. Wir werden wir dem Handel anbieten können, dass der Kunde über einen komplett digital ausführbaren Prozess den Händlerbestand und auch Bestellfahrzeuge erwerben kann. Dazu führen wir Schritt für Schritt Bausteine für eine digitale Customer Journey ein und wollen unseren Handel bei jedem Entwicklungsschritt mitnehmen. Rebecca Reinermann, unsere Customer Experience Verantwortliche, arbeitet mit ihrem Team an Lösungen, um die Digitalisierung voran zu bringen.

AUTOHAUS: Dennoch die Frage, hat der einzelne FCA-Händler neben seinem Alltag her die zeitlichen wie finanziellen Reserven, um die Umwandlung alleine zu gestalten? Onlineterminvereinbarung im Service oder für Probefahrten, elektronische Preisauszeichnung, papierlose Werkstatt etc. Wir drucken ja heute noch für einen Leasingvertrag 28 Seiten Papier aus? Müsste da nicht viel mehr koordiniert und kooperiert werden?

M. G. Davino: Das Thema sind schon die unterschiedlichen IT-Konfigurationen, die angewandt werden. Wir haben da zu große Unterschiede. Außerdem setzt ein zentrales Konzept viel Vertrauen voraus. Denken sie an das Thema Daten. Sie sehen ja in der Branche genügend Beispiele, wo dieses Zentralisieren von IT-Anwendungen mangels Klasse wieder aufgegeben wurde. Richtig ist ihre Überlegung, was man gerade an Papieren ersetzen kann. Oder wie man elektronisch Preispolitik gestalten kann. Wir werden daran arbeiten. Wir werden in diesem Zusammenhang auch sehen, was das geänderte IAA-Messekonzept 2021 an virtuellen Mobilitätslösungen in München zeigen wird. Ich arbeite daran, dass wir auf der IAA in München hoffentlich dabei sein werden.

Das Grüne in 2021

AUTOHAUS: Grün ist die Zukunft! Was bedeutet das für FCA?

M. G. Davino: Ich habe es oben angedeutet, Ende November kommt das schönste Auto auf die deutschen Straßen, wir nennen es "Der Neue 500". E-Mobilität! Außerdem ist "Der Neue 500" eine wirklich neue, weil größere Dimension. Fast 100 Prozent der Bauteile des Fahrzeugs sind neu! Der bisherige Fiat 500 und der Fiat Panda wurden schon zu Jahresbeginn "hybridisiert". Dazu haben wir bereits die Plug-ins Jeep Compass und Renegade im Handel, der Wrangler als PHEV folgt schnell. Auch der Ducato wird noch zum Jahresende vollelektrisch erscheinen und wird in der Flotte seinen Weg machen. Wir hatten für die neuen Modelle eine sehr originelle Markteinführung in Berlin geplant und mussten sie wegen Corona verschieben. Sie wird der Hammer!

Unsere Planung für 2021 ist für Personenwagen wie Nutzfahrzeuge so ausgelegt, dass wir die ambitionierten CO2-Ziele im Auge behalten. Apropos Absatzziele und CO2: Ich möchte an dieser Stelle nicht die detaillierten Ambitionen nennen. Aber wir werden jedem Partner transparent mitteilen, wie wir die Ziele aufgebaut haben, basierend auf Markt, Produkt und Leistung. Wir arbeiten täglich hart, wir kämpfen und wir genießen das Wachstum unseres Teams: bedeutet das Wachstum des Handels. Das ist die Absicht des Vorstands der FCA Germany AG: von Norbert Tschrepp und von mir.

Stellantis

AUTOHAUS: Im März 2021 kommt der Verbund von Peugeot mit FCA zu Stellantis zustande. 14 Marken unter einem Dach. Welche Marke bleibt übrig? Wie muss man sich den neuen Zentralismus aus Paris vorstellen? Händlernetzausdünnung?

M. G. Davino: Bis Ende des ersten Quartals 2021 soll die 50:50 Fusion zum neuen Konzern Stellantis abgeschlossen sein, vorher werden wir dazu nicht viel sagen können. Wenn ich mir erlauben darf den betroffenen FCA-, Peugeot- und Opel-Händler etwas zu sagen, dann ist es dies, dass es in Folge für den einzelnen Händler nie eine schlechte Entscheidung sein wird. Wir werden uns jeden Fall, jeden einzelnen Händler anschauen, um zu einer richtigen Entscheidung zu kommen. Nicht nur für meine Händler, sondern auch für die anderen. Ich darf hier auf einschlägige Erfahrungen verweisen, die ich mit derartigen Umstrukturierungen habe. Denken Sie dabei zum Beispiel an den Zusammenschluss von Fiat mit Chrysler, da konnten wir bereits positiv viele Lehren mitnehmen.

AUTOHAUS: Besten Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Prof. Hannes Brachat.

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Fiat 500e Cabrio
Fiat 500e Cabrio (2021)Fiat 500e Cabrio (2021)Fiat 500e Cabrio (2021)

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