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Gesetzesreform: Wie sich die geplante Kfz-Steuer auswirkt

Gesetzesreform
Wie sich die geplante Kfz-Steuer auswirkt
Die Berechnung der Kfz-Steuer soll stärker am Spritverbrauch und damit am CO2-Ausstoß orientieren.
© Foto: picture alliance/imageBROKER/Christian Ohde

Dicke Steuern für dicke Autos - so will die Bundesregierung mehr Autofahrer zum Umstieg auf klimafreundliche Modelle bewegen. Schon an diesem Freitag könnte das Kabinett die Pläne absegnen. Doch das ist nicht das einzige, was bald auf Autofahrer zukommt.

Die Bundesregierung will die Deutschen dazu bringen, klimafreundlichere Autos zu kaufen. Die Kfz-Steuer für verbrauchsintensive Fahrzeuge soll deshalb steigen. Ausgerechnet in der Corona-Krise soll also eine Steuererhöhung beschlossen werden - allerdings eine, die die meisten Bürger kaum nennenswert spüren werden.

Das Problem: Die Bundesregierung will die Kohlendioxid-Emissionen im Verkehr um mindestens 40 Prozent verringern - doch die Bürger kaufen immer mehr Geländewagen und SUV, die viel CO2 ausstoßen. Die neue Steuer solle einen Anreiz geben, beim nächsten Neuwagenkauf "ohne Verbote und Strafabgabe" ein umweltfreundlicheres Auto zu wählen, schreibt das Finanzministerium in seinem Gesetzentwurf, der schon an diesem Freitag im Kabinett beschlossen werden könnte. Dann ist der Bundestag am Zug, es könnte sich also auch noch was ändern.

Ein Überblick über die Pläne - und was auf Autofahrer noch zukommt:

Das neue Berechnungsmodell

Ziel der neuen Berechnung ist im Prinzip: dicke Steuern für dicke Autos. Dafür fließt neben dem Hubraum eine verschärfte Klimakomponente ein, die sich am Spritverbrauch und damit am CO2-Ausstoß des Autos orientiert. Sie steigt in sechs Stufen von zwei bis auf vier Euro je Gramm Kohlendioxid pro Kilometer.

Konkret heißt das: Bis 95 Gramm CO2 je Kilometer liegt der Klima-Aufschlag auf die Steuer bei null. Von 96 bis 115 Gramm fallen - wie bisher auch - zwei Euro je Gramm und Kilometer an. Ab einem CO2-Ausstoß von 116 Gramm pro Kilometer steigt die Klimakomponente im Vergleich zum bisherigen Steuersatz an: zunächst auf 2,20 Euro, dann auf 2,50 Euro, 2,90 und 3,40 Euro bis zu einem Spitzensatz von vier Euro für Autos mit einem CO2-Ausstoß von mehr als 195 Gramm je Kilometer.

"Die Steuer wird sich im Vergleich zur bisher gewohnten Höhe deutlich verändern", sagt das Finanzministerium für diese Autos voraus.

Für wen sich jetzt was ändert

Die meisten Autofahrer werden die Änderung erstmal nicht im Geldbeutel spüren - denn sie gilt nur für Neuzulassungen. Und auch hier müssen längst nicht alle mehr Geld zahlen. Elektroautos sind für zehn Jahre komplett von der Kfz-Steuer ausgenommen. Wer ein anderes, sehr klimafreundliches Auto kauft, zahlt ebenfalls nicht drauf.

Aufschläge im Vergleich zur bisherigen Steuer gibt es erst ab einem CO2-Ausstoß von 116 Gramm pro Kilometer. Das bedeutet aber auch: Der durchschnittliche Neuwagen wird bei der Steuer teurer.

Wer wie viel draufzahlt

Laut Ministerium hatten die 2019 erstzugelassenen Autos im Schnitt einen CO2-Prüfwert von 157 Gramm pro Kilometer. Dieses Durchschnittsauto wird mit der neuen Steuer im Jahr 15,80 Euro teurer. Die Spanne reicht allerdings von wenigen Cent bis zu mehr als 100 Euro. So ändert sich bei einem Opel Corsa mit einem CO2-Ausstoß von 95 Gramm, einem typischen Kleinwagen, gar nichts. Ein Vielfahrer- und Familienauto wie der VW Passat mit 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer würde einen Euro teurer.

Größer ist der Unterschied bei den beliebten SUV, in deren Segment im vergangenen Jahr mehr als jeder fünfte Neuwagen fiel. Für einen VW T-Roc mit 151 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer fielen 11,50 Euro mehr an, für einen Audi Q8 mit CO2-Ausstoß von 182 Gramm pro Kilometer müsste man fast 42 Euro mehr zahlen. Bei einem Sportwagen wie dem Porsche 911 mit 215 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer wären es 100 Euro mehr im Jahr, bei einem Ferrari 812 mit 340 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer sogar 350 Euro.

Kritik

Umweltschützer meinen, der aus ihrer Sicht geringe Steueraufschlag werde niemanden vom Kauf seines Lieblingsautos abbringen. Wolle man einen echten Effekt, so müssten nicht nur Spritschleudern teurer, sondern zugleich emissionsarme Autos günstiger werden. Andere, etwa die FDP, fürchten einen großen Schaden für die wegen der Corona-Krise ohnehin gebeutelte Autobranche, die an SUVs gut verdient.

Generell kommen auf Autofahrer noch einige Änderungen zu - sowohl Belastungen als auch Erleichterungen:

CO2-Preis macht Sprit teurer 

Von 2021 an macht ein CO2-Preis Benzin und Diesel teurer. Im ersten Jahr sind es 25 Euro pro Tonne CO2 - das entspricht laut Bundesregierung einem Aufpreis von brutto etwa sieben Cent pro Liter Benzin und acht Cent pro Liter Diesel. In den ersten Jahren ist der Preis festgelegt und steigt schrittweise an, später soll er sich aus Angebot und Nachfrage bilden. Bis 2025 steigt der Preis schrittweise auf bis zu 55 Euro im Jahr 2025 an. 2026 soll ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro gelten.

Pendlerpauschale steigt

Arbeitnehmer mit längeren Fahrwegen werden wegen der steigenden Spritpreise entlastet. Ab 2021 steigt die Pendlerpauschale ab dem 21. Entfernungskilometer von 30 auf 35 Cent, von 2024 an noch weiter auf 38 Cent pro Kilometer. Diesen Betrag darf man pro Arbeitstag von den zu versteuernden Einkünften abziehen, es zählt die einfache Entfernung. Wer so wenig verdient, dass er keine Steuern zahlt, soll über eine Mobilitätspauschale profitieren.

Nur E-Auto-Kauf wird gefördert

Bis mindestens Ende 2025 können Bürger, die ein Elektroauto kaufen, von einem Umweltbonus profitieren. Bei einem Listenpreis bis 40.000 Euro gibt es 6.000 Euro für reine E-Autos und bis 4.500 Euro für Hybride, die elektrisch oder mit Sprit fahren. Für teurere Autos - bis 65.000 Euro - gibt es 5.000 Euro Bonus für reine E-Pkw und 3.750 für Hybride. Den Bonus zahlen zur Hälfte die Hersteller, die andere Hälfte kommt aus Steuergeldern. Bis Ende 2021 verdoppelt der Staat nun seinen Anteil als Teil des Konjunkturpakets. Wer jetzt ein reines E-Auto kauft, kann dann bis 9.000 Euro sparen. (dpa)


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