Der Boom bei Elektroautos hat eine neue Baustelle geschaffen: den Wiederverkauf. Während immer mehr Stromer auf Europas Straßen unterwegs sind, fehlt vielerorts noch ein funktionierendes Ökosystem für den Gebrauchtwagenhandel. Das Münchner Start-up Aampere will diese Lücke schließen und hat dafür nun frisches Kapital eingeworben.
Das Unternehmen sicherte sich in einer Finanzierungsrunde 4,2 Millionen Euro. Angeführt wurde die Runde vom estnischen Investor Trind Ventures. Zudem steigt Vend Marketplaces ASA, Betreiber führender Fahrzeugplattformen in den nordischen Ländern, als Minderheitsgesellschafter ein. Auch der Consumer-Investor G-FUND, bestehende Geldgeber rund um GIMIC sowie mehrere Branchenexperten beteiligen sich.
Wachsende Nachfrage trifft auf fragmentierten Markt
Der Markt für gebrauchte Elektrofahrzeuge gilt als einer der entscheidenden Hebel für die weitere Verbreitung der Elektromobilität. Zwar wechseln europaweit immer mehr Kunden auf batterieelektrische Fahrzeuge, der Wiederverkauf läuft jedoch häufig noch über nationale Einzellösungen, manuelle Prozesse und wenig transparente Strukturen.
Genau hier setzt Aampere an. Die Münchner haben eine digitale C2B-Handelsplattform entwickelt, die den Verkauf gebrauchter Elektroautos innerhalb von 48 Stunden ermöglichen soll. Ein Algorithmus zur Wertermittlung, digitale Fahrzeugprüfungen und eine integrierte Logistik bilden die Grundlage. Über eine europaweite Händlerauktion wird ein marktgerechter Preis ermittelt. Akzeptiert der Verkäufer das Angebot, übernimmt Aampere die weitere Abwicklung inklusive Zahlung und Fahrzeugabholung.
Wachstumskurs zieht Investoren an
Dass das Modell funktioniert, sollen die Geschäftszahlen belegen. Nach Unternehmensangaben hat sich der Umsatz im vergangenen Jahr vervierfacht. Inzwischen werden mehrere Tausend Elektroautos pro Jahr über die Plattform vermarktet. Das Team zählt mittlerweile mehr als 25 Mitarbeitende.
Auch die neuen Investoren sehen darin erhebliches Potenzial. David Hoffmann, VP Strategy & Growth bei Vend Mobility, erklärte: "C2B ist eine unserer Kernsäulen bei Vend Mobility, und wir sehen, wie die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in den Nordics rasant zunimmt. Aampere begegnet dem daraus entstehenden Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage mit einem intelligenten Transaktionsmodell – und wir freuen uns, ihren Wachstumsweg als Minderheitsinvestor zu begleiten."
Expansion in weitere Märkte geplant
Mit dem frischen Kapital will Aampere sowohl die Verkäufer- als auch die Käuferseite seiner Plattform stärken. Geplant sind neue Partnerschaften zur Fahrzeugakquise, zusätzliche Vertriebskanäle sowie die Erweiterung des europaweiten Händlernetzwerks.
Für Gründer und CEO Florian Reister kommt die Finanzierung zum richtigen Zeitpunkt: "Elektromobilität ist europaweit auf dem Vormarsch – doch der Sekundärmarkt für gebrauchte E-Autos ist noch fragmentiert und ineffizient. Genau jetzt braucht es eine Infrastruktur für den Sekundärmarkt." Aampere baue die Plattform dafür.
Die Ambitionen reichen dabei über Deutschland hinaus. Das Start-up sieht sich als künftige Infrastruktur für den europaweiten Handel mit gebrauchten E-Fahrzeugen. Reister: "Mit dem frischen Kapital und starken neuen Partnern an unserer Seite beschleunigen wir unsere Expansion und bauen unsere Position im europäischen Markt weiter aus."