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Allianz Ablenkungsstudie: 50 % höheres Unfallrisiko durch moderne Technik

Allianz Ablenkungsstudie: 50 % höheres Unfallrisiko durch moderne Technik
"Moderne Alleskönner sind gefährlich für die Verkehrssicherheit", lautete vergangene Woche das ernüchternde Fazit von AZT-Geschäftsführer Dr. Christoph Lauterwasser, Allianz-Schadenvorständin Dr. Lucie Bakker und Pressesprecher Christian Weishuber bei der Präsentation der neuesten Ablenkungsstudie.
© Foto: Allianz

Nach 2011 und 2016 hat die Allianz Versicherung vergangene Woche ihre nunmehr dritte Ablenkungsstudie präsentiert. Die Ergebnisse lassen aufhorchen und sind in höchstem Maße besorgniserregend.

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"Keine Toleranz für Tote und Schwerverletzte durch Ablenkung", lautet das unmissverständliche Credo von Dr. Lucie Bakker, Schadenvorständin der Allianz Versicherung AG. Unter Federführung von Dr. Jörg Kubitzki, Sicherheitsforscher im Allianz Zentrum für Technik (AZT) und Autor der Allianz Studie, wurden zum nunmehr dritten Mal aktuelle Zahlen darüber erhoben, durch was Fahrer:innen im Straßenverkehr abgelenkt und in gefährliche Situationen gebracht werden.

Im Fokus stehen dabei mehr denn je die sogenannten "Alleskönner". Darunter verstehen Kubutzki, Bakker und AZT-Geschäftsführer Dr. Christoph Lauterwasser insbesondere die Gefahren, welche von der Bedienung moderner Kommunikations-, Unterhaltungs- und Komforttechniken auf die Fahrzeuglenker:innen ausgehen. "Plus 50 Prozent Unfallrisiko" lautet die Analyse der Studie.

Ablenkung ist kein Gewohnheitsrecht

Was den Allianz-Verantwortlichen dabei besonders missfällt, ist die Tatsache, dass "Ablenkung am Steuer immer noch nicht die soziale Ächtung erfährt, die zum Beispiel dem Autofahren im alkoholisierten Zustand entgegengebracht wird". Im Gegenteil würden heute sogar immer mehr Autofahrer:innen die Nutzung technischer Funktionen, die nicht der reinen Fahrzeugführung dienen, als selbstverständlich empfinden.

Die Verfügbarkeit dieser modernen "Alleskönner" steige sogar weiter stark an, was in fast gleicher Weise auch für deren Komplexität gelte – egal, ob es sich dabei um fest verbaute Geräte wie dem Bordcomputer oder um mobile Geräte wie etwa das Handy handele. "Sich beim Autofahren mit dem Smartphone zu befassen, gehört mittlerweile zur Normalität. Gleichzeitig nehmen die Ablenkungsmöglichkeiten in heutigen Fahrzeugen immer weiter zu", konstatierte Schadenvorständin Lucie Bakker. Kern des Problems sei, dass "vielen Fahrer:innen die Gefahr zwar bekannt ist, sie diese Einsicht aber nicht auf ihren Fahralltag übertragen. Das ist fatal." Ablenkung dürfe deshalb keinesfalls zum Gewohnheitsrecht werden.

Texten ist das neue Telefonieren

Immer mehr Menschen gingen zudem dazu über, am Steuer Textnachrichten zu lesen und zu schreiben. "Die neue Allianz Studie zeigt, dass sich der Anteil an Autofahrer:innen, die das Smartphone in die Hand nehmen und eine Textnachricht schreiben oder lesen, zwischen 2016 und 2022 von 15 auf 24 Prozent um fast zwei Drittel erhöht hat", so auch Christoph Lauterwasser, Leiter des Allianz Zentrum für Technik (AZT). "Diese Entwicklung ist besorgniserregend und gefährlich. Wer am Steuer während der Fahrt Nachrichten schreibt, hat ein mehr als 50 Prozent erhöhtes Unfallrisiko."

Bordcomputer auf dem Vormarsch

2016 verfügte nur ein Drittel aller Autofahrer:innen über ein Fahrzeug mit einem zentralen Sichtfelddisplay zur Bedienung von Kommunikations-, Unterhaltungs- und Komfortfunktionen (Bordcomputer), inzwischen ist der Anteil auf fast 50 Prozent gestiegen. Rund die Hälfte dieser befragten Personen bestätigten in der Allianz Studie, durch die Bedienung des Bordcomputers abgelenkt zu werden. Das Unfallrisiko erhöht sich dadurch um 44 Prozent.

Wenn das Crashrisiko bis zu 89 % ansteigt...

Einige Funktionen sind laut der Studie besonders riskant: Wer beispielsweise eine Fahrerassistenzfunktion wie den Spurhalteassistenten zu fahrfremden Aktivitäten missbraucht und dabei beide Hände für längere Zeit vom Lenkrad nimmt, erhöhe sein Unfallrisiko um 56 Prozent. Wird das Autoradio über den Bordcomputer bedient, verdoppele sich das Risiko annähernd auf sage und schreibe 89 Prozent.

Handy wird zu vielerlei Dingen missbraucht

Eine vergleichbare Risikosteigerung werde auch für andere Technikablenkungen beobachtet. Besonders rasant sei die Entwicklung bei der Benutzung von Funktionen bzw. Apps jenseits von Textnachrichten, Telefonaten oder Navigation: "Das Handy bzw. ein anderes elektronisches Gerät in der Hand wird immer mehr auch zum Spielen, Musikauswählen, Bilderanschauen, Websurfen oder anderem genutzt. Bei unserer Befragung 2016 bejahten dies nur sechs Prozent, im Jahr 2022 bekannte sich bereits jeder Fünfte (22 Prozent) dazu", sagte Lauterwasser.

Ablenkung inzwischen in die Unfallaufnahme integriert

2021 wurde erstmals in die polizeiliche Unfallaufnahme die Kategorie "Ablenkung" integriert. Die Bedeutung komme jetzt auch in den amtlichen deutschen Zahlen zum Ausdruck. Bei Unfällen, in denen Ablenkung eine Rolle spielte, verletzten sich 2021 laut Statistischem Bundesamt 8.233 Menschen und 117 starben – das sind knapp fünf Prozent aller 2.562 Getöteten.

"Das Vorgehen der amtlichen Erhebung ist sehr defensiv, nur identifizierbare Wegwendung vom Verkehr wird erfasst, und auf das unspezifische Merkmal ,Unaufmerksamkeit‘ wird ganz verzichtet. An die Beweislage am Unfallort werden hohe Anforderungen gestellt, die Dunkelziffer ist daher ebenfalls sehr hoch. Es bestätigt sich aber erstmals auch für Deutschland, dass Ablenkung die am meisten unterschätzte Unfallursache auf unseren Straßen ist", so Jörg Kubitzki vergangene Woche in München. Auch die Unfallzahlen für die ersten zehn Monate 2022 gäben Anlass zur Sorge. So stieg die Zahl aller Ablenkungsunfälle mit Personenschaden gegenüber dem Vorjahreszeitraum um ein Viertel (23,5 Prozent).

Junge Autofahrer:innen als Sorgenkinder

Junge Fahrzeuglenker:innen im Alter von 18 bis 24 Jahren seien besonders ablenkungsgefährdet. So gaben 30 Prozent der Autofahrer:innen dieser Altersgruppe an, während der Fahrt mit dem Smartphone in der Hand zu elektronische Nachrichten mit dem Handy in der Hand zu tippen oder zu lesen – das entspricht einem Anstieg um den Faktor 2,5 zwischen 2016 und 2022.

Präventive Fahrerüberwachung stößt auf Ablehnung

Der Großteil der Fahrzeuglenker:innen stehe einer elektronischen Überwachung des Fahrers, dem sogenannten Driver Monitoring, zur
Fahrerzustandserkennung noch skeptisch gegenüber. So stimmen laut der Studie lediglich 39 Prozent der Befragten einer Kamera- bzw. Infrarotabtastung von Augen, Gesicht bzw. Kopf zu, bei der die Technik anonymisiert nur Ablenkung erkennt. "Für das Driver Monitoring besteht somit noch Überzeugungsbedarf", sagte Christoph Lauterwasser. Es solle dabei auch nicht um Bevormundung gehen, sondern um Unterstützung. Die neuesten Fahrzeug- und Verkehrstechniken ermöglichen es, Fahrer:innen bei Ablenkung zu warnen. Schon diese Rückmeldung könne zu einer positiven Verhaltensänderung beitragen. Lauterwasser: "Das sollten wir nutzen, um den Straßenverkehr für uns alle sicherer zu machen."

Für die aktuelle Sicherheitsstudie führte das Allianz Zentrum für Technik (AZT) gemeinsam mit der Gesellschaft für Innovative Marktforschung mbH (GIM) eine Repräsentativerhebung unter 1202 Pkw-Fahrer:innen in Deutschland durch.

Mobile und fest verbaute Gerätetechniken führen zu einer Vielzahl von Ablenkungssituationen, die häufig schwere oder sogar tödliche Unfälle zur Folge haben. "Inakzeptabel und zu ächten", sagen die Allianz-Verantwortlichen.
© Foto: Allianz
Die Grafik zeigt wesentliche Beispiele für ablenkende Aktivitäten während der Fahrt und die seit der letzten Studie 2016 eingetretenen Veränderungen.
© Foto: Grafik Allianz
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