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Sensation vor 50 Jahren: Als die "Rote Sau" Geschichte schrieb

Um fast 200 Kilogramm abgespeckt, war die "Rote Sau" mit 1.635 Kg (ohne Fahrer) 1971 immer noch ein absolutes Schwergewicht und fuhr dennoch das Gros der wieselflinken Renntourenwagen der Wettbewerber regelrecht in Grund und Boden.
© Foto: mvconline.de

Vor genau einem halben Jahrhundert sorgte ein mächtiges "Dickschiff" dafür, dass die damals noch junge Firma AMG schlagartig zur Marke und das Unternehmen damit international bekannt wurde: Der Renntourenwagen 300 SEL 6.8. Damals wie heute sprechen Motorsport-Enthusiasten ehrfürchtig über die "Rote Sau" und ihre beeindruckenden Auftritte von Spa-Francorchamps.

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Der "Mercedes-Benz Veteranen Club von Deutschland e.V." mit Sitz in Stuttgart (mvconline.de) hält nicht nur die Geschichte der schwäbischen Automobilmarke mit Stern lebendig, sondern beschäftigt sich regelmäßig in seinem Newsletter auch mit aktuellen und selbst automobil-politisch relevanten Themen, die man im Netz nachlesen kann (https://ticker.mercedes-benz-passion.com). Eine Nachricht der vergangenen Woche betraf indes ein Ereignis, das wohl jedem Motorsportfreund, der selbst die 50 schon hinter sich gelassen hat, noch heute den Puls höher schlagen und Emotion aufkommen läßt: Der Auftritt der "Roten Sau" beim 24-Stunden-Rennen 1971 von Spa-Francorchamps. Für das 1967 gegründete Unternehmen AMG war es der erste Renneinsatz überhaupt. Am Steuer des Mercedes-Benz 300 SEL 6.8 AMG Tourenwagens wechselten sich die erfahrenen Piloten Hans Heyer und Clemens Schickentanz ab.

AMG war indes bei dem belgischen Langstreckenklassiker alles andere als Favorit: Der ADAC erinnert an die damals mächtigen Gegner in den Ardennen, die da hießen: Ford Capri RS, BMW 2800 CS, Chevrolet Camaro, Opel Commodore und Alfa Romeo GTA. Keiner rechnete damit, dass die große Luxuslimousine aus der schwäbischen Provinz Affalterbach mit den arrivierten Teams überhaupt würde mithalten können. Und dass AMG am Ende den Klassensieg und auch den zweiten Platz im Gesamtklassement schaffen würde, erschien allen Beteiligten und auch den Rennstreckengegnern als restlos utopische Vorstellung.

Das geschichtsträchtige Ereignis beschrieb der jüngste MVC Oldtimerticker vom 6. August wörtlich wie folgt:

"Dieses Rennen bringt AMG schlagartig auf die Bühne des Motorsports: Am 24. Juli 1971 gehen um 15 Uhr fast 80 Renntourenwagen an den Start der 24 Stunden von Spa-Francorchamps. Mittendrin im Feld fährt eine mächtige Mercedes-Benz Luxuslimousine der Baureihe W 109 über den Ardennenkurs. Es ist kein Werksrennwagen, sondern ein Fahrzeug, das von dem 1967 gegründeten Ingenieurbüro von Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher eingesetzt wird.

AMG hat diesen Vorläufer der Mercedes-Benz S-Klasse für das Langstreckenrennen umfassend vorbereitet, die Schwerpunkte liegen auf Motor und Fahrwerk. Die technischen Daten sind für Renntourenwagen der damaligen Zeit gigantisch: 315 kW (428 PS) aus 6.835 Kubikzentimetern Hubraum, bis zu 620 Newtonmeter Drehmoment, eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als 265 km/h und ein Beschleunigungsvermögen aus dem Stand auf 100 km/h in 6,1 Sekunden. AMG 300 SEL 6.8 lautet der Name des roten Rennwagens – auch wenn der Stern auf dem Kühler klar auf die Stuttgarter Marke verweist.

Faszinierendes Start-up

Der Firmenname AMG ist 1971 noch nicht weithin bekannt, geläufig vor allem sportlich ambitionierten Liebhabern leistungsgesteigerter Mercedes-Benz Automobile. Die Anfangsbuchstaben der Nachnamen Aufrecht und Melcher und des Orts Großaspach (dort arbeiten die beiden Gründer in den 1960er-Jahren erstmals zusammen an Rennmotoren) ergeben das Kürzel. Unternehmenssitz ist eine ehemalige Mühle im Nachbarort Burgstall.

Am Ende der 24 Stunden von Spa-Francorchamps 1971 hat sich die Marke AMG über Nacht einen Ruf in der Welt des Rennsports verschafft. Denn Hans Heyer und Clemens Schickentanz fahren im 300 SEL 6.8 auf einen sensationellen Platz 2 im Gesamtklassement und sichern sich den Sieg in ihrer Klasse. Selbst die renommierte Nachrichtensendung ,Tagesschau' der ARD berichtet über den Rennsportcoup in Belgien. Die Zeitschrift ,auto motor und sport' feiert ihn als ,Schwabenstreich'.

Der ,unglaubliche zweite Platz'

Dieser Rennerfolg vor 50 Jahren ist aber absolut keine Selbstverständlichkeit. Denn die große, 1.635 Kilogramm wiegende Limousine (immerhin 195 Kilogramm leichter als die Serienversion) muss sich in dem belgischen Marathonrennen gegen ein Feld flinker Renntourenwagen behaupten. Zum Glück liegt dem Fahrzeug der alte Kurs von Spa-Francorchamps – 14,863 Kilometer lang und mit vielen Geraden, auf denen Vollgas gefahren werden kann. Der 300 SEL 6.8 hält sich wacker und rast zuverlässig durch die Nacht, während immer mehr Fahrzeuge aus dem Rennen ausscheiden: Im Morgengrauen sind noch 23 Wagen unterwegs, ganze Werksmannschaften haben ihre Flaggen gestrichen. Der Außenseiter aus Affalterbach zieht weiter seine Bahnen und kommt schließlich als zweites Fahrzeug unter den 18 verbliebenen Renntourenwagen ins Ziel.

Das Fachmagazin ,Road & Track' beschreibt im Rückblick den erfolgreichen Balanceakt zwischen Leistung und Gewicht: ,Im Rennen hatte der große V8-Motor einen unstillbaren Durst nach Treibstoff, und das Gewicht (des Fahrzeugs) führte dazu, dass es schnell seine Reifen verschliss. Doch die Geschwindigkeit der Roten Sau glich auf den langen Geraden von Spa-Francorchamps diese Ineffizienzen mehr als aus. Nach 24 Stunden stürmte sie auf einen unglaublichen zweiten Platz hinter einem Ford Capri."

Rekonstruierte "Rote Sau" aktuell im MB-Museum

Ein Highlight gibt es derzeit auch in Stuttgart: Das Mercedes-Benz Museum präsentiert die detaillierte Rekonstruktion der legendären "Roten Sau" seit dem 20. Juli bis zum 19. September 2021 im Atrium. Der Eintritt zu dem Bereich ist kostenfrei. (fi)

Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, hieß früher die Losung für Kraft und Leistung: Der 300 SEL aus 1971 schöpfte aus 6.8 Liter Hubraum sensationelle 428 PS bei einem Drehmoment bis zu 620 Nm und einer Geschwindigkeit von mehr als 265 km/h. Die von diesem Aggregat ausgehende "Sound-Atmosphäre" begeisterte seinerzeit die Massen auf den Rängen, im Renntrimm stillte der großvolumige Achtzylinder mit offenem Luftansaug seinen üppigen Durst dafür allerdings auch mit 35 bis 45 Litern oktanreichem Kraftstoff.
© Foto: mvconline.de
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