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Aftersales 2035: Geschäft mit Reparaturen und Ersatzteilen beginnt zu bröckeln

In Deutschland nehmen die Umsätze laut Studie bereits in der laufenden Dekade ab und verringern sich bis 2035 um 3,1 Prozent.
© Foto: Nomad_Soul/stock.adobe.com

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Bain & Company werden Einflussfaktoren wie die Elektromobilität und das autonome Fahren zu geringeren Umsätzen im Aftersales führen – in Deutschland schneller als in anderen Märkten.

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Das stabile und lukrative Aftersales-Geschäft der Automobilbranche ist nicht nur durch die Corona-Krise bedroht, die zu geringeren Fahrleistungen führt. Die Serviceumsätze pro Pkw werden in den kommenden Jahren deutlich und nachhaltig zurückgehen. Bis 2035 belaufen sich die jährlichen Einbußen auf 5,5 Prozent. Zu diesem Schluss kommt die Studie "Aftersales: Der stille Fluch der Fahrassistenzsysteme" der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company, die Ursachen für das nachlassende Reparatur- und Ersatzteilgeschäft aufzeigt und erläutert, wie Marktteilnehmer Umsatzrückgänge abfedern können.

Die Langfristprognose widerlege die verbreitete Auffassung, nach der schon in den nächsten Jahren vor allem die steigende Zahl von Elektroautos mit weniger verbauten Komponenten das Aftersales-Geschäft unter Druck setzen werde, heißt es. 2035 führe dies in den fünf großen europäischen Märkten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien zwar zu einem Umsatzrückgang von knapp zwei Prozent. Doch einen nahezu doppelt so hohen Effekt mit minus 3,7 Prozent habe in diesem Zeitraum der Faktor Fahrassistenzsysteme – und damit die zunehmende Automatisierung der Pkw.

"Heute gängige Systeme senken die Unfallwahrscheinlichkeit bereits um bis zu 30 Prozent und die Unfallschwere um bis zu zehn Prozent", erklärt Bain-Partner und Studienautor Eric Zayer. "Aus Gründen der Sicherheit ist dies sehr zu begrüßen. Gleichzeitig verringert sich der Reparatur- und Ersatzteilbedarf erheblich, und wir stehen erst am Anfang des automatisierten Fahrens." Den Prognosen zufolge würden 2035 knapp zwei Drittel der weltweit genutzten Fahrzeuge über sogenannte Level-1- und Level-2-Systeme verfügen, die ein assistiertes oder teilautomatisiertes Fahren ermöglichten. Hinzu kämen dann voraussichtlich weitere zehn bis 15 Prozent, die mit Level-3-Systemen ausgestattet seien und bestimmte Fahraufgaben beispielsweise auf der Autobahn vollständig übernehmen könnten.

Steigender Reifenverbrauch verringert negativen Effekt

Der negative Effekt der Elektrofahrzeuge auf die Aftersales-Umsätze wäre laut Bain in den kommenden 15 Jahren deutlich ausgeprägter, würde er nicht durch einen steigenden Reifenverbrauch teilweise kompensiert werden. Dieser resultiere aus den Spezifika batteriegetriebener Fahrzeuge. Größere Pneus, eine höhere Traktion bei Beschleunigung und Rekuperation sowie tendenziell mehr Gewicht sorgten dafür, dass bei E-Autos häufiger die Reifen gewechselt werden müssten. Dennoch würden die Umsätze je batteriegetriebenem Auto bis 2035 um durchschnittlich 16 Prozent zurückgehen.

Der Vorhersage nach federt ein insgesamt steigender Fahrzeugbestand die Umsatzeinbußen durch Elektrofahrzeuge und Fahrassistenzsysteme bis 2035 ab. Die gesamten Aftersales-Umsätze in den fünf großen europäischen Märkten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien legten bis 2030 noch leicht zu, sänken dann aber wieder auf das Niveau von 2020. In den Jahren nach 2035 dürfte sich dieser Rückgang fortsetzen, denn die umsatzmindernden Effekte der wachsenden Flotte von Elektrofahrzeugen würden sich immer stärker bemerkbar machen.

In Deutschland nähmen die Umsätze bereits in der laufenden Dekade ab und verringerten sich bis 2035 um 3,1 Prozent. Das liege an dem hierzulande stagnierenden Fahrzeugbestand sowie dem größeren Anteil höherwertiger Pkw mit Fahrassistenzsystemen. Zwar habe die Vorliebe der Deutschen für besser ausgestattete Fahrzeuge zur Folge, dass die Werkstätten entgangene Umsätze zumindest teilweise durch höhere Preise ausgleichen könnten. Doch je mehr Fahrassistenzsysteme Schäden vermieden oder abmilderten, desto stärker bekämen dies die Servicebetriebe zu spüren.

Die Zunahme des automatisierten Fahrens und der Elektrifizierung sowie die daraus resultierenden Auswirkungen träfen die Marktteilnehmer in den fünf Ländern mit unterschiedlicher Wucht. Besonders hohe Einbußen dürften die Autohersteller sowie die markengebundenen Servicebetriebe erleiden. "Servicebetriebe, bei denen die Ertragslage schon heute angespannt ist, können in eine existenzbedrohende Schieflage geraten", stellt Bain-Partner und Studien-Co-Autor Marcus Hoffmann fest. "Umfassende strukturelle Veränderungen sind notwendig, um das Geschäft zu sichern." Auch bei vielen anderen Marktteilnehmern bestehe akuter Handlungsbedarf.

Kunden langfristig binden

Die Bain-Studie zeigt den Unternehmen verschiedene Möglichkeiten auf, wie sie ihre Marktposition verteidigen können. Autohersteller brauchen demzufolge intelligente Lösungen entlang der gesamten Kundenreise. Durch langfristige Service- und Wartungsverträge könnten sie die Loyalität ihrer Kunden stärken und diese an sich binden, heißt es. Weitere Ertragschancen ergäben sich durch die Nutzung der Daten von Fahrassistenzsystemen, etwa bei Versicherungsprodukten, aber auch durch zusätzliche Dienstleistungen wie etwa auf Echtdaten basierende Wartungsintervalle für die zunehmend vernetzten Fahrzeuge.

Die Werkstätten könnten das Schrumpfen der klassischen Wartungs- und Reparaturumsätze zumindest teilweise durch ein verändertes und erweitertes Leistungsspektrum auffangen. Erhebliche Ertragschancen biete beispielsweise das lange vernachlässigte Reifengeschäft. Branchenkenner Zayer ist überzeugt: "Die Servicebetriebe müssen jetzt die Loyalität ihrer Kunden stärken sowie in neue Dienstleistungen und Angebote investieren, um die Rückgänge im Kerngeschäft zu kompensieren." (AH)

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KOMMENTARE


Dieter M. Hölzel

19.10.2020 - 11:38 Uhr

Rückläufiges Rep.-Geschäft und Ersatzteile, da sind wir doch mal wieder bei der hauseigenen Versicherungs-Abtlg., wenn Kunden nicht im Autohaus versichert werden. 75 Prozent der Autohaus Kunden erwarten ein Vers.-Angebot ihres Autohauses, nur wird diesem Wunsch des Kunden - fahrlässig - nicht nachgekommen. Die Schadensteuerung der meisten Versicherer wird zunehmend intensiviert, jetzt müsste doch spätestens jeder den " Knall " gehört haben.


Philippe Lièvre

19.10.2020 - 20:07 Uhr

Auch #Deloitte konstatiert: "Im Aftermarket (...) droht (..) in 15 Jahren ein Umsatzrückgang von 55 Prozent." Abgenutzte Kundenbindungsinstrumente à la "ein weiterer 20% Gutschein", haben ausgedient. Wer es schafft, (ubiquitäre) Daten zu nutzen und (Achtung: Neu) Mobilität, statt eines Autos + einer Finanzierung + einer Wartung zu verkaufen, wird das Rennen machen. MaaS - Mobility as a Service.


Teilefuzzi

20.10.2020 - 11:59 Uhr

Letzte Inspektion an meinem Fahrzeug beim Vertragshändler: 23 € für den Liter Motorenöl, Ölstopfendichtring 4,50€, Zusatz für die Scheibenwaschanlage 4,50€(es fehlte 1/4 Ltr.) dafür bekommt man beim Diskounter 5 Ltr. Ich brauche der Runde nicht zu sagen, was 1 Litr Öl dem Handel im Einkauf kostet. Und Winterkompletträder gab es nur auf LM Felgen zu einem horrenden Preis und man konnte am 12.10. noch nicht sagen wann umgerüstet werden kann.Winterkompletträder habe ich dann beim örtlichen Reifenhändler bekommen, auf Stahlfelge!


F.C.

21.10.2020 - 10:41 Uhr

@Teilefuzzi, so kann nur jemand denken der kein Unternehmerisches oder Kaufmännisches Denken hat.


Willi Krause

21.10.2020 - 11:51 Uhr

@ Herr Hölzel - Sehr geehrter Herr Hölzel, Ihr Engagement für die Versicherungswirtschaft in allen Ehren. Aber m.m. nach sind die Zeiten vorbei, wo man mal bei Bekannten oder Kollegen eine Versicherung gemacht hat. Versicherung ist nicht nur KFZ-Police - die Ausbildung zum Versicherungskaufmann ist mindestens genau so anspruchsvoll wie die zum Automobilkaufmann. Ich bezweifle grundsätzlich erstmals, dass in einem Autohaus das Verkaufspersonal entsprechend fundiert ausgebildet ist und mir im Schadensfall oder Vertragsangelegenheiten juristisch saubere Ratschläge und Handlungsempfehlungen geben kann.


ExVerkäufer

21.10.2020 - 13:47 Uhr

Teilefuzzi denkt so, wie der Kunde denkt !Man muss sich das, meist von den Konzernen angeordnete, Abzocken der Markenwerkstätten nicht gefallen lassen.Die Markenbetriebe sind mittlerweile viel zu aufgeblasen.Auch das wurde und wird von oben bestimmt.Hoffentlich geht dieses Denken der Kunden so weiter.


Dieter M. Hölzel

21.10.2020 - 15:28 Uhr

Sehr geehrter Herr Krause, natürlich ist es richtig, dass - gerade die Kfz.-Vers. - professionell zu erklären ist. Es geht aber darum, dass ein gut geführtes Autohaus über eine eigene Vers.-Abtlg., mit prof. ausgebildeten Vers.-Kaufleuten, verfügen sollte. Es geht mir nicht um ein Engagement für die Vers.-Wirtschaft, es geht um Kfz.-Fachbetriebe mit eigener Vers.-Abtlg. und geeigneten Versicherern, welche keine Schäden in eigene und/oder Partnerbetriebe vom Fachhandel wegsteuern.


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