Im deutschen Kfz-Gewerbe formiert sich eine neue Allianz für digitale Gesellenprüfungen. Acht Landesverbände wollen die Organisation künftig gemeinsam in die Hand nehmen und gründen dafür eine eigene Gesellschaft. Hintergrund ist die Entscheidung des Bundesinnungsverbands (BIV), in diesem Bereich organisatorisch künftig einen anderen Weg einzuschlagen.
Das neue Konsortium soll eine bundesweit nutzbare Struktur für Prüfungen in den Kfz-technischen Berufen schaffen. Herzstück ist eine eigenständig betriebene Aufgabenbank, die fortlaufend von Fachautorinnen und Fachautoren weiterentwickelt werden soll. Die Zusammenarbeit steht nach Angaben der Initiatoren auch weiteren Landes-, Innungs- und Fachorganisationen offen.
"Unser Auftrag ist die bestmögliche Unterstützung der Kfz-Innungen, ihrer Mitgliedsbetriebe und der Auszubildenden. Dafür brauchen wir starke Partner und verlässliche Strukturen", erklärte Thorsten Krämer, Vizepräsident und Landesinnungsmeister des hessischen Kfz-Gewerbes. "Mit der neuen Gesellschaft schaffen wir gemeinsam eine leistungsfähige Lösung für die Organisation digitaler Gesellenprüfungen, die sich konsequent an den Bedürfnissen der Länder und ihrer Organisationen orientiert."
Hessen bringt Erfahrung seit 2020 ein
Eine zentrale Rolle übernimmt dabei das Kfz-Gewerbe Hessen. Dort werden die theoretischen Gesellenprüfungen für Kfz-Mechatronikerinnen und Kfz-Mechatroniker bereits seit 2020 flächendeckend digital durchgeführt. Jährlich absolvieren nach Angaben des Verbands mehr als 2.000 Prüflinge ihre theoretische Gesellenprüfung auf diesem Weg. Krämer sieht darin ein erprobtes Modell: "Das ist eine Erfolgsgeschichte, die wir gemeinsam mit anderen Landesverbänden und Innungen weiterschreiben möchten."
Das Prüfungswesen bleibt dabei Ländersache. Die neue Gesellschaft soll künftig die Gesellenprüfungen in Hessen und weiteren Bundesländern in Abstimmung mit den jeweiligen Ländervertretern organisieren.
Eine Schlüsselrolle fällt der gemeinsamen Aufgabendatenbank zu. An der Erstellung neuer Prüfungsaufgaben wirken bereits Autorinnen und Autoren aus den Landesverbänden und darüber hinaus mit. Ergänzt wird der Bestand um ausgewählte Inhalte des Ausbildungsmediums "AUTOfachmann" (Vogel-Verlag). In einem mehrstufigen Verfahren sollen geeignete Aufgaben für die Datenbank sowie die jeweiligen Prüfungsvorschläge der Länder ausgewählt werden.
Die Prüfungsaufgabenauswahlausschüsse auf Landesebene sowie Landesverbände und Innungen sollen weiterhin zentral von erfahrenen Mitarbeitern betreut werden.
IQUL weiter Technologiepartner
Bei der Softwarebereitstellung und der technischen Durchführung der Prüfungen setzt das Konsortium weiterhin auf die IQUL GmbH. Das auf digitale Prüfungs- und Examenslösungen spezialisierte Unternehmen stellt unter anderem Prüfungssoftware und technische Infrastruktur sowie Hosting-, Support-, Schulungs- und Betriebsleistungen bereit.
"Die Zusammenarbeit hat sich über viele Jahre bewährt. Deshalb vertrauen wir weiterhin auf die professionelle und verlässliche Unterstützung unseres langjährigen Partners", betonte Joachim Kuhn, Geschäftsführer des Landesverbandes Hessen des Kfz-Gewerbes.
IQUL beschäftigt inzwischen mehr als 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Geschäftsführer Daniel Möbs erklärte: "Wir freuen uns sehr, diesen wichtigen Schritt gemeinsam mit dem Kfz-Gewerbe Hessen und den weiteren beteiligten Landesverbänden zu gehen. Als langjähriger Technologiepartner wissen wir, wie wertvoll eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit ist. Besonders schätzen wir die gemeinsamen Vorstellungen, den offenen Austausch und das sehr gute persönliche Miteinander. Auf dieser Grundlage möchten wir die digitale Gesellenprüfung gemeinsam weiterentwickeln und ihre Zukunft aktiv mitgestalten."
Angebot auch an weitere Landesverbände
Die neue Gesellschaft ist dabei nicht als geschlossenes Modell der acht Gründerverbände angelegt. Das Konsortium steht nach eigenen Angaben allen Landes-, Innungs- und Fachorganisationen der Kfz-technischen Berufe offen.
Krämer unterstrich: "Was wir in Hessen gemeinsam mit sieben weiteren Landesverbänden erfolgreich auf den Weg gebracht haben, verstehen wir als Angebot für die gesamte Branche. Unser Ziel ist es, eine moderne, ländernahe und zukunftssichere Struktur für digitale Gesellenprüfungen zu schaffen. Wir freuen uns über das große Interesse und die positiven Rückmeldungen aus weiteren Landesverbänden und Innungen."