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Werkstattnetz: Generali-Gruppe wechselt von der HUK-Coburg zur Innovation Group

Nach fast eineinhalb Jahrzehnten verliert HUK-Coburg Vorstandschef Klaus-Jürgen Heitmann (l.) die Kfz-Versicherer der Generali-Gruppe in der Schadenkooperation. Das Steuerungsvolumen aus dem HUK-Werkstattnetz übernimmt ab 1. Januar 2023 Innovation Group Vorstandsvorsitzender Matthew Whittall (r.) in "sein" IG-Partnerbetriebsnetz.
© Foto: Walter K. Pfauntsch

Nach über 14 Jahren beenden die Kfz-Versicherer der Generali-Gruppe die bisherige Nutzung des HUK-Coburg-Werkstattnetzes. Ab Anfang 2023 sollen Unfallreparaturen in die Werkstätten des Stuttgarter Schadenmanagers Innovation Group gesteuert werden.

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Die sogenannte "Schadenkooperation", bei der eine ganze Reihe von namhaften deutschen Kfz-Versicherungen ihre Unfallschäden zur Reparatur in das gemeinsame Werkstattnetz der HUK-Coburg einsteuert, wurde ursprünglich im Januar 2008 begründet. Damals gab die VHV Versicherung Hannover (inklusive der Tochter Hannoversche) ihr eigenes, bestehendes Werkstättennetz auf, um fortan alle (steuerbaren) Unfallschäden in das größere Netz der HUK-Coburg einzubringen. Die VHV verfügte seinerzeit über rund 2 Millionen Kfz-Verträge, die HUK-Coburg inklusive HUK24 über 7,8 Millionen Policen.

2008 wuchs das potenzielle Steuerungsvolumen auf 15 Mio. Kfz

Einen regelrechten Branchen-Schock verpaßte die HUK-Coburg schließlich ihren Wettbewerbern – allen voran der Allianz, der Innovation Group, dem HDI, der DEVK, dem LVM und anderen relevanten Kfz-Assekuranzen –, als sie im September 2008 sechs weitere Kraftfahrt-Versicherer ihrem zu diesem Zeitpunkt bereits aus 1.200 Vertrauensbetrieben bestehenden Werkstattnetz zuführen konnte: Neben der Gothaer und der Concordia war die komplette und damals noch so bezeichnete "AMB Generali Gruppe" (AachenMünchener, CosmosDirekt, Generali, Volksfürsorge) mit rund drei Millionen Kfz-Verträgen hinzugekommen. Später folgten Debeka und Janitos. Nach 5 Jahren ihres Bestehens verfügte die Schadenkooperation inklusive der HUK-Gruppe über ein Gesamtvolumen von mehr als 15 Millionen Kfz-Verträgen.

Aktuelle Nutzer des HUK-Werkstattnetzes

Stand 2022 hat die HUK-Versicherungsgruppe alleine bereits rund 12,5 Mio. Kfz-Verträge. In das eigene Werkstattnetz steuern neben der HUK-Coburg sowie der HUK24 und dem HUK-Teilkonzern vrk (Versicherer im Raum der Kirchen) folgende Assekuranzen ihre Unfallreparaturen ein:
• die Kfz-Versicherer der Generali-Gruppe (das sind heute die Generali Deutschland Versicherung AG, die Dialog Versicherung AG und CosmosDirekt Versicherungs AG, nachdem die Bestände der früheren AachenMünchener und der Volksfürsorge in der Generali mit aufgegangen sind);
• die Gothaer Versicherung (inklusive der Bestände der früheren Direkttochter Asstel, die 2014 in der Gothaer mit aufgegangen war) und die Gothaer-Tochter Janitos Versicherung AG;
• die Concordia-Versicherung und
• die Debeka-Versicherung.
Geschätzt dürfte das heutige Fahrzeugvolumen der Schadenkooperation bei rund 20 bis 21 Mio. Fahrzeugen liegen.

Wechsel nach mehr als 14 Jahren

In neuneinhalb Monaten soll sich nun die Zusammensetzung dieser Schadenkooperation grundlegend ändern. Vergangene Woche kündigte die Generali Deutschland Gruppe an, Ende 2022 aus dem Netz der HUK-Coburg auszusteigen und Unfallreparaturaufträge künftig zum direkten HUK-Wettbewerber Innovation Group (bzw. in dessen Partnerbetriebe) zu steuern. Damit endet gleichzeitig eine mehr als 14-jährige Partnerschaft im Kfz-Schadenmanagement zwischen der HUK-Coburg und der Generali-Gruppe.

Der Entschluss der Generali in Deutschland, sich im Bereich des Werkstattnetzes neu zu orientieren, folgt "übergreifenden strategischen Planungen der Versicherungsgruppe", wie offiziell verlautbart wurde. Ziel der Generali ist es, für ihre Kunden ein "lebenslanger Partner" zu sein, der "dank eines hervorragenden Vertriebsnetzes innovative, individuelle Lösungen und Dienstleistungen anbietet". Die neue Kooperation soll sowohl für die Kunden als auch für die Vertriebspartner der Generali "durch eine passgenaue technische Anbindung sowie einfachere, interne Bearbeitungsprozesse Vorteile bringen".

Die B2C-Plattform "Prisma"

Nicht bestätigt, aber durchaus denkbar ist, dass auf Seiten der Generali-Gruppe die inzwischen weit gediehenen Pläne von HUK-Coburg, HDI und LVM zur sogenannten "Prisma Plattform GmbH" (wir berichteten mehrfach) mit ausschlaggebend waren. Die neue Gesellschaft wurde bereits am 10. April 2021 ins Handelsregister eingetragen. Sie wird ein gemeinsames Dienstleistersystem sein, das den rund 18 Millionen Kfz-Kunden der genannten drei Versicherungskonzerne Services aller Art anbieten soll. Das Einzige, was das neue Geschäftsmodell von HUK, HDI und LVM nicht anbieten wird, sind Versicherungen. Das trauen sich die drei Kooperationspartner auch weiterhin in Eigenregie zu. Geht es dann aber um Themen wie Kauf, Wartung, Verkauf des Gebrauchtwagens, Finanzierung, Fahrzeug-Zulassung oder auch Wartung/Inspektion, einen Termin für den zweimaligen Räderwechsel pro Jahr oder für die anstehende HU/AU bei einer Prüforganisation, dann soll künftig das gesamte Dienstleister-Management der neu gegründeten "Prisma Plattform GmbH" greifen.

Koordiniert wird "Prisma" in den jeweiligen Häusern auf höchster Ebene: Bei HDI Deutschland kümmert sich Herbert Rogenhofer als Vorstandsvorsitzender der HDI Versicherung AG, bei der HUK Vorstand Daniel Thomas und beim LVM Vorstand Heinz Gressel um die B2C-Plattform. Offizieller Start "vor Kunde" wird nach Informationen aus Versicherungskreisen wohl das 2. Halbjahr 2022 sein.

Alles begann mit Europ-Assistance als Schadensteuerer

Doch zurück zum Wechsel der Generali-Gruppe vom Werkstattnetz der HUK-Coburg zu dem der Innovation Group: Das Schadenmanagement der Generali-Gruppe durchlebte in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine durchaus wechselvolle Geschichte. Zunächst begann alles sehr verheißungsvoll: Im Oktober 2001 durfte die konzerneigene Tochter Europ-Assistance (EA) mit dem "Geschäftsfeld Werkstatt-Schadenmanagement" starten, das vom Standort München aus unter Leitung von Bernhard Eberle betrieben wurde. Schadensteuerung wurde anfangs mit rund 300 Betrieben so gut wie ausschließlich für die seinerzeit vier in der Generali-Gruppe tätigen Kraftfahrtversicherer erbracht. EA stand insbesondere mit der Innovation Group (vormals Motorcare) und Nobilas (welche später durch die Innovation Group gekauft wurde) in direktem Wettbewerb der Reparaturvermittlung an Partnerwerkstätten.

Im Vergleich zu heutigen Umsätzen der großen Schadensteuerer HUK-Coburg und Innovation Group war das EA-Werkstattmanagement in den Anfangsjahren ein eher kleinteiliges Geschäft: Im Juli 2005 berichteten Schadenchef Eberle und EA-Geschäftsführer Thomas Geiger (heute Audi AG) beispielsweise davon, dass seit Schadensteuerungsstart im Oktober 2001 "rund 50 Mio. Euro Schadensumme im Rahmen von 27.900 in eigene Partner-Werkstätten gelenkte Unfallinstandsetzungen ausgezahlt" wurden. Das entsprach einer durchschnittlichen Regulierungssumme von knapp 1.800 Euro pro Unfallschaden. Da ursprünglich fast ausschließlich Kaskofälle gesteuert wurden, war der Durchschnittswert allerdings als durchaus akzeptabel anzusehen.

"Ein Segen für unsere Werkstattauslastung"

Der damalige ZKF-Vorstand Jürgen Schröder aus Hamburg nannte die EA in einem seiner Vorträge einen "Segen für die Werkstatt-Auslastung", warnte aber auch bereits vor weiterem Kostendruck im gesteuerten Markt: "Kostenlose Zusatzleistungen liegen jetzt schon bei 21 Prozent." Die Ersatzteilbeschaffung wäre für freie Reparaturbetriebe ein aufwändiges Prozedere, das ebenfalls bezahlt werden müsse. Ein Szenario, in dem die Rechnung direkt an den Versicherer und nicht mehr an den Besteller gehe, lehnte Schröder deshalb schon 2005 kategorisch ab.

EA hatte mit G.A.S. große Pläne

Am 5. Oktober 2006 gaben schließlich Europ Assistance, Coparts Autoteile (Essen) und deren gerade neu gegründete Tochterfirma Global Automotive Service, kurz G.A.S. (Fröndenberg, heute Essen und Dorsten), eine gemeinsame Presseerklärung heraus, in der eine "strategische Partnerschaft" verkündet wurde, mit der die Beteiligten "neue Wege im Schadenmanagement" beschreiten wollten. Von "attraktiven Möglichkeiten zur Steuerung von Schäden" und damit auch einem "einzigartigen Alleinstellungsmerkmal" war damals noch die Rede. Hintergrund war vor allem die Schaffung einer neuen Teile-Einkaufsplattform, bei der erzielte Nachlässe zu einem gewissen Anteil direkt an die auftraggebenden Versicherer zurückfließen sollten. Das Modell sorgte anfänglich für Verunsicherung und zuweilen auch Aufruhr unter den betroffenen Betrieben, bis schließlich die HUK-Coburg mit dem Aufbau einer eigenen Einkaufsplattform – als größerer Player – die Aufmerksamkeit auf sein Modell lenkte.

Norbert Rollinger steht für Aufstieg und Niedergang des EA-Konzepts

Zuständig für das Schadensteuerungsgeschäft der Europ Assistance war zu diesem Zeitpunkt Norbert Rollinger als Kompositvorstand der "Assicurazioni Generali" am Adenauerring in München. Rollinger (58) förderte ursprünglich das konzerneigene Schadenmanagement mit der EA, war aber genauso auch dessen Bestatter: Die Entscheidung, das Werkstattnetz der HUK-Coburg zu nutzen, ging direkt auf ihn zurück. 2009 schließlich wechselte er als Vorstandsmitglied zur R+V Versicherung, seit 1. Januar 2017 ist er deren Vorstandsvorsitzender.

Giovanni Liverani zieht die strategischen Fäden

Nach gut 14 Jahren wird das Schadensteuerungsgeschäft der Generali-Gruppe Deutschland zum 1. Januar 2023 nun neuerlich outgesourct – zur Innovation Group. Nachdem seitens Generali "übergreifende strategische Planungen der Versicherungsgruppe" angeführt werden und man ein "lebenslanger Partner" der Versicherungskunden sein möchte, ist zwingend davon auszugehen, dass hier Giovanni Liverani (58), CEO der Generali Deutschland AG (GDAG), entscheidend die neue Stoßrichtung mit vorgegeben hat. Schließlich baut er den Konzern hierzulande bereits seit etlichen Jahren aktiv um und paßt dafür strategiebezogen auch sein Führungsboard personell immer wieder neu an. Walter K. Pfauntsch

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