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HB ohne Filter: Automobiler Lenz - wo bleibst du? +++ Freier Neuwagenhandel +++ PSA – Markenprofile

© Foto: Ralph M. Meunzel/AUTOHAUS

Was bewegt die Kfz-Branche im neuen Jahr? AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat beleuchtet in seinem aktuellen Wochenkommentar die zentralen Aspekte.

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Datum:
29.01.2021

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Automobiler Lenz - wo bleibst du? +++ Freier Neuwagenhandel +++ PSA – Markenprofile

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Automobiler Lenz - wo bleibst du?

Ab 15. Februar soll eine neue Covid19-Öffnungsstrategie vorliegen. Gut, der 15. Februar ist Rosenmontag. Wer steckt an einem solchen Tag nicht voller Optimismus, dass die Verkaufsräume in den Autohäusern zum Frühlingsgeschäft unter gewissen Vorgaben wieder geöffnet werden dürfen? Jeder wünscht sich eine klare Ansage, wie es in und mit Covid weitergeht. Und doch müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Auswirkungen der Virus-Mutanten nicht absehbar sind. Folglich werden wir das Unsichere aushalten und uns weiter durchwurschteln müssen. Feinjustieren!

Geschlossene Verkaufsräume schaffen keine Verkaufs- und keine Kauflaune. Und verstärktes Homeoffice schafft zwar mehr Zeit für einen Werkstattbesuch, aber umgekehrt auch weniger Kilometer Fahrleistung. Was kann bei diesem Lockdownzustand getan werden?

Wenn in Thüringen die Verkaufsräume offen gehalten werden können, gibt es dafür stechende Argumente. Der Kfz-Landesverband Baden-Württemberg unter seinem rührigen und politisch denkenden Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß und Präsident Michael Ziegler haben sich diese Woche brieflich an die ihnen persönlich vertraute Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, MdL gewandt. Hier ist der Brief. Darin werden alle Argumente für eine Ladenöffnung ab 15. Februar aufgelistet. Es wird beispielsweise die kontaktlose Probefahrt, die kontaktlose Fahrzeugauslieferung angesprochen. Keiner weiß, wie lange uns Covid trotz Impfung begleiten wird. Das bedeutet, wir haben strategisch den kontaktlosen Autokauf digital zügig anzugehen. Also auch die Fahrzeugpräsentation, die digitale Kfz-Zulassung im Autohaus bis zur digitalen Bezahlung. Da sind Hersteller und Importeure in Sonderheit gefordert! In der Gestaltung wie in der finanziellen Unterstützung. Tempo! Ebenso in der aktuellen Anpassung der Jahresziele im Verkauf. Wer dort den Verkaufsdruck auf LEV-Fahrzeuge, also Low-Emission-Vehicles ansieht spürt, mit welchem Überdruck unter allen Umständen E-Fahrzeuge in den Markt gedrängt werden. Sinnvoll?

Eigentlich bedürfte die Forderung nach Öffnung der Verkaufsräume einer konzertierten ZDK-Aktion, über die alle Kfz-Landesverbände und alle Kfz-Innungen politisch vor Ort tätig werden. Wer deren aktuelle Homepage anschaut, holt tief Luft, was gegenwärtig deren erste Priorität ist, die Suche nach Kfz-Mechatronikerinnen und die Bilanz die Lichtaktion 2020 etc. Der LV-Baden-Württemberg macht vor, wie es sein müsste (siehe Abbildung). Der Kfz-Landesverband Bayern fordert im "Vetterl‘schen Teublitz-Echo", weinzierlich vorformuliert für die 7.000 bayerischen Kfz-Betriebe eine belastbare Perspektive. Von wem? Wie die in der praktischen Umsetzungaussehen soll, das überlassen sie einmal mehr den "politischen Göttern". Nein, so den Kfz-Betrieben Liquiditätsenge droht, muss man konkret benennen, wann und aus welchem "Fördertopf" die Staatsgelder fließen sollen und wie die Abrufbedingungen dafür aussehen sollen? Verbandspolitisches Jammern füllt keine Kammern! Von verbandspolitischem Scheinaktionismus im Hinterzimmer können die Betriebe nicht leben.

GVO-Aktion

Die notwendige konzertierte ZDK-Aktion müsste sich gleich in Sachen GVO 2022/2023 fortsetzen. Dieses Jahr werden in Brüssel die politischen Weichen für den Automobilvertrieb der Zukunft gestellt. Der ZDK hat ein GVO-Papier mit den Forderungen des Gewerbes aufzulegen, was über die Kfz-Landesverbände und die Kfz-Innungen ganz gezielt an alle Europa-Abgeordneten zu richten ist. Eben auch in persönlichen Gesprächen vor Ort mit dem EU-Abgeordneten. Die Beispiele zeigen, die Verbände müssen, so sie etwas bewirken wollen, viel politischer werden. Agieren, statt ewig hinterher zu reagieren oder gar lamentieren!

© Foto: Prof. Hannes Brachat

Homepage Kfz-Landesverband Baden-Württemberg

Freier Neuwagenhandel

Die Markenhändler werden einmal mehr entsetzt sein, nachstehendes zu lesen. Man darf in der Tat aus der Sicht des "ordentlichen Kaufmanns" die Frage stellen, wo kommen "Neuwagen" über Drittkanäle ohne Händlervertrag in den Markt? Sixt-Neuwagen & Co.? Wer die letzten Jahre aufmerksam verfolgt, stellt ein stetiges Wachstum der Verkaufszahlen freier Händler fest. Strukturell mag es in Deutschland etwa 50 größere freie Händler geben. Die meisten freien Händler haben kleinere bis mittlere Größenordnung.

Man vergisst gerne die Tatsache, dass sich in den letzten drei Jahren mehr und mehr Markenhändler von ihren Vertriebsverträgen verabschiedet haben. Sie haben den ewigen Druck und die überzogenen Standards satt. Wenn nun beispielsweise - wie man hört - 2023 für rund 400 bisherige VW-Händler ihr Vertriebsvertrag ausläuft, so werden da viele davon künftig als freie Händler agieren.

Nachstehend seien überfabrikatliche Bezugsquellen für freien Autohandel aufgeführt. Die meisten freien Anbieter konzentrieren sich allerdings meist auf spezielle Fabrikate. Das stellt man aber rasch fest, wenn man sich in deren Netzofferten umsieht. Oftmals gibt es auch ausschließlich die angebotene Ware, also keine Neufahrzeuge mit individuellen Ausstattungsangaben auf Bestellung. Ebenso wird häufig aus rechtlichen Gründen der Neuwagen zur taktischen Zulassung gemacht, damit er Gebrauchtwagenstatus erhält und sich die liefernden Hersteller oder Importeure im Hintergrund aus dem Schneider gebracht fühlen. Klar, auch Markenhändler können sich der nachstehend benannten Einkaufsquellen bedienen. Da gibt es natürlich noch weitere Einkaufsquellen als die hier genannten. Die hier genannten sind mir über die verantwortlichen Akteure bekannt.

© Foto: Prof. Hannes Brachat

www.autowelt.de

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www.RDB-Boerse.de

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www.eln.de

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www.toha.de

© Foto: Prof. Hannes Brachat

www.apego-eu-neuwagen.de

PSA – Markenprofile

Vergangene Woche kommentierte ich an dieser Stelle die neue Konstellation von "Stellantis", den Verbund von PSA + FCA. Hierzu schrieb mir mein Hochschulkollege Dr. Armin Schirmer, der an der Hochschule in Geislingen "Markentingpolitische Entscheidungen in der Automobilwirtschaft" lehrt und u.a. bei BMW viele Jahre für Produkt- und Markenpolitik weltweit verantwortlich war folgende Anmerkungen zu Stellantis:

"Wodurch differenzieren sich die vier Marken Peugeot, Citroen, DS und Opel? Die Marke Opel hat kein klares Markenprofil, keine eindeutige Markenpositionierung. Opel stand mal für zuverlässige, komfortable Familienautos für jedermann. Was ist daraus geworden? Eine diffuse Marke, unscheinbare Autos, ständig wechselnde Slogans, ständig wechselnde Markenbotschafter (Steffi Graf, Franziska von Almsick, Götz George, Jürgen Klopp, BVB Fußballer Marcel Schmelzer und Nuri Sahin); wechselnde Songs (Louis Armstrong mit "What a wonderful world", Eric Clapton, Etta James). Wer will sich mit einer so diffusen Marke identifizieren? Aber vielleicht gelingt ja mit der bis 2024 geplanten Elektro-Offensive eine neue Profilierung? Und Alfa Romeo? Die sportliche Vergangenheit ist längst passé. Und entsprechen die heutigen Produkte dem früheren Markenprofil? Allein der Stelvio kann da ein Stück weit punkten."

Der Markennamen Stellantis

"Die geplante Fusion von Fiat Chryler und PSA hat bereits einen neuen Unternehmensnamen: Stellantis. Im Netz wird schon geulkt, es könnte sich um einen Hersteller von kleinen Raumschiffen oder Medikamenten gegen rheumatoide Arthritis handeln. "Stella", lateinisch für Stern, ist ok, aber war bekannt, dass es sich bei "Atlantis" um ein mystisches, untergegangenes Inselreich handelt? Stellantis, der "untergegangene Stern"? Der neue Name bezeichnet aber nur die Unternehmensmarke; die Namen der 14 (!) Produkt­marken bleiben erhalten, sofern alle Marken bleiben (was kaum zu erwarten ist)."

Opel – Rasche CI-Wandlungen

Bei Opel lebt die Veränderung: Man kann gar nicht so schnell schreiben, wie Markenkennzeichnungen verändert werden. Gerade eben (November 2020) verkündet Opel, dass es nach 2017 schon wieder ein neues Logo gibt. Nach "Sonnengelb" jetzt "Neongelb", der Blitz ist etwas schmaler umrandet (immerhin bleibt er) und der Name Opel taucht in neuer Schrifttype auf.

© Foto: Prof. Hannes Brachat

Opel ist jetzt "moderner, mutiger, frischer", "from cold to cool", und die "progressive deutsche Kultur wird in den neuen modernen Markenauftritt von Opel übertragen". Donnerwetter! Und der Opel-Händler hat jetzt drei Jahre Zeit, das alles bei sich zu implementieren. Wenn dann mal nicht in drei Jahren ein neuer Opel-Marketingleiter das Neongelb zu aggressiv, zu aufdringlich und zu vulgär findet und alles wieder ändert?

Opel – der Markenslogan

"Opel: "Die Zukunft gehört allen". Na klar, aber was hat das mit Opel zu tun? Kaufe und fahre ich einen Opel, weil die Zukunft allen gehört?  Allerdings hört man vom Opel-Vorstandsvorsitzender Michael Lohscheller in letzter Zeit wieder das Markenversprechen "Der Zuverlässige". Vielleicht reanimiert man ja diesen Slogan, der immerhin von 1954 bis 1974 zwanzig Jahre lang benutzt wurde?"

Reduzierung der Markenportfolios:

"Soweit die Schrumpfung der Markenportfolios. Zwei der großen Automobilhersteller gehen den umgekehrten Weg. Sie wurden "Jäger und Sammler". Volkswagen hat sich zu einem Konzern von zwölf selbstständigen Marken, davon neun für Pkw, aufgebläht. Die geplante Fusion von Fiat Chrysler und PSA wird 14 Pkw-Marken umfassen. Das wird kaum so bleiben. Bei VW diskutiert man nun, Bugatti, Lamborghini, Bentley und/oder den Motorrad­hersteller Ducati abzugeben. Die Reduzierung der Portfolios ist überfällig."

© Foto: Prof. Hannes Brachat

Dr. Armin Schirmer

Spruch der Woche

"Nichts ist befriedigender, als sich an Schwierigkeiten zu erinnern, die man gemeistert hat." (N. Stoffel)

Mit den besten Grüßen und Wünschen

Ihr

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS
www.brachat.de


Der nächste HB ohne Filter erscheint am 5. Februar 2021!


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KOMMENTARE


Kai Dahlmann

29.01.2021 - 15:28 Uhr

Mein Professor spricht mir mal wieder aus der Seele . Ich bin gespannt wie die Umstellung auf Stellantis weiter läuft , zumal die von Opel/GM zu PSA ja nicht mal richtig abgeschlossen ist . Es bleibt spannend. Trotz allem , ein schönes Wochenende.


Gerhard Lieser

30.01.2021 - 10:29 Uhr

Die immerwährende Verbesserung Kaizen, die Schaffenskraft und den Spirit der Mitarbeiter und Ingenieure eines japanischen Toyota-Konzerns wird diese zusammengewürfelte Kon-Stella-tion verschiedenster Nationalitäten, Denkmuster, Charakteren und Ausprägungen niemals erreichen! Meine Meinung!


Opelaner

29.01.2021 - 17:39 Uhr

Opel - Rasche CI Wandlungen - ein weiteres Indiz, war 2010 die geforderte CI-Ausstattung der Vertragshändler noch nicht einmal montiert, als die Planungen für eine neue Fassade mit Eingangsportal schon beschlossene Sache war ! Ebenso die neuen Briefbogen mit neuen Logo fast noch feucht aus der Druckerei kamen und schon wieder Geschichte waren, eine bedauernswerte Marketingstrategie ! PAYBACK Punkte beim Opel-Händler sammeln mit dem Motto "Umparken im Kopf"


Claus Prégardien

29.01.2021 - 19:47 Uhr

Dann soll Herr Dr.Schirmer doch mal eine Marke nennen, die wie Opel mit Steffi Graf, Franziska van Almsick und Jürgen Klopp vergleichbar lange Markenbotschafter hatte, die auch aktiv in die Werbung eingebunden wurden bzw. sind.Und welche Marke hat über so viele Jahre so wie Opel mit Eric Clapton einen Jingle als bindende Wiedererkennung in TV und Funk genutzt? Da kamen andere Marken viel später mit nichtssagenden Tonfolgen daher, die wesentlich kürzer verwendet wurden. Und Louis Armstrong war mit Wonderful World lediglich ein Musikthema zur Einführung des serienmäßigen Katalysators.Ich durfte zur damaligen Zeit die Kommunikation von Opel mit gestalten und es liegt mir am Herzen solchen ungenauen Aussagen zu widersprechen.


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