-- Anzeige --

HB ohne Filter: VW-Direktvertrieb +++ 1. ZDK-Demonstration +++ Förderung für gebrauchte E-Autos +++ Quarantäne-Bürokratie

© Foto: Ralph M. Meunzel/AUTOHAUS

Unabhängig, scharfsinnig, auf den Punkt: der aktuelle Wochenkommentar von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat!

präsentiert von



Datum:
19.03.2021
Lesezeit: 
6 min

NOCH KEINE Kommentare

jetzt mitdiskutieren


-- Anzeige --

Die Headlines der Woche u.a. VW-Direktvertrieb +++ 1. ZDK-Demonstration in der Verbandsgeschichte +++ DAT – Förderung für gebrauchte Elektroautos +++ "Schwäbische" Monatsrente von 62.000 Euro - Andreas Renschler +++ Quarantäne-Bürokratie

Steigen Sie ein in die Diskussion! Am Ende des Beitrags finden Sie den Button "Kommentare". Klicken Sie darauf und kommentieren Sie Prof. Brachats Standpunkte.

______________________________________________________________________________________

Montag, 15. März 2021

Die Headlines der Woche, u.a. VW-Direktvertrieb

Lassen wir mal die großen Branchenlinien innerhalb der vergangenen Woche auf uns wirken:

  • Audi: Wir entwickeln keine Verbrenner mehr.
  • Mehrheit will kein Elektroauto kaufen und zweifelt stark am ökologischen Nutzen
  • 90 Prozent der Händler kämpfen mit Umsatzverlusten
  • Deutschland erlebt einen historischen Konsumschock
  • VW will weitere Stellen streichen
  • BMW schaltet auf Strom um
  • Volvo baut ab 2030 nur noch reine E-Autos
  • Die Lidl-Auto-Aktion is over!
  • Die Zentralisten in den Herstellerwerken feiern 1-jähriges Jubiläum im Homeoffice
  • Volkswagen streicht Tausende Stellen
  • VW soll Software-Unternehmen mit Weltbedeutung werden
  • VW baut sechs eigene Baterriezellwerke in Europa auf
  • Volvo Cars wird zur reinen E-Marke - 2030
  • VW kündigt Online-Vertrieb an
  • Der ADAC plant Direktvertrieb mit den Opel-Händlern

Welche Wandlungen, welche Veränderungen! Ich möchte mich auf den Direktvertrieb konzentrieren. BMW hat angekündigt, bis 2025 25 Prozent der Neuwagenverkäufe per Online abzuwickeln. Mercedes-Benz wird das "Schweden-Modell" umsetzen. Volvo hat aktuell seinen Online-Direktvertrieb angekündigt. Volvo wird der künftige Vertragspartner des Käufers sein und zu festen Preisen verkaufen. Man will das wachsende Direktgeschäft nicht an Trittbrettfahrer (Vermittler) verlieren. Und man wird über den Onlinevertrieb sicher bis zu 15 Prozent Vertriebskosten senken können. Ferner soll die völlig überzogene Preisschleuderei eingedämmt werden.

Die Grundmalaise in der Preisschleuderei ist das Einheitengetriebensein. Echte preisreinigende Marktwirkung hat das Ganze erst dann, wenn es EU-einheitlich durchgezogen würde. Erstaunlich, wie oft seitens der Hersteller und Importeure betont wird, dass der Handel weiterhin über den Service, Probefahrten, Beratung, Auslieferung sowie das GW-Geschäft eingebunden bleibe. Und über "Care by Volvo", einem "Full-Service-Abo-Angebot", entstehe zusätzliche Kundenbindung. Erst recht über Omnichanel, der über die direkte Onlineverbindung und detaillierte Kundendaten neue Formate "On Demand" ermöglicht. Digitale Upgrades. Volvo ist das acht Prozent Händlermarge wert. Die Frage ist, wie lange?

VW-Direktvertrieb

Volkswagen wird ab Sommer den kompletten Kaufprozess der ID-Familie von der Konfiguration bis zum Abschluss eines Leasingvertrags online anbieten. Händlermarge sechs Prozent. Dazu meinte VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer: "Wenn einer jetzt seinen achten Golf bestellt, dann werden viele sagen: Ich brauche nicht mehr zum Händler." Da steckt bei Zellmer doch noch verdammt viel Porsche-Denke drin. Besagter Golf-8-Fahrer hat also 1974 seinen ersten Golf erworben. Er sei damals gut bei Kasse gewesen und konnte sich mit 30 Jahren diesen Golf der ersten Generation leisten, der unter Führung von VW-Chef Rudolf Leiding damals Volkswagen vor dem Untergang gerettet hat. Selbiger Golf-Fahrer wäre heute beim 8. Golf 77 Jahre alt. Jede Wette Klaus Zellmer, der kauft erst recht als "digitalisierter Rentner" bei seinem Händler. Ob eigentlich den Verantwortlichen bei ihrem Tun grundsätzlich klar ist: Wer in gewachsene Strukturen und Systeme eingreift, muss sich klarmachen, was zerstört wird. Und die acht (Volvo) oder sechs Prozent Marge (VW) führen bei gegebener Kostenstruktur im Autohaus keineswegs zu besseren Renditen im Neuwagenverkauf. Warum wird nicht eine Musterkostenrechnung aufgelegt, die die einzelnen Leistungen aufzeigt. Die Hersteller/Importeure gehen kleinlaut von der Spekulation aus, dass mit zunehmendem Onlinevertrieb die Autohändler die Zahl ihrer Verkäufer reduzieren können. Daimler wird für "MAR2020" ohnehin kleinere Dimensionen auflegen müssen u.a.

Der Handel sollte bei der Wandlung zum Direktvertrieb über die Hersteller aber nicht einfach zuschauen und ewig warten, sondern selber den Fahrzeugverkauf online auflegen. Klartext: Der Markenhandel sollte Fahrzeuge ohne Vermittler vertreiben! Verweisen sie weitere Seiteneinsteiger auf die Plätze. Machen sie einen eigenen Online-Fahrzeugshop und integrieren sie diesen auf ihrer Händlerwebsite. Carbando.de macht das möglich! Ran! Siehe Abbildung.

Carbando.de
© Foto: Prof. Hannes Brachat

______________________________________________________________________________________

Dienstag, 16. März 2021

    1. ZDK-Demonstration in der Verbandsgeschichte

    ZDK-Präsident Jürgen Karpinski und Arne Joswig -  siehe Abbildung 1 -, namhafter Opel-Händler in Neumünster und im ZDK-Vorstand verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit gelten ja mental als "geduldige Gesellen". Ihr Mutausbruch artikulierte sich am 18. März in ihrem Meisterstück, der 1. Auto-Demo in der 112-jährigen ZDK-Geschichte, und zwar mit wuchtigen Lkw-Autotransportern im Regierungsviertel zu Berlin. Also direkter Blickverbindung zum Kanzleramt. Nachdem ich zum 75-jährigen ZDK-Jubiläum 1984 die erste ZDK-Chronik schrieb, kann ich behaupten: Das Auto-Gewerbe geht zum ersten Mal in Berlin auf die Straße (siehe Abbildung 2). Obwohl beide Herren, Karpinski und Joswig, der "68er-Generation" angehören, müssen sie das Demonstrieren noch "lernen". Der Präsident kassierte eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsverbot. Demos müssen angemeldet werden. Das befreiende ZDK-Motto zur ersten Tat: Nicht fragen, machen!

    Abbildung 1: Arne Joswig, ZDK-Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit
    © Foto: ZDK
    Abbildung 2: Die ZDK-Demonstrations-Lkw – im Hintergrund das Kanzleramt in Berlin
    © Foto: ZDK

    Das ZDK-Anliegen: Bundesweite Öffnung der Autohäuser. Obwohl man sich politisch seit Januar 2021 an wichtige Schaltstellen wandte, Friseure erhielten bevorzugte Behandlung - siehe Abbildung. Arne Joswig: "Wir können feststellen das Terminshopping zeitigt nicht den gewünschten Effekt. Unsere Kunden empfinden das als Kaufdruck. Wir brauchen dringend die starken Verkaufsmonate März, April und Mai." Nicht genug des Mutausbruchs. Der ZDK stattete zusätzlich die Landesverbände mit vollen Paketen inklusive Taschenrechner aus, um die Tore der jeweiligen Staatskanzleien für das zentrale Branchenanliegen zu öffnen. Mal sehen, welche Bilder dazu der Kfz-Landesverband Bayern über seine Vorortpräsenz in München öffentlich machen wird. Am 22. März 2021 werden in Berlin die weiteren Würfel fallen, für oder gegen Öffnungen. Thüringen hat seit 16. Dezember 2020 die Verkaufsräume geöffnet und kann nachweisen, dass von den Autohäusern keine negativen Inzidenzwerte (Hotspots) ausgehen.

    Luca-App für das Kfz-Gewerbe

    Ohne Frage, die Corona-Politik hat inzwischen Abenteuercharakter. All die politischen Anstrengungen seien in Ehren gehalten, doch es zeigt sich abermals, dass die freien Marktkräfte die Herkules-Coronaufgaben besser als der Staat bewältigen können. 70.000 Hausärzte beherrschen den Impfmechanismus eben besser, als neu einzurichtende Impfzentren. Die Ärzte kennen ihre Patienten, greifen auf logistisch eingespielte Verbünde zurück, die funktionieren. Selbiges gilt für die Testmodalitäten.

    Das Auto-Gewerbe will nun in Corona-Zeiten einen Beitrag dazu leisten, den Autokauf noch sicherer zu machen. ZDK-Präsident Jürgen Karpinski: "Wir wollen zum möglichst flächendeckenden Einsatz von Luca beitragen." Die Corona-Tracing-App Luca kann das Suchen und Finden von Corona-Infizierten und Hotspots beschleunigen. Luca wäre neben der Corona-Warn-App die zweite flächendeckend eingesetzte App für diesen Zweck. Und der Impuls für die Apps ging nicht von der Bundesregierung aus. Die Luca-App kann an die Gesundheitsämter angeschlossen werden, ebenso an die Bundes-App. Erste Bestätigungen einiger Innungen für die Luca-App liegen uns aus Baden-Württemberg vor. Über den praktischen Einsatz der App und die Umsetzungspraxis werden wir separat berichten. Tübingen hat aktuell einen dreiwöchigen Test laufen. Wer bei einer der von der Stadtverwaltung aufgebauten Stationen in der Innenstadt einen Test gemacht hat, kann einkaufen gehen. Für die Restaurants und Kultureinrichtungen gilt ein negatives Testergebnis auf dem Handy als freier Zugang.

    ______________________________________________________________________________________

    Mittwoch, 17. März 2021

      DAT – Förderung für gebrauchte Elektroautos

      Die Unternehmenskommunikation der DAT sorgte diese Woche für Schlagzeilen. Wie, Förderung für gebrauchte E-Autos? Die euphorische Neugier reduziert sich dann bei der zentralen Aussage: Der Gebrauchtwagen muss in der BAFA-Liste förderfähiger Elektrofahrzeuge gelistet und darf nicht bereits gefördert sein. Das wird ergänzt um weitere Bedingungen. Das wird in der Menge überschaubaren Charakter haben. Lesen Sie hier die weiteren Details dazu. Die DAT-Presseerklärung und das zugehörige DAT-Gutachten.

      ______________________________________________________________________________________

      Donnerstag, 18. März 2021

        "Schwäbische" Monatsrente von 62.000 Euro - Andreas Renschler

        Wer macht so etwas? Da wechselt ein Top-Manager wie der Schwabe Andreas Renschler (62), Sohn eines Landwirts, seit 1988 in Diensten von Daimler, die letzten zehn Jahre davon im Daimler-Vorstand 2015 zu Volkswagen. Volkswagen übernahm zu seiner Begrüßung nicht nur die elf Millionen Euro Versorgungsbezüge, sondern kaufte sich mit ihm zugleich alles (Geheim-) Wissen vom weltgrößten Lkw-Bauer ein. Das wurde in Folge mit jährlich fünf Millionen Euro an Arbeitsbezügen honoriert. Hinzu kamen üppige Altersbersorgungsansprüche. Von den 396 Millionen Euro (!) Rückstellungen für die Top-Pensionisten entfallen nun auf Rentschler insgesamt rund 30 Millionen. Und das für eine fünfjährige Vorstandstätigkeit.

        Nachdem Renschler im Juli 2020 frühzeitig ausschied, sein Vertrag bis 2024 läuft, kommen nochmals weitere zehn Millionen Euro Abfindung hinzu. Es erstaunt, dass die IG-Metall im VW-Aufsichtsrat das alles mitträgt. Aktuell sollen 5.000 weitere Arbeitsplätze bei VW entfallen. Es fehlt da jegliches Maß und ist fernab von jeglichem Realitätssinn. Die Grundforderung sei schwäbisch formuliert: Wer pro Jahr fünf Millionen Euro Arbeitseinkommen bezieht, kann für sein Alter selber vorsorgen! Die deutsche Durchschnittsrente liegt zwischen 800 und 1.200 Euro. Da gehören die 62.000 Euro Renschler-Apanage pro Monat der Gattung Utopia an. Vertrauen in das deutsche Top-Management schafft diese Raffgier nicht.

        ______________________________________________________________________________________

        Freitag, 19. März 2021

        Quarantäne-Bürokratie

        Ein Autohausinhaber aus Sachsen-Anhalt schickte mir das Antragsformular für Arbeitgeber - hier können sie es einsehen - für die Erstattung von Arbeitgeberaufwendungen bei Verdienstausfall eines Arbeitnehmers aufgrund behördlich angeordneter Quarantäne (Absonderung). Acht  Seiten Umfang, auf Papierformular auszufüllen. Abermals ein klassisches Beispiel, dass Digitalisierung in der deutschen Verwaltung vielfach ein Fremdwort ist. Bis da dann 40 Anträge in der Lohnbuchhaltung ausgefüllt und vom Chef unterschrieben sind, holt der bei jeder Unterschrift abermals tief Corona-Luft! Dann stellt sich ein abermaliges vibrierendes Achselzucken ein.

        ______________________________________________________________________________________

        Spruch der Woche

        Enddatum des Verbrenners 2025, 2030 oder 2035?

        "Die Frage über ein Enddatum ist eine symbolische und kann erst beantwortet werden, wenn klar ist wie der Markt für E-Autos sich entwickelt. Erst dann wird klar, ob es eine sinnvolle Jahreszahl gibt." (Hildegard Müller, VDA-Präsidentin)

        Mit meinen besten Grüßen zu einem "sonnigen" Corona-Frühlingsanfang

        Ihr

        Prof. Hannes Brachat
        Herausgeber AUTOHAUS
        www.brachat.de


        Der nächste HB ohne Filter erscheint am 26. März 2021!


        -- Anzeige --
        -- Anzeige --
        -- Anzeige --

        KOMMENTARE


        SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

        Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

        -- Anzeige --

        NEWSLETTER

        Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


        Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.