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Autohändler gegen Consors Finanz: "In der Krise zeigt sich der wahre Charakter"

Die BNP Paris Bas-Tochter ConsorsFinanz hat mitten in der Corona-Krise ihre Risiken reduziert und damit einen Händler brüskiert, den sie zuvor noch für seine gute Unternehmensperformance gelobt hatte.
© Foto: Doris Plate/AUTOHAUS

Mitten in der Corona-Krise sammelte die Consors Finanz Einkaufskreditlinien ein. Auch von der Ruhrdeichgruppe, obwohl diese ein kerngesundes Unternehmen ist. Und auch bei der Kredit-Ablösung gab es Schwierigkeiten.


Datum:
08.05.2020
20 Kommentare

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Banken sind wichtige Partner für die Autohäuser. Umso schlimmer ist es, wenn sich die Unternehmen in schwierigen Zeiten nicht auf ihre Kreditinstitute verlassen können. Die Consors Finanz halbierte mitten in der Corona-Krise telefonisch die Einkaufskreditlinie der Ruhrdeichgruppe.

Zwei Wochen vorher hatte der zuständige Manager der BNP Parisbas-Tochter das Kfz-Unternehmen noch zu seinen Finanzkennzahlen beglückwünscht. Die Unternehmensperformance war also nicht der Anlass. Ruhrdeich-Chef Peter Gerards entschloss sich unter dem Eindruck dieser Vorgehensweise seine Kredite bei der Consors Finanz abzulösen und die Geschäftsbeziehung mit dem Institut zu beenden. Er ist immer noch geschockt vom Verhalten der Bank und erklärt: "In der Krise zeigt sich der wahre Charakter. Eine Großbank mit so einem Kundenverhalten in einer Krisenzeit braucht kein Mensch und auch kein Autohändler."

+++ In der AUTOHAUS-Ausgabe 9/2020 (ab 11. Mai) berichten wir ausführlich über den Vorgang. Weitere Infos: https://next.autohaus.de +++

Ablösung verzögert

Aber auch bei der Ablösung der Kredite legte die Bank Gerards noch Steine in den Weg. Als eine seiner Tochterfirmen die Consors Finanz beauftragte, 820.000 Euro per Sepa-Firmenlastschrift von der Hausbank einzuziehen und im Gegenzug die Fahrzeugbriefe herauszugeben, wird dies aus seiner Sicht unüblicherweise verzögert: "Normalerweise bekommen wir die Briefe dann innerhalb von drei Tagen, jetzt sieht es so aus als ob wir bis zu 15 Tage warten müssen."

Letztendlich ist es doch schneller gegangen. Auf Anfrage von AUTOHAUS hatte sich Bernd Brauer, Head of Department Automotive Financial Services bei der Consors Finanz, zu den Vorwürfen geäußert und sich für die Verzögerung entschuldigt: "Autobriefe werden wie üblich drei Tage nach Anweisung der Sepa-Lastschrift freigegeben", teilte er mit.

Leider klappt das aber offenbar öfter nicht, denn wenige Tage später passierte dasselbe wieder mit einer weiteren Firmenlastschrift des Autohauses. Die Hausbank der Ruhrdeichgruppe reagierte mittlerweile genervt auf die Bitte der Consors Finanz zu bestätigen, dass die Abbuchungen erfolgt sind. In dem Schreiben des zuständigen Managers der Sparkasse Duisburg an die Consors Finanz, das AUTOHAUS vorliegt, heißt es, dass man für so etwas keine Kapazitäten habe: "Dies ist im Rahmen der banküblichen Sepa-Usancen auch nicht vorgesehen, deshalb gibt es ja klare Fristen und Vorgaben für alle Beteiligten." Auch diesmal musste Brauer wieder persönlich eingreifen, damit die Ruhrdeichgruppe ihre Briefe bekommt.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Dann schreiben Sie uns einen Kommentar!

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KOMMENTARE


basaran

08.05.2020 - 18:30 Uhr

Wir haben auch mit dieser Bank gleiche Erfahrung gemacht. Die Bank hat mit uns einfach ohne Angabe der Gründe die Zusammenarbeit für Absatzfinanzierung und Einkaufsfinanzierung gekündigt. Diese Bank genehmigt alles, wenn der Kunde Arbeit und keinen negativen Schufa-Eintrag. Als Beispiel kann ich geben: Der Kunde ist 20 Jahre alt, Einkommen 1200,-€, gerade mit der Arbeit angefangen. Die Bank hat für den Kunden einen Audi A8 zu einem Verkaufspreis von 32.000,-€ ohne Anzahlung automatisch genehmigt, wobei der Kunde mit diesem Einkommen nicht einmal Reifen bezahlen kann. Aber später muss der Händler bestraft werden, indem ohne Hinweis einfach die Einkaufsfinanzierung gekündigt wird. Also Händlerkollege, Vorsicht! Die Bank kauft alles, um Marktanteile zu erobern. Aber die Kündigung für Einkaufsfinanzierung und auch Absatzfinanzierung kommt auch sehr schnell. Wir warten immer noch seit 2 Jahren auf Auszahlung von fast 15.000,-€ Bonuszahlung, was uns noch zusteht.


Nissankollege

08.05.2020 - 21:44 Uhr

Die Ruhrdeichgruppe macht’s sich ja nie leicht, immer sind’s die anderen. Erst Nissan, dann die Bank. Viele Autohändler machen andere Erfahrungen. Vielleicht sollte sich Kollege Gerads besser auf das aktuelle Geschäft kümmern, die GuV sieht laut Bundesanzeiger schwach aus ...


Werner

09.05.2020 - 08:23 Uhr

Uns wurden die Einkaufskreditlinie plötzlich deutlich höher verzinst. Zinsgutschriften nur auf Anfrage erstattet. Wir sind nicht auf die Consors angewiesen, da wir mehre Banken im Boot haben, die sich sofort zu Beginn der Krise mit Unterstützung angeboten haben. Auf Wiedersehen Consors ... so geht es nicht.


Weber

10.05.2020 - 06:27 Uhr

Schon mit Beginn der Corona-Krise ging ein Rundschreiben an viele kleinere Händler, das die Einkaufsfinanzierung erstmal auf weiteres ausgesetzt wird. Größere Händler wurden telefonisch informiert von ihrem Außendienstler, das im Moment keine Autos finanziert werden. Auf so eine Bank kann man wirklich verzichten. Hut ab vor der Ruhrdeichgruppe mit ihrer Entscheidung.


VKL Wollenberg

10.05.2020 - 10:41 Uhr

Wir habe hier In Vergangenheit ähnliche Erfahrungen gesammelt, allerdings in einem anderen Zusammenhang. Wir sind ein AH mit einem Absatz von ca. 400 NW/600GW und seit 1978 im Markt. Wir haben schon mit einigen freien Autobanken Erfahrungen gesammelt. Am besten war’s mit der AKB, die sich dann mit Santander fusionierte. Es gibt sicher manche gute Autobank - wesentlich ist jedoch, was passiert mit den Kundenadressen. Bei sehr vielen Anbietern werden die Darlehensnehmer mit Kreditangeboten zugeschüttet und oft danach völlig überschuldet. Oft sind sie dann für uns als AH nicht mehr interessant.


Autohändler

10.05.2020 - 16:54 Uhr

Herzlichen Dank an den Chef der Ruhrdeichgruppe für diese offenen Worte und endlich macht einer mal öffentlich, wie sich einige Großbanken in der Krise verhalten! Das darf nicht sein und auch mir ist das passiert, dass die Consors mir die Linie sogar ganz gestrichen hat und zwar zum 31.03.20!


Fabrikatshändler

10.05.2020 - 17:09 Uhr

Danke an das Autohaus und danke an Herrn Gerards und zwar dafür, dass das Bankengebaren endlich mal öffentlich gemacht wird! Das gleiche ist uns auch passiert und ich war auch fassungslos! Leider bin ich nicht in der Position wie Herr Gerards und „darf“ das nicht öffentlich machen. Hoffentlich ändert sich jetzt endlich was im Umgang mit den gebeutelten Autohändlern.


Ford Händler

10.05.2020 - 20:41 Uhr

Endlich wird das Thema mal öffentlich gemacht - der Staat will in der Corona-Krise helfen und eine Consors Bank blockt bzw. verhält sich schlecht. Das geht gar nicht und mal wieder will eine Bank Schicksal spielen, aber die Consors Finanz ist hier offensichtlich an den falschen Händler geraten, der das Thema dann noch öffentlich macht. Chapeaux und großen Dank an den Händler!!!


R. Winecke

11.05.2020 - 08:10 Uhr

Was für ein Verhalten in einer weltweiten Krise. Peter Altmaiers Vorwurf, die Banken sollen endlich handeln und die staatlichen Möglichkeiten in der Krise zusammen mit der Wirtschaft umsetzen. Der Fall zeigt doch sehr deutlich, dass die Consors Bank jetzt nur an sich denkt und nur ihre eigenen Risiken herunterfahren will (...) Danke an die offene Berichterstattung und ich bin gespannt auf den ganzen Bericht im Heft.


Insider

11.05.2020 - 12:09 Uhr

Das ist wirklich unfassbar und leider kein Einzelfall. Danke an das Autohaus und an die Ruhrdeichgruppe, dass das brisante Thema mal einer anpackt und öffentlich macht. Und an alle Heckenschützen folgende Botschaft - kehrt doch besser zunächst vor der eigenen Türe, bevor ihr jetzt wieder über einen Händlerkollegen herfallt!


Annotator

11.05.2020 - 15:55 Uhr

Diese Bankster sind doch alle gleich.


Daudert

11.05.2020 - 17:42 Uhr

Wenn man als AH einen guten Alternativ-Bankpartner hat, soll man ihn pflegen und hegen. Wir haben in Vergangenheit auch mal unsere Erfahrungen gesammelt mit dem einen oder anderen Bankpartner. Dabei wurde auch ordentlich Lehrgeld bezahlt, nur weil die Provision oder der Zins marginal günstiger war. Seit einigen Jahren haben wir wieder ruhigere Verhältnisse und pflegen ein partnerschaftliches Geschäftsverhältnis mit einer reinen freien Autobank/Leasinggesellschaft.


Autohauskollege

11.05.2020 - 19:56 Uhr

Na da bin ich froh, dass wir bei der BDK sind. Die haben uns nicht die Linie gekündigt, sondern eine Aussetzung der mtl. Raten angeboten. Es gibt halt auch Banken, die anders drauf sind und zum Handel halten. Aber wer nur konditionsgetrieben die nächstbeste neue Bank sucht, die mit niedrigen Zinssätzen in den Markt drängt oder alles einkauft, was geht, um dann die Adresse der Kunden mit weiteren Kreditangeboten ausbluten zu lassen, der ist selber schuld.


Betroffener

12.05.2020 - 07:28 Uhr

Ich war auch erschüttert, als die Consors mich im März anrief, um mir meine Linie sogar zum 31.03. zu kündigen. Das empfand ich auch als unverschämt und war für mich sogar existenzbedrohend. Finde dann mal in so einer Krise eine neue Bank - unmöglich! Wie es jetzt weitergehen soll??? Ob ich diese Krise noch lange durchhalte?? 37 Angestellte werden dann arbeitslos und daran mit schuld ist eine Großbank, die mich um meine Liquidität beraubt hat. Danke an diese Berichterstattung, vielleicht ändert sich dadurch mal was.


Rheinland

12.05.2020 - 10:33 Uhr

Liebe Kollegen, ich habe vor geraumer Zeit (4 Jahren) ähnliche Erfahrungen mit Santander gemacht. Santander hat seinerzeit die EKF aufgrund von fehlendem Kundenfinanzierungsgeschäft reduziert (wie bei Peter Gerards/Ruhrdeich & Consors Bank). Meine Verärgerung war damals ähnlich wie ihr es bereits geschrieben habt. Aber mal ehrlich - wenn bei uns ein Kunde keine Inspektionen durchführt, geben wir ihm doch auch keine Kulanz bei einem Motorschaden. Ich bin mit Sicherheit kein Freund von solchen Maßnahmen in einer solchen Zeit, aber zu einer Scheidung gehören immer zwei Verursacher.


Händler

12.05.2020 - 10:57 Uhr

Was für ein Geschäftsgebaren dieser Bank! Unglaublich! Danke für die Aufklärung!


Händlerkollege

12.05.2020 - 13:43 Uhr

@Rheinland, der Vergleich hinkt doch! Es geht hier doch nicht um eine Scheidung, es geht hier um eine einseitige Kürzung diverser Banklinien und zwar sofort zu Beginn einer weltweiten Pandemie. Es geht dabei um Arbeitsplätze und Unternehmerexistenzen. Und nicht um eine Kulanz bei einem Motorschaden. Das Verhalten dieser Großbank verantwortungslos - Punkt!


LB

12.05.2020 - 14:50 Uhr

@Rheinland: In den Santander-EK-Linien-Verträgen steht eindeutig drin, welche Vertriebszahlen zur EK-Linie benötigt werden. Wo aber steht im Artikel, dass die Ruhrdeich-Gruppe ihre Vertriebszahlen nicht erreicht hat? Ist die Consors-EK-Linie überhaupt an Vertriebszahlen geknüpft?


WM

12.05.2020 - 23:48 Uhr

Glücklicherweise haben wir mit der Bank keine Geschäftsbeziehung anberaumt. Da gab es im Vorfeld, also vor einer EKF, schon genug Unstimmigkeiten (...)


Fabrikatshändler

13.05.2020 - 07:33 Uhr

Man stelle sich vor, dass hätten ein zwei weitere Banken auch gemacht, dann wären jetzt schon zig tausende Menschen arbeitslos und viele Unternehmen Pleite! Das ist doch das größte Problem, los gelöst von irgendwelchen Zahlen und Zielen. Das ist verantwortungsloses Handeln einer Großbank und deshalb vielen Dank für die offene Berichterstattung!


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