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Autohandel: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg warnt vor Insolvenzwelle

Carsten Beuß: "Konkurse weiter eine reale Gefahr."
© Foto: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg

Der Autohandel will den schrittweisen Corona-Exit. Nach Schleswig-Holstein erhöht auch der Kfz-Landesverband im Südwesten den Druck auf die Politik.


Datum:
08.04.2020
6 Kommentare

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Trotz der umfassenden Corona-Hilfen sorgt sich das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg um die Existenz vieler Autohäuser und Werkstätten. "Konkurse sind weiter eine reale Gefahr, wenn Verkauf und Service nicht schnell wieder genügend Umsatz bringen", sagte Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Landesverbands, am Mittwoch in Stuttgart. Beuß verwies auf eine Blitzumfrage unter Mitgliedsbetrieben, wonach bei den Gebrauchtwagenbeständen mit hohem Wertverfall zu rechnen sei. "Das ist eine reale Bedrohung und gefährdet Arbeitsplätze." Es drohe eine verzögerte Insolvenzwelle.

Beuß plädierte deshalb für eine schnellstmögliche Öffnung des Verkaufs von Neu- und Gebrauchtwagen, "damit die Hälfte der Kfz-Betriebe, die zur Werkstatt auch Handel betreiben, wieder auf wirtschaftlich sicheren Beinen stehen". Die Wiederaufnahme des stationären Handels sei auch für Autohersteller und -zulieferer unerlässlich, um auf Sicht die Produktion wieder hochfahren zu können. "Ohne Abfluss der Ware aus dem Handel kann es keinen Zufluss aus den Werken in den Handel geben", stellte er klar.

In Autohäusern und auf Verkaufsflächen im Freien die geltenden Abstandsregeln einzuhalten, sieht Beuß unkritisch: "Wir können auch Mundschutz bereitstellen, wenn das die Wiederöffnung beschleunigt." Den rechtzeitigen Verkauf des derzeitigen Lagerbestandes an Neu- und Gebrauchtwagen möglich zu machen, sei "entscheidend dafür, wann das Kfz-Gewerbe über den Berg ist". Jedes verkaufte und zugelassene Auto helfe, jedes nicht verkaufte Auto belaste, denn die Bestände seien in der Regel vorfinanziert.

Angst vor Zahlungsunfähigkeit gesunken

Laut Verbandsumfrage ist Kurzarbeit für 82,1 Prozent der Kfz-Unternehmen in Baden-Württemberg das Mittel der Wahl, um auf das rückläufige Werkstattgeschäft zu reagieren. Über die Hälfte baut Arbeitszeitkonten ab. "Positiv" wertete Beuß, dass die Zahl der Betriebsinhaber und Geschäftsführer, die Angst vor kurzfristiger Zahlungsunfähigkeit haben, von 40 auf 35 Prozent gesunken sei. Er führte dies auch auf die verschiedenen Stützungsmaßnahmen von Bund und Land zurück.

Demnach haben fast zwei Drittel der Betriebe im Südwesten die Soforthilfe beantragt, 46,2 Prozent nutzen die Möglichkeit, Steuern und Beiträge stunden zu lassen. 22,5 Prozent setzen auf Überbrückungskredite nutzen. Dass es jetzt Schnellkredite für KMU ab zehn Mitarbeitern mit einer 100-prozentigen Haftungsfreistellung geben soll, sei auch ein Erfolg der Verbandsarbeit und "für unser Gewerbe maßgeschneidert, um die Förderlücke bei Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern zu schließen", betonte der Branchenvertreter.

Gleichwohl geht Beuß weiter davon aus, dass für das Kfz-Gewerbe ein Zuschussprogramm notwendig werde. Der Einbruch von über 30 Prozent bei den Zulassungszahlen spreche eine klare Sprache. Die Branche sei extrem stimmungsabhängig und ob insbesondere Firmen nach der Corona-Krise in Stimmung seien, neue Autos zu kaufen oder zu leasen, hänge davon ab, wie schnell die Wirtschaft wieder anspringe. Verschlimmernd komme hinzu, dass 61,3 Prozent der Autohäuser und Werkstätten von der Stornierung von Aufträgen berichteten. "Dafür brauchen wir dringend Ersatzaufträge, die wir nur bekommen, wenn der Autohandel wieder freigegeben wird." (rp)

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KOMMENTARE


Heinz Kretschmer

08.04.2020 - 16:58 Uhr

Hey, glaubt denn der Funktionär allen Ernstes daran, dass Käufer in die Räumlichkeiten des Handels strömen, bei nicht gewährleisteter Sicherheit der Gesundheit! Wahnsinn, was Mitarbeitern und Kunden zugemutet wird! Unsinn!!! Heinz M.Kretschmer. ... kaufmännisches Handel und Lösungen auf dieser Basis sind gefragt, neue Gesellschaften, Fusionen etc. keine Visionen (Spinnereien) ... auf den Pkt. gebracht keine Selbstverständlichkeiten groß abgehandelt!


Rolf Hoffmann

08.04.2020 - 20:28 Uhr

Ich denke, dass der Handel im KFZ-Gewerbe relativ unbedenklich ist. In Autohäusern die Schutzmaßnahmen zu gewährleisten ist relativ gering.


Marc Börsig

09.04.2020 - 08:23 Uhr

Ich denke, die Sicherheit ist in Autohäusern wesentlich leichter zu gewährleisten als derzeit in den Supermärkten oder Baumärkten, wo viel mehr Menschen auf engeren Räumen zusammen kommen.


Klaus häberle

09.04.2020 - 09:08 Uhr

Sehr geehrter Herr Kretschmer, sie haben sicher diesen Kommentar aus einer gewissen "Wut oder Hilflosigkeit geschrieben, und da haben sicher viele Verständnis dafür. Aber ich sage ihnen, Carsten Beuss hat recht. Es sollte doch für die Autohäuser möglich sein, bei Einhaltung der Sicherheitsabstände, Autos zu verkaufen. Und ich sage ihnen Herr Kretschmer, dies ist wichtig , um solche Szenarien wie Carsten beuss sie trefflich beschreibt, zu mindern. Klaus Häberle


Insider

09.04.2020 - 09:32 Uhr

Während Sie von der Gefahr reden, sind wohl schon " einige " Kfz.-Handels- u. Handwerksbetriebe mitten in der Insolvenz. Die Mega-Dealer werden nahezu alle Insolvenzen auffangen, aber da gibt es nur - keine Handvoll - , die das stemmen können, AVAG und Frey Gruppe. Viele andere Betriebe aus dem VW-Konzern könnten Niederlassungen werden, zur Zeit günstig zu haben, Corona macht's möglich. Viele Betriebe krabbeln ja schon seit Jahren an der Existenzgrenze, aber das kommt halt auch davon, dass einige immer größer werden wollen, aber nicht den Hintergrund haben wie die großen Mega-Dealer. Großmannssucht wird hart " bestraft " !


Heinz Kretschmer

09.04.2020 - 14:04 Uhr

Hey, Ursache m.Kommentar's war aufwecken u. Reaktionen erzeugen! Sie dürfen sich sicher sein, dass ich auch seitenlange Abhandlungen verfassen könnte, aber es geht um das Wesentliche. Hr.Häbele - weder Wut noch Hilflosigkeit sind meine Motivationsgründe! Ihnen frohe Ostern und Gesundheit Heinz M. Kretschmer


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