Automobilbarometer: Der hohe Preisdruck bremst den Markt

26.03.2026 11:56 Uhr | Lesezeit: 4 min
Ein Autokäufer berät eine Frau und einen Mann in einem Showroom.
Was tun, wenn ales über den Preis geht? Werkstattnähe, Garantieabdeckung, schnelle Ersatzteile und persönlicher Ansprechpartner sind handfeste Argumente gegenüber günstigeren Importmodellen.
© Foto: ProMotor/T.Volz

Das Automobilbarometer 2026 von Consors Finanz zeigt: Ein Auto bleibt für die meisten Menschen unverzichtbar – gekauft wird aber deutlich seltener. Hauptgrund sind zu hohe Neuwagenpreise. Für den Handel eröffnen sich dennoch Chancen, denn Verbraucher erwarten Orientierung, transparente Preise und bessere Angebote.


Ein Auto zu besitzen, steht für viele Verbraucherinnen und Verbraucher außer Frage. Der Kauf eines neuen Modells hingegen schon. Laut Automobilbarometer von Consors Finanz halten neun von zehn Befragten weltweit Neuwagen inzwischen für zu teuer. In Deutschland fällt das Urteil besonders deutlich aus: 92 Prozent empfinden die Preise als überzogen, und nur knapp die Hälfte ist noch vom Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt. Diese Diskrepanz spürt der Handel täglich – in längeren Entscheidungsprozessen, intensiveren Vergleichen und einer deutlich höheren Nachfrage nach jungen Gebrauchten oder Tageszulassungen. Die Preisdebatte ist längst im Showroom angekommen.

Hersteller unter Zugzwang

Die Studie zeigt außerdem, wohin die Erwartungshaltung geht. Kundinnen und Kunden sehen vor allem die Hersteller in der Pflicht, wieder Bewegung in den Markt zu bringen. Viele wünschen sich einfachere Modelle, klarere Ausstattungspakete und spürbar niedrigere Einstiegspreise. Rund ein Drittel setzt zudem auf Innovationen zum gleichen Preis. Henrik Brauer, Head of Mobility bei Consors Finanz, fasst die Lage zusammen: Die stetig gestiegenen Preise seien aus Sicht der Mehrheit nicht mehr gerechtfertigt – und Hersteller müssten gegensteuern, um Vertrauen zurückzugewinnen. Im Alltag bedeutet das: Kunden kommen deutlich informierter, aber auch kritischer ins Autohaus. Wer ein neues Fahrzeug kaufen will, erwartet heute ein verständliches Gesamtpaket – und nicht eine lange Liste teurer Zusatzoptionen.

Chinesische Marken verstärken Druck

Ein weiterer Aspekt der Studie: Der internationale Wettbewerb verändert die Marktlogik spürbar. Vor allem chinesische Hersteller setzen mit günstigen, gut ausgestatteten Elektroautos neue Vergleichsmaßstäbe. Für viele Kunden wirkt sich dieser Wettbewerb positiv aus. Dazu kommt, Fahrer von E‑Autos und Hybriden bewerten das Preis-Leistungs-Verhältnis überdurchschnittlich gut. Die Effizienzsteigerungen der vergangenen Jahre überzeugen – und könnten, bei passenden Preisen, die Nachfrage weiter ankurbeln.

Für den Handel ergeben sich neue Herausforderungen. Elektrofahrzeuge werden beim Kunden attraktiver – auch im Gebrauchtmarkt, aber die Restwerte sind noch nicht stabil. Der Preisvergleich mit China erhöht den Druck auf europäische Markenbetriebe. Beratung zu Service, Garantie und regionaler Betreuung gewinnt deutlich an Gewicht.

Trotz Digitalisierung bleibt der Handel Vertrauensanker

Digital informieren – stationär entscheiden: Dieses Muster zeigt sich seit Jahren und wird von der Studie erneut untermauert. Sieben von zehn Befragten weltweit vertrauen darauf, dass Händler ihre Bedürfnisse verstehen und passende Finanzierungen anbieten. Besonders jüngere Käufer schätzen die Kombination aus Online-Recherche und persönlichem Gespräch. Für Autohäuser bleibt es also beim bekannten Mix. Gute Beratung bleibt ein entscheidender Faktor im Verkaufsprozess – und kann dort punkten, wo reine Online-Anbieter an Grenzen stoßen.


Fünf Impulse für den Handel – was jetzt wichtig wird

1. Preise transparent erklären: Klare Ausstattungslinien, nachvollziehbare Rabattlogiken und Vergleichsangebote helfen, Vertrauen aufzubauen und Preiszweifel abzubauen.

2. Finanzierung offensiv nutzen:  Käufer denken in Monatsraten. Leasing, Kredit und flexible Finanzierungsmodelle senken die Einstiegshürde und machen teure Modelle zugänglicher.

3. E‑Mobilität aktiv beraten: Reichweite, Ladeinfrastruktur und Betriebskosten bleiben zentrale Themen. Wer hier Orientierung bietet, gewinnt Abschlüsse.

4. Stärken gegenüber Online- und Auslandsanbietern betonen: Werkstattnähe, Garantieabdeckung, schnelle Ersatzteile und persönlicher Ansprechpartner sind handfeste Argumente gegenüber günstigen Importmodellen.

5. Beratungsqualität konsequent ausbauen: Je unsicherer der Markt, desto wichtiger die Rolle des Verkäufers: realistische Einschätzungen, ehrliche Kostenvergleiche und ein verständlicher Überblick über Alternativen.




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