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Dieselkrise: Alarmstimmung im Kfz-Gewerbe

V.l.n.r.: ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn, Präsident Jürgen Karpinski und Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk
© Foto: ProMotor

Die Dieselkrise drückte 2017 auf Umsatz und Ertrag der deutschen Autohändler. Manche Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht. Die Branche hofft nun auf Signale aus Berlin in Sachen Hardware-Nachrüstung.

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Die Dieselkrise hinterlässt sichtbare Spuren im Geschäft der deutschen Autohändler. Trotz einer deutlich höheren Neuwagennachfrage ist der Umsatz im Kfz-Gewerbe im vergangenen Jahr nur leicht gewachsen. 2017 habe die Branche rund 174,4 Milliarden Euro erlöst, das sei lediglich ein Plus von 1,4 Prozent, sagte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski am Donnerstag in Berlin. "Das ist eine Auswirkung der Dieselkrise. Denn die Umsatzverluste sind im Gebrauchtwagensegment zu verzeichnen."

Die Autokäufer seien weiter zutiefst verunsichert, betonte Karpinski. "Drohende Fahrverbote in den Ballungsgebieten machen gebrauchte Diesel fast unverkäuflich." Im August 2017 hatte der Handel nach Verbandsangaben rund 300.000 Euro-5-Diesel-Pkw auf seinen Höfen stehen. Gut die Hälfte der Autohändler gab in einer aktuellen Umfrage an, dass ihr Bestand an diesen Dieselautos seitdem weiter gestiegen sei.

Profitabilität leidet

Wegen der zahlreichen Gebrauchtwagen auf Halde und der noch zu erwartenden Leasing-Rückläufer sei die Lage für einen Teil der Unternehmen inzwischen existenzbedrohend, so Karpinski. Diesel-Pkw würden inzwischen durchschnittlich 100 Tage beim Handel stehen, Benziner hingegen nur 80 Tage. Jeder Standtag koste rund 28 Euro pro Tag und Fahrzeug. Hinzu komme der Wertverlust mit einigen tausend Euro pro Fahrzeug. Das hat Folgen für die Profitabilität: Die Durchschnittsrendite der Kfz-Betrieb lag nach vorläufigen Berechnungen 2017 bei 1,3 bis 1,6 Prozent – nach 1,7 Prozent im Jahr davor.

Karpinski: "Daher ist es umso wichtiger, dass es auf politischer Ebene in Sachen Hardware-Nachrüstung älterer Diesel jetzt schnell vorangeht." Ein positives Signal in diese Richtung sei die Aussage im Koalitionsvertrag, die Nachrüstung von Diesel-Bestandsfahrzeugen mit NOx-reduzierender Technik in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Diesel-Expertenrunden regeln zu wollen (wir berichteten).

Laut Verband büßte das Gebrauchtwagengeschäft im vergangenen Jahr 1,9 Prozent ein. Insgesamt setzte die Branche mit Pkw aus zweiter Hand 66,3 Milliarden Euro um. Von den knapp 7,3 Millionen Besitzumschreibungen (Vorjahr 7,4 Millionen) erfolgten 4,98 Millionen über den Handel. Das waren 68 Prozent des Gesamtmarkts.

Stabiler Service

Positiver fielen die Zahlen bei Neuzulassungen und im Service aus: Rund 90.000 mehr verkaufte Neuwagen ließen den Umsatz in diesem Geschäftsfeld um fünf Prozent auf 64,1 Milliarden Euro steigen. Der Anteil der Privatkunden legte zum zweiten Mal in Folge zu: von 35 auf 35,6 Prozent. Weiter auf hohem Niveau bewegte sich das Servicegeschäft mit Erlösen von 32,1 Milliarden Euro (plus 0,5 Prozent). "Im Durchschnitt waren die Werkstätten im vergangenen Jahr mit 86 Prozent ausgelastet, das ist ein Prozentpunkt mehr als 2016", sagte Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk.

Die Zahl der Kfz-Betriebe schrumpfte laut ZDK um 270 auf insgesamt 37.470. Dabei wurden 3,1 Prozent weniger Fabrikatsbetriebe (16.280) gezählt als 2016. Bei den freien Werkstätten gab es hingegen ein Plus von 1,2 Prozent auf 21.190 Firmen. Karpinski: "Die Gründe liegen hauptsächlich im weiter fortschreitenden Konzentrationsprozess und der Bereinigung der Händlernetze." Dem entsprechend sank die Mitarbeiter-Zahl um 1,3 Prozent auf 449.640.

Im Ausbildungssektor zeigte die Kurve im vierten Jahr in Folge nach oben. So stellten die Kfz-Unternehmen 2017 mehr neue Lehrlinge ein. 29.835 Verträge bis zum 30. September 2017 entsprachen einem Zuwachs von 3,2 Prozent. Insgesamt bildet die Branche zurzeit 92.100 junge Menschen in technischen und kaufmännischen Berufen aus. (rp)

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KOMMENTARE


Detlef Rüdel

15.02.2018 - 18:17 Uhr

Manche Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht: richtig und das passiert unverschuldet, aber die Verantwortlichen sitzen noch immer im Konzern. Die Politik, hat gegenüber der Automobilindustrie weiche Knie bekommen, und bis heute nichts unternommen um den Endverbraucher zu helfen. Solange nur gedroht wird, wird nichts passieren, dass wissen Herr Müller usw. die schieflage, dass diese Fahrzeuge nicht mehr verkauft werden können, und wenn dann nur mit massiven Verlust, haben nicht die Händler/Unternehmer zu verantworten. Der eine, oder der andere, der finanziell relativ gut aufgestellt ist, der wird nicht gleich in schieflage geraten. Aber einige andere Händler/Unternehmer die nicht so gut dastehen, für die könnte das Diesel-Problem massiv zum eigenen Problem werden. Daher sehe ich die Politik, aber mehr noch den Hersteller in der Pflicht, dem Handel hier massiv zur Seite zu stehen. Partnerschaft sollte keine Einbahnstraße sein, der Handel hat das Problem nicht verursacht. Die Unterstützung muss schnell und unbürokratisch kommen, damit diese Fahrzeuge, welche viel Kapital binden, aber auch massive Kosten produzieren, je länger ein solches Fahrzeug steht, um so schwieriger wird es um es zu verkaufen. Von den Banken, will ich hier noch nicht einmal sprechen, aber eins ist sicher....auch die werden mit Sicherheit langsam unruhig werden, wenn die Linien nicht irgendwann wieder auf normales Niveau zurück geführt werden. Daher muss schnell etwas passieren, weil die Höfe der Händler voll mit diesen Betrüger Fahrzeugen stehen....was selbige nicht wussten...


Frank Fehling

16.02.2018 - 14:03 Uhr

Die Dieselkrise wird sehr große Spuren hinter lassen.Die Händler sind in einer sehr bedrohlichen Lage und werden einen sehr herben finanziellen Verlust hin nehmen müssen. Seitens der Hersteller kommt kaum ein Entgegenkommen. Auch die Leasinggesellschaften werden Verluste bei Abverkauf der Dieselfahrzeuge hin nehmen müssen. Die Hersteller müssen den von Ihnen verursachten Schaden komplett auf kommen. Die Markenhändler lassen sich in diesem Bereich viel zu viel gefallen. Partnerschaft sieht anders aus.


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