Expansion im Online-Handel: AUTO1 Group will Retailgeschäft ausbauen

Robert Lasek ist Vice President AUTO1 Group und Geschäftsführer AUTO1.com Deutschland
© Foto: AUTO1 Group

Mit ihren Ankaufs- und Großhandelsmarken haben die Berliner GW-Spezialisten bereits große Erfolge in Europa gefeiert. Nun soll das auch im Geschäft mit Endkunden gelingen. Die Investoren sind von den Plänen jedenfalls überzeugt.

Die AUTO1 Group nimmt den Endkunden stärker ins Visier. Der europaweit tätige Gebrauchtwagen-Großhändler hat jetzt angekündigt, seine Online-Plattform "Autohero.com" auszubauen. "Das Retailgeschäft ist ein logischer und konsequenter Schritt in der Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells entlang der Werkschöpfungskette", sagte Robert Lasek, Vice President Germany, Managing Director AUTO1.com, im Exklusiv-Gespräch mit AUTOHAUS. Die Marke Autohero werde die Marktabdeckung des Unternehmens erweitern.

Den Online-Shop für höherwertige Gebrauchtwagen hatte die AUTO1 Group bereits im Herbst 2017 gelauncht. Die Fahrzeuge aus dem eigenen Bestand sind scheckheftgepflegt und TÜV-geprüft. Stand Ende Juli werden knapp 700 Autos gelistet. Zu den Leistungen für Käufer gehören unter anderem Finanzierungs- und Garantieangebote, die Inzahlungnahme des Altwagens, das 14-tägige Rückgaberecht sowie die bundesweite Lieferung. Der Kaufprozess bei Autohero ist vollständig digitalisiert.

"Wir möchten den Autokauf einfach, sicher und bequem machen", so Lasek weiter. Er versprach ein "E-Commerce-Erlebnis", das der Kunde bereits von anderen Branchen gewohnt sei. Die Fahrzeuge würden zu "attraktiven Festpreisen" angeboten. Zuletzt habe das Unternehmen auch seine Standorte für die Aufbereitung der Wagen weiter ausgebaut und den Aufbau einer eigenen Lieferflotte in Angriff genommen.

Autohero ist der Online-Shop der Gruppe.
© Foto: Screenshot www.autohero.com

Um das Wachstum von Autohero zu beschleunigen, hat sich die AUTO1 Group frisches Kapital besorgt. Nach Firmenangaben fließen 255 Millionen Euro in die Expansionspläne. Das Geld stammt aus einer jüngst erfolgreich abgeschlossenen Finanzierungsrunde über Wandeldarlehen. Daran nahmen bestehende Aktionäre ebenso teil wie die neuen Investoren Farallon Capital Management und Baupost Group. Lasek: "Mit der Finanzierung hat Autohero jetzt hohe Priorität in der Gruppe."

Nachteilige Auswirkungen auf das klassische B2B-Händlergeschäft über die Plattform AUTO1.com hat der neue Autohero-Fokus dem Manager zufolge nicht. Im Gegenteil: "Wir werden die Erfahrungen und Erkenntnisse, die wir mit Autohero sammeln, natürlich auch für unser Ankaufsgeschäft nutzen." So könne man beispielsweise darüber mehr Ware beschaffen, die dann an das Händlernetzwerk weitervermarktet werde.

Organisches Wachstum – Umsatz steigt auf 3,5 Milliarden Euro

Die AUTO1 Group ist eines der am höchsten bewerteten Start-ups in Europa. Seit der Gründung 2012 haben die Berliner über ihre europäischen C2B-Plattformen mehr als zwei Millionen Gebrauchtwagen gehandelt. Allein im vergangenen Jahr waren es über 610.000 Fahrzeuge.

Der Umsatz legte im Vergleich zu 2018 um 21 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro zu, die Zahl der Händler um gut 20.000 auf nunmehr über 80.000. "Es gibt nicht viele Unternehmen in dieser Größenordnung und in diesem Segment, die ein solches Wachstum aus eigener Kraft vorweisen können", betonte Lasek. (rm/rp)

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KOMMENTARE


LB

30.07.2020 - 09:10 Uhr

so lange das Geld von Investoren sprudelt, lässt sich vieles überdecken. Sollte irgendwann die Quelle versiegen und das Geschäft sich selbst finanzieren müssen, dann wird man sehen wie nachhaltig auto1 ist...


Hans im Glück

30.07.2020 - 10:03 Uhr

...wenn die Qualität der Fahrzeuge ähnlich dem B2B Geschäft ist, sind die Mio schnell verbrannt. Der Einkauf der GW ist noch immer oft auf sehr schlechtem Niveau, was technische "Begutachtung", aussagefähige Fotos usw. betrifft. Da sind viele Überraschungen für die Endverbraucher vorprogrammiert...Dass alle scheckheftgepflegt und TÜV-geprüft sein sollen - abwarten. Notfalls "hilft" das 14tägige Rückgaberecht


Willi Bacher

30.07.2020 - 11:29 Uhr

Kenne keinen Autohändler der in den letzten 8 Jahren so eine Performance hingelegt hat. Hut ab! Also nicht wundern oder zweifeln oder gar schimpfen, aufstehen und besser machen ist angesagt.


Gerhard Krauser

30.07.2020 - 12:29 Uhr

Das Geld, das man besitzt, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft. Jean-Jacques Rousseau (1712-1778)


Annotator

30.07.2020 - 13:30 Uhr

Der Nächste, der sich versucht in die Lücke Händler/Kunde zu quetschen und Geld abzuschöpfen.


André

30.07.2020 - 14:23 Uhr

Schöne tolle Zahlenwelt, mit immer neuen Rekorden was Stückzahlen und Umsatz angeht. Glückwunsch an Herrn Lasek und sein Team! Aber was bleibt den vom Umsatz an Ertrag oder DB1 hängen?!? Diese Frage beantwortet Herr Lasek ja bei keiner Veranstaltung, auf der er seinen Laden und sich selbst feiert.......Es gab schon viele Hexer in unserer Branche, wo viele andere Händler dachten wow, mhhh wie machen die das nur. Nur da ist keiner mehr von denen da, weil irgendwann das Kartenhaus bei jedem dieser Hexer zusammen gefallen ist.


Stefan

30.07.2020 - 18:48 Uhr

Es passt in die Zeit , das Millionen in solche Unternehmen fließen . Die Investoren wären gut beraten , ehrliche und seriöse Händler zu finanzieren . Mitarbeiter werden verbrannt . Die Millionen ? Ohne Wirecard als Vergleich heranzuziehen , stellt sich jedem normal denkenden Menschen die Frage nach Rentabilität . Ich wünsche den Geldgebern das beste und den Mitarbeitern gute Zeiten. Glauben tue ich alles nicht .


Auto1 User

30.07.2020 - 21:46 Uhr

Klassem dann pickt sich Autohero nun alle Rosinen raus und die Müllautos werden auf Auto1 landen. Wie kann man ein B2B-Konzept so über den Haufen werfen?


LB

31.07.2020 - 11:54 Uhr

@ Herr Bacher: Doch es gibt sehr viele Autohändler mit unglaublicher Performance. Es gibt sehr viele Unternehmen mit unglaublicher Performance. Die allerwenigsten schaffen es dann aber nachhaltig zu überleben. Und die "Performance" bei auto1.com nähert sich bei genauerem Hinsehen, wie bei vielen "Unicorns" ausschliessich aus Investorengeld und nicht aus dem eigentlichen Geschäft. Und wie naiv Investorengeld sein kann, zeigt bspw. Wirecard. Die Zukunft wird es zeigen...


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