Fahrzeugbörse: Autoscout24 wächst kräftig

Christian Bubenheim (l.) und Stephan Spaete wollen das Wachstum von Autoscout24 weiter forcieren.
© Foto: Karolina Ordyniec

Noch liegt Autoscout24 ein gutes Stück hinter dem deutschen Branchenführer Mobile.de. Doch die Münchner arbeiten hart daran, die Lücke zu ihrem Dauerrivalen zu schließen.

Autoscout24 macht bei der Aufholjagd auf den deutschen Branchenprimus Mobile.de Tempo. Bei Umsatz und Kernhändlern hat der Online-Fahrzeugmarkt im bisherigen Jahresverlauf deutlich zugelegt, wie Stephan Spaete, Senior Vice President Sales & Operations, und Christian Bubenheim, Senior Vice President Marketing & Product, im Gespräch mit AUTOHAUS erklärten. Demnach stiegen die Erlöse in den ersten neun Monaten 2016 um über 26 Prozent auf 110,5 Millionen Euro. Treiber seien der Roll-out der "Sichtbarkeitsprodukte" und der kontinuierliche Ausbau der Händlerbasis. Mit dieser Kundengruppe setzten die Münchner per Ende September 40,7 Millionen Euro um (plus 30,4 Prozent).

"Wir sind sehr zufrieden mit dem Geschäft", sagte Spaete. In Deutschland arbeite AutoScout24 mittlerweile mit 24.000 professionellen Händlern zusammen. Ende 2015 waren es laut Geschäftsbericht 22.300. Mobile.de liegt aber noch ein gutes Stück voraus. Beim Dauerrivalen aus Dreilinden/Berlin sind laut einer Unternehmenssprecherin 39.000 Fahrzeughändler in Deutschland registriert. Inklusive der Auslandsmärkte sind es über 42.000 (Stand Oktober 2016).

Autoscout24 sieht sich ohnehin als europäischer Player – mit aktuell rund 55.000 gewerblichen Verkäufern. Spaete: "In Europa sind wir die Nummer eins. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal." Vor allem die Geschäfte in Benelux und Italien hätten sich zuletzt sehr positiv entwickelt. Die im Februar 2016 erworbene Plattform "AutoTrader" aus den Niederlanden habe im dritten Quartal bereits mit 1,5 Millionen Euro zum Umsatz beigetragen, hieß es.

"30 Prozent mehr Leads"

Bubenheim betonte die Erfolge der neuen Sichtbarkeitsprodukte. Darauf erhalte man "sehr viel Zuspruch" aus dem Handel. Exemplarisch nannte er das Angebot "Marketing Power" mit prominenteren Anzeigen-Listings. Die Unternehmen könnten von reduzierten Standzeiten und höheren Verkaufspreisen profitieren. In diesem Zusammenhang verwies Bubenheim auch auf das starke Wachstum bei den Kundenkontakten: "Wir bringen 30 Prozent mehr Leads zu den Händlern." Auch das Thema Kundenbewertungen gewinne zunehmend an Bedeutung.

Die beiden Manager wollen Autoscout24 weg von einer reinen Anzeigenplattform hin zu einem umfassenden Beratungsangebot für Kfz-Betriebe weiterentwickeln. "Für uns stellt sich die Frage: Wie können die Händler ihren Profit verbessern", so Spaete. Man wolle zum Business-Problemlöser im Internet werden. Dazu suche das Unternehmen die direkte Kommunikation mit dem Autohandel – nicht zuletzt über die 30 Außendienstmitarbeiter.

Wie eng der Dialog schon ist, zeigt die Entwicklung des Tools "Fahrzeugbewertung", bei dem Privatverkäufer den Marktpreis ihres Gebrauchtwagens ermitteln können. Basis sind zehn Millionen Datensätze aus der deutschen Autoscout24-Datenbank. Da das Thema Preis in der Branche generell heikel ist, wurde das Produkt mit dem Händlerbeirat der Plattform abgestimmt. "So konnten wir eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten finden", sagte Bubenheim.

Beim wichtigen Bereich Zukauf bietet Autoscout24 seit einigen Monaten den sogenannten "Express-Verkauf". Das Produkt entstand im Zuge der Übernahme des Direktvertrieb-Spezialisten Easyautosale (wir berichten) und soll private Autoverkäufer mit Händlern zusammenbringen. Bubenheim: "Die Kaufabwicklung erfolgt fast zu 100 Prozent online." Aktuell würden über 1.000 Händler auf die angebotenen Fahrzeuge aus privater Hand steigern. Noch in der Testphase ist dagegen ein Live-Chat, bei dem Autoscout24 im Namen des Händlers auftritt und Kundenanfragen bis 23 Uhr bearbeitet. Die Funktion sei momentan bei rund 10.000 Fahrzeuginseraten implementiert, hieß es.

Mehr Dynamik in der Entwicklung

"Wir wollen mit unserem Angebot Innovationsführer sein", unterstrich Bubenheim. Autoscout24 setze auf kleine Teams, die sich jeweils nur um eine Zielgruppe kümmern würden. Künftig wolle man Produkte noch schneller entwickeln – "wie ein Start-up". Helfen soll auch der "OneScout24"-Ansatz der Unternehmensgruppe und dabei der Austausch mit dem Schwesterportal Immobilienscout24. Denn: Beide Marktplätze teilen sich einen großen Anteil an Nutzern, da Kaufentscheidungen für Immobilien und Autos häufig von den gleichen Entwicklungen im Leben beeinflusst werden.

Als großen Branchentrend für die kommenden Jahre nannte Spaete neben der Personalisierung des Angebots den Bereich mobile Endgeräte: "Wir sehen, dass User, die mit Smartphone oder Tablet auf Autoscout24 unterwegs sind, häufiger und schneller den Händler kontaktieren." Mit seinem Nutzungsverhalten treibe der Konsument immer stärker die Entwicklung. (rp)


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KOMMENTARE


A.z.

30.11.2016 - 20:25 Uhr

Die Scout Gruppe wurde vor einigen Monaten für viel Geld verkauft. Die Erlössteigerung hat einen großen Ursprung in der saftigen Erhöhung der Preise zu tun, so wie es mobile Jahr für Jahr auch macht.


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