Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat am Montag persönlich seinen Dienstwagen betankt – und zwar mit HVO100. Der erneuerbare Dieselersatzkraftstoff gilt als eine mögliche Alternative für bestehende Selbstzünderfahrzeuge. Die BK-Tankstelle in der Baaderstraße in München hatte HVO100 vor gut zwei Jahren als erste Tankstelle der Stadt eingeführt. Jetzt die erste Bilanz.
"Das Verbrennerverbot bräuchte man nicht, wenn umweltfreundliche Kraftstoffe wie HVO100 stärker genutzt würden", erklärte Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs Mobil in Deutschland, vor Journalisten. Freie Wähler-Chef Aiwanger stimmte zu: "Das ist genau meine Rede. Wir sollten in Bayern alles anschieben, was mit Biosprit zu tun hat."
Vor rund zwei Jahren war die Benzin-Kontor AG in München mit der ersten HVO100-Zapfsäule gestartet. Inzwischen bietet bereits rund jede zweite BK-Tankstelle den Krafstoff an. Mittlerweile sind es 19 Stationen.
Aiwanger hatte den Bund bereits im vergangenen Jahr aufgefordert, die Energiesteuer auf HVO100 zu senken. "Wir müssen den umweltfreundlichen Treibstoff am besten ganz von der Steuer befreien wie in Österreich, um diese saubere Diesel-Alternative auch preislich attraktiver zu machen", erklärte er bei dem Ortstermin. Deutschland brauche mehr erneuerbare Kraftstoffe, um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen. HVO100 senke zudem durch Herstellung in Deutschland die Importabhängigkeit von Treibstoffen.
HVO100 als klimafreundliche Alternative
HVO100 ist ein paraffinischer Dieselersatz, der aus Ölen und Fetten hergestellt wird. Häufig kommen dafür Rest- und Abfallstoffe wie Altspeiseöle oder tierische Fette zum Einsatz. In Dieselfahrzeugen, die vom Hersteller dafür freigegeben sind, kann HVO100 in der Regel ohne technischen Umbau getankt werden. Ein weiterer Pluspunkt: HVO100 ist mit B7-Diesel mischbar.
Der große Vorteil liegt in der Klimabilanz. Das Bundesverkehrsministerium nennt für HVO100 ein CO2-Minderungspotenzial von mehr als 90 Prozent. Der ADAC spricht von einer Verbesserung der CO2-Bilanz um bis zu 90 Prozent gegenüber fossilem Diesel, wenn Herstellung und Transport mitgerechnet werden. Entscheidend ist dabei aber, welche Rohstoffe verwendet werden und wie nachhaltig diese tatsächlich sind.
Der Haken: Die verfügbaren nachhaltigen Rohstoffe sind begrenzt. HVO100 kann deshalb vor allem für bestehende Dieselautos eine sinnvolle Lösung sein, aber nicht einfach den gesamten Dieselverkehr ersetzen.
Biokraftstoffe aktiv fördern
Aiwanger betonte: "Wer Biokraftstoffe nicht aktiv fördert, schadet nicht nur dem Klima, sondern lässt die Biomasse-Branche bluten – eine Branche, die durch Energiegewinnung vor Ort die lokale Wertschöpfung vorantreibt."
Preislich liegt HVO100 meist rund drei Cent über klassischem Diesel. Bei BK soll der Kraftstoff aktuell für zwei Wochen zum gleichen Preis wie herkömmlicher Diesel angeboten werden. "Damit wollen wir die Aufmerksamkeit auf unseren umweltfreundlichen Kraftstoff lenken", erklärte Philipp Arner, Vorstand Benzin-Kontor AG, anlässlich der Betankungsaktion. "Wir haben nicht nur Flottenkunden, sondern auch Privatkunden."
Spritpreise: Diskussion hält an
Grundsätzlich spricht sich Aiwanger dafür aus, die steuerliche Belastung beim Kraftstoff zu senken. "Steuer auf Steuer geht gar nicht. Der Spritpreis sollte unter zwei Euro fallen", sagte er. Auch die CO2-Abgabe kritisierte er deutlich: "Beim Diesel macht sie derzeit rund 17 Cent pro Liter aus, darauf fällt zusätzlich Mehrwertsteuer an. Die CO2-Abgabe ist unbedingt abzuschalten."