Klimabilanz von Elektroautos: TUM-Studie eröffnet Chance im Vertrieb

11.09.2026 11:53 Uhr | Lesezeit: 4 min
Konrad Weßner
Für AUTOHAUS beleuchtet Dr. Konrad Weßner regelmäßig aktuelle Herausforderungen und Chancen für den Automobilhandel.
©Foto: Michael Blumenstein/Autoflotte

Autohandel Quo Vadis – Der Branchenkommentar von Dr. Konrad Weßner: Verkaufsberatung, bei der es zuallererst um Kundenbedürfnisse, Kundenpräferenzen und passende Autos geht, schärft das Autohaus-Profil.

Viele Politiker und "Branchenexperten" waren sich zum Siegeszug der Elektromobilität schnell einig: "Der Drops ist gelutscht" und der Rest der Welt wird schon folgen, wenn die Politik in Deutschland den Schalter vom Verbrenner auf Elektro umlegt. Für die Greentech-Fans der ersten Welle der E-Autokunden war Elektromobilität sicher auch ein nicht zu hinterfragendes Symbol für die grüne Mobilitätswende. Die Auto-Interessenten der zweiten Welle dagegen vergleichen ihren bisher zumeist gefahrenen Verbrenner mit einem E-Auto hinsichtlich Preis, Alltagstauglichkeit und der Klimabilanz bzw. dem CO2-Footprint.

Damit sind wir bei der Meta-Studie der TU München (TUM), die sich unter ihrem Präsidenten Prof. Thomas Hofmann zu einer der weltweit angesehensten Hochschulen entwickelt hat. Prof. Hofmann ist der naheliegenden Frage der Klima-Gesamtbilanz von Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern im Rahmen einer Meta-Studie nachgegangen. Die dabei vorgenommene Verdichtung von 19 wissenschaftlichen Einzelstudien kommt zu dem Ergebnis, dass mit Elektroautos eben "nur" 41 aber nicht 100 Prozent weniger CO2-Emissionen als bei Verbrennern verbunden sind. E-Autos sind von daher hinsichtlich der Klimabilanz besser als Verbrenner aber eben nicht zu 100 Prozent klimaneutral wie von der EU-Kommission eingestuft.

Wer diese Ergebnisse als "Lobbystudie der Verbrennermafia" abtut, macht die Rechnung ohne die Kunden. Auto-Interessenten fragen nämlich schon bisher und (getrieben durch die Ergebnisse der TUM-Studie) in Zukunft wohl noch stärker, wie es mit der Klimabilanz von Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern tatsächlich aussieht. Damit sind wir bei sechs Tipps, wie Automobilverkäufer ihre Glaubwürdigkeit stärken und frischen Wind in den Verkauf von Elektroautos bringen können:

Sechs Praxistipps

  1. Automobilverkäufer sollten auf die Frage nach der Klimabilanz von "E-Autos vs. Verbrenner" vorbereitet sein und im Zweifel hervorheben, dass auch Elektroautos nicht klimaneutral sind, mit 41 Prozent weniger CO2-Emissionen aber besser abschneiden als Verbrenner. 
  2. DEN E-Autointeressenten gibt es ebenso wenig wie DEN Auto-Interessenten. Die Wertschöpfung von Händlern und Verkäufern sollte von daher darin bestehen, Auto-Interessenten zum individuell passenden Auto mit dem passenden Antrieb zu beraten.
  3. Auf die Verabsolutierung von Elektro als DEM alternativlosen Automobilantrieb sollte verzichtet und stattdessen dem Rechnung getragen werden, was die Menschen wollen: Wahlfreiheit und die für sie beste / klimaschonendste Antriebstechnologie.
  4. Nutzen Sie Technologieoffenheit als aktives Signal, um Kunden das Gefühl zu geben, dass es einen fairen Wettbewerb um den klimaschonendsten Antrieb gibt. Kein Auto-Interessent darf das Gefühl bekommen, dass er deshalb ein E-Auto kaufen soll, weil diese Antriebstechnologie als alleinige Lösung verordnet wurde.  
  5. Noch wichtiger wird eine strukturierte Bedarfsanalyse, bei der Auto-Interessenten möglichst schon digital bei ihren Bedürfnissen und Fahrprofilen abgeholt werden und so das Gefühl erhalten, verstanden zu werden. Um Trotzreaktionen zu vermeiden, sind Sie klug beraten, anstelle der Frage, welches "Elektroauto" zu ihnen passt, die Frage zu stellen, welches "Auto" zu ihnen passt. Wir stellen in vielen Studien fest, dass sich dann viel mehr Auto-Interessenten für ein Elektroauto entscheiden, als dies vorher erwogen haben.
  6. Um unschlüssigen Auto-Interessenten Kaufimpulse zu geben, sind und werden die Erfahrungen und Empfehlungen anderer Kunden wichtiger.

Fazit: Händler und Verkäufer, die sichtbare Kompetenz für eine Verkaufsberatung aufbauen, bei der es um Kundenbedürfnisse, passende Autos und eine glaubwürdige und ehrliche Klimabilanz von "E-Autos vs. Verbrenner" geht schärfen nicht nur ihr Profil, sondern auch ihre Differenzierung im Preiswettbewerb. Die TUM-Studie ist keine Studie gegen, sondern für Elektromobilität. Machen Sie was aus der 41 Prozent besseren Klimabilanz. 


Zum Autor

Dr. Konrad Weßner ist Gründer und aktiver Gesellschafter von puls Marktforschung und Co-Founder der aus puls ausgegründeten interaktiven Mobilitätsberatung MOBILITY4.ME. Er vermittelt seine langjährigen Marktforschungserfahrungen und sein Expertenwissen zu Trends und Markenstrategien in der Automobilbranche als Referent und Autor von Fachbeiträgen.

Für AUTOHAUS beleuchtet Dr. Weßner regelmäßig aktuelle Herausforderungen und Chancen für den Automobilhandel:




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KOMMENTARE

Peter Warncke

11.09.2026 - 17:45 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Weßner, danke für die zusammenfassende Einordnung für den Automobilvertrieb. Allerdings hätte es keine hochdotierten Professoren der TUM gebraucht, um das festzustellen, was bei etwas Nachdenken eigentlich jedem verständigen Autofahrer klar sein müsste: Ein 100% klimaneutrales Auto über den gesamten Lebenszyklus kann es gar nicht geben! Denn dann müsste ja die Produktion und Entsorgung ebenfalls Klimaneutral erfolgen. Wie sollte das gehen? Den von manchen herbeigeschriebene Skandal, dass es nach der Meta-Studie "nur" 41% weniger CO2 sind, ist allerdings schwer zu verstehen: Zum einen ist es eine Metastudie, welche immer auch ältere Studien einbezieht, und die CO2-Einsparung von E-Autos erhöht seit Jahren mit dem weltweit steigendenden Anteil des genutzen erneuerbaren Stroms. Diese Schere wird auch immer weiter aufgehen, da klimaneutralere Kraftstoffe (E-Fuels) realistisch in absehbarer Zeit weder in relevanten Mengen verfüg- geschweige denn bezahlbar werden können(!). Der Anteil eneuerbarerer Energien dagegen wird weiter steigen. Und somit auch der Klimavorteil von E-Autos. Fazit: Das Elektroauto ist und kann auch nie "100% klimaneutral" werden. Zumindest nicht über den Gesamten Lebenszyklus. Das ist weder überraschend noch ein aufgedeckter Skandal. Es ist und wird auf absehbare Zeit das am wenigsten klimaschädliche Auto bleiben. Dabei sind die sonstigen Emissionen im Betrieb wie Feinstaub oder Lärm der Verbrenner noch gar nicht berücksichtigt. Geschweige denn der Umweltschäden durch die Urproduktion und Transport von Fossilen Kraftstoffen Und aus rein technischer Sicht - was eine "technische" Universität auch interessieren müsste - ist das E-Auto aufgrund des mit Abstand höchsten Gesamt-Wirkungsgrades (Well-to-Wheel-Betrachtung) allen anderen Antriebsarten bei Weitem überlegen.


Dieter Flugs

11.09.2026 - 17:46 Uhr

Die jüngere Generation will nicht mehr im Autohaus beraten werden, sie „berät sich selbst“ u. a. im Internet. Automobilverkäufer rangieren für sie gleich neben Telekom- und Immobilienberatern.


Dr. Konrad Weßner

14.10.2026 - 04:06 Uhr

Es liegt in der Tat auf der Hand, dass auch Elektroautos nicht 100% klimaneutral sind. Umso skurriler ist es, dass die EU die Taxierung von E-Autos als 100% klimaneutral vornimmt, was natürlich Folgen für die Einstufung der Flottenemissionen und darus resultierende Strafzahlungen hat. Die Frage ist und bleibt, warum das alles von der EU so rigoros reguliert werden muss? Dem Klima wäre viel mehr geholfen wenn auch Anreize erhalten blieben, Verbrenner klimafreundlicher zu nutzen.


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