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Rund 200 Partner weniger: Renault/Dacia kündigen Händler- und Serviceverträge

16.09.2022 10:58 Uhr | Lesezeit: 3 min
Rund 200 Partner weniger: Renault/Dacia kündigen Händler- und Serviceverträge
© Foto: Renault

Zum 1. Januar 2024 wollen Renault und Dacia neue Händler und Serviceverträge einführen. Da mit dem Händlerverband keine einvernehmliche Regelung erzielt werden konnte, werden die bestehenden Verträge jetzt gekündigt.

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Die Zusammenarbeit zwischen Importeur und Händler soll zukünftig flexibler sein und neue Geschäftsaktivitäten ermöglichen. Das ist das Ziel, das der Vorstandsvorsitzende der Renault Deutschland AG, Markus Siebrecht, am Freitag in Brühl formulierte. Deswegen wollen die Marken Renault und Dacia zum 1. Januar 2024 neue Händler- und Serviceverträge einführen. Die neuen Verträge basieren auf einem europäischen Rahmenvertrag.

Kündigung mit Option

Weil mit dem deutschen Händlerverband keine Einigung in Bezug auf den neuen Vertrag erzielt werden konnte, werden die bestehenden Verträge jetzt zu Ende September 2024 gekündigt. Autohäuser, mit denen man weiterhin zusammenarbeiten wolle, würden bereits in der Kündigung, die in diesen Tagen verschickt wird, einen entsprechenden Passus vorfinden, so Siebrecht. Wie ihr neues Händlervertragsangebot genau aussieht, werden sie Ende September 2022 erfahren. Auf jeden Fall bleibt es bei beiden Marken beim Vertragshändlersystem. Renault bleibt auch zweistufig. Dacia wird einstufig, wies es aus Brühl hieß.

Servicestandards erst 2023

Für einen neuen Servicevertrag müssen sich die Interessenten bewerben. Die Standards, die ab 2024 zu erfüllen sein werden, werden erst im nächsten Jahr feststehen. Dafür muss die neue Kfz-GVO abgewartet werden, die die rechtlichen Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene festlegt. Die aktuelle Kfz-GVO läuft am 31. Mai 2023 aus.

Stellungnahme des Händlerverbands

Nach Auskunft von Siebrecht scheiterten die Gespräche mit dem Verband Deutscher Dacia und Renault Partner (VDRP) unter anderem daran, dass der VDRP ein Mitspracherecht gefordert habe. Dieses wollte der Importeur nicht einräumen. In einer Stellungnahme des Verbands heißt es dazu, das beziehe sich auf die einseitige Veränderungsmöglichkeit des Herstellers bei den Selektionskriterien. Diese stelle für die Partner ein erhebliches Risiko dar. Nach dem aktuellen, zurzeit gültigen Vertrag sei der Verband bei der Änderung der Selektionskriterien noch insoweit mit eingebunden, dass eine Einigung erzielt werden müss. Der neue Vertrag und die damit verbundenen Anlagen würden darüber hinaus geänderte Vergütungssysteme vorsehen, deren Ausgestaltung bislang jedoch noch nicht bekannt sei, so der VDRP weiter. Aktuell werde aber noch über eine neue Kooperationsvereinbarung verhandelt, mit dem Ziel, dem Verband ein Mitspracherecht auch in Zukunft einzuräumen. Der Umfang der Vereinbarung zwischen den Beteiligten sei aber noch nicht abschließend geklärt.

Knackpunkte

Knackpunkt in den Verhandlungen zwischen Händlerverband und Importeur war außerdem der Umgang mit den Gebrauchtwagen. Im neuen Händlervertrag wird auch das wichtige GW-Geschäft geregelt. Hiergegen hat der Verband seine Bedenken geäußert. Auch das Thema Direktvertrieb sei wegen der erheblichen Investitionen des Netzes noch in der Diskussion, teilte der VDRP mit. Ebenso sei der konkrete Umgang mit den Kundendaten im Verhältnis Hersteller und Händler noch nicht klar geregelt, was jedoch für einen künftigen Ausgleichsanspruch gemäß $ 89b HGB analog notwendig ist. Über die Vertragskommission sei der VDRP aber weiterhin in die Konzeption der Verträge eingebunden und stehe im Austausch mit dem Hersteller. In den letzten Wochen habe die Händlervertretung bereits erreichen können, dass der ursprüngliche Vertragsentwurf in einigen Punkten überarbeitet wurde. Die Ansicht des Herstellers, es seien bereits erhebliche Änderungen erfolgt, teilt der Verband aber nicht.

Rund 200 finale Kündigungen

Auf Nachfrage erklärte Siebrecht, dass rund 200 kleinere Partner kein neues Vertragsangebot erhalten werden. Wer das sein wird, hänge weniger von den Verkaufszahlen ab, sondern hätte eher geografische Gründe. Es sei Renault und Dacia wichtig, auch weiterhin ein flächendeckendes Verkaufs- und Serviceangebot in Deutschland zu haben. Rückstellungen für die Ausgleichsansprüche der ausscheidenden Partner seien gebildet worden. Über die Höhe wollte er aber keine Auskunft geben. Schließlich hänge die notwendige Summe auch davon ab, wie viele Partner das neue Vertragsangebot akzeptieren würden. Wegen des kommenden Produktfeuerwerks geht er aber davon aus, dass die meisten aktuellen Partner weiter mit der Marke zusammenarbeiten wollen.

Sekundärnetzpartner

Im Zuge der Vertragskündigung hat Renault seine Primärnetzpartner aufgefordert, ihren angeschlossenen Sekundärnetzpartnern ebenfalls zu kündigen. Nach Informationen des VDRP hat das den Vorteil, dass Renault Deutschland die Primärnetzpartner im Verhältnis zu ihren Sekundärnetzpartnern nach den aktuell gültigen Verträgen von etwaigen Ausgleichsansprüchen gemäß Paragraph 89b HGB analog freistellen muss und auch die Sekundärnetzpartner von dieser Regelung entsprechen profitieren können.

Infoveranstaltungen des Verbandes

Der VDRP plant zeitnah einzelnen lokale Gesprächsrunden vor Ort, um konkrete Fragen der Partner zu beantworten und die weitere Vorgehensweise im Detail zu besprechen. Der Verband empfiehlt den Partnern, diese Gesprächsrunden zu nutzen, damit sie sich vor einer Unterschrift unter den Vertrag darüber im Klaren sind, welche Verpflichtungen sie langfristig eingehen und welche Investitionen damit verbunden sind. Für die Händler, die zukünftig keinen neuen Vertrag mehr erhalten, oder die sich selbst dazu entschließen, endgültig aus dem Netz auszuscheiden, wird der Verband zusätzliche Informationsveranstaltungen zum Beispiel zu den möglichen Investitionsschutzansprüchen und den Ausgleichsansprüchen durchführen.


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KOMMENTARE


Vertragshändler

16.09.2022 - 12:07 Uhr

Guten Tag, nun kündigt also auch der Renault Konzern alle Händler- und Service Verträge. Als Begründung rechtfertigt der Renault Konzern die Netzkündigung unter anderem wohl damit, dass der Renault Konzern den Händlervertretern KEIN vertragliches Mitspracherecht einräumen will. Was soll man dazu noch sagen, außer das die aktuelle Arroganz nahezu ALLER Automobilhersteller dazu führen sollte, dass der gesamte Vertragshandel diesen arroganten Hersteller eigentlich komplett die Gefolgschaft veweigern sollte. Denn egal ab Renautl, Stellantis, Ford, Volkswagen, BMW und Co....keiner dieser Hersteller ist auch nur ansatzweise in der Lage, in der Fläche operativ Kunden zufrieden zu stellen. Keiner dieser Hersteller ist operativ in der Lage, kundenorientierte Abläufe in einem Autohaus sicher zu stellen, egal ob für Verkaufs- oder Service Aktivitäten. Ich würde mir wünschen, dass ALLE Vertragshändler sich zusammen schließen und zwar konsequent, um den Herstellern alle Auflagen, Verpflichtungen, Investitionen und Vorgaben schlicht vor die Füsse zu werfen und denen die Gefolgschafft verweigern. Denn nur wenn der gesamte Handel/Service und zwar Europaweit jetzt mit einer Stimme spricht - werden die Hersteller umdenken müssen und einsehen, dass ohne den Handel und die Service Betriebe deren Neuwagen und Ersatzteile eben nicht in ausreichenden Stückzahlen verkauft werden. Es ist an der Zeit, die Arroganz ALLER Hersteller zu brechen! Wer ist Kopf und wer ist Schwanz? Wenn der gesamte Vertragshandel sich solidarisieren sollte, dann ist der Handel Kopf und die Hersteller wedeln nur noch mit dem Schwanz - wetten? Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen - es reicht!


FrankF

17.09.2022 - 13:30 Uhr

Naja, man wird mittelfristig versuchen, wie Tesla oder Polestar, ganz ohne Händlernetz auszukommen. Ist dann doch für den (früher) geschätzten, heute in der Werbung schon geduzten, Kunden egal. Es geht überall gleich beschi…… zu, egal wo er hinkommt. So wie in den Filialen der Riesenketten, von Textil über Radio/TV/Weißware etc. bis zur Hotelübernachtung. Entweder man akzeptiert wie’s dort überall zugeht und wie man mit einem umgeht, oder muss halt wegbleiben . Die wenigen Alternativen wird die GreatReset -Truppe mit ihren politischen Erfüllungsgehilfen vollends zerstören. (Klaus Schwab: „es gibt viel zu viel Mittelstand“) Man muss nur die Bedingungen dafür „schaffen“, so wie für unseren Bäcker am Ort, der ob der „hohen“ Energiepreise schließt. Wenn ich dran denke, was hatten wir früher über NL der DRAG gelacht, die verdienten nie Geld, viel zu ineffektiv gegenüber einem inhabergeführten Autohaus. Mittlerweile hat man die Bedingungen so verändert, dass der kleine, eigentlich marktwirtschaftlich agierende Händler untergehen muss und der im Vertrieb behördenartige, wasserkopflastige Globalist obsiegt……


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