Das Fintech Aufinity treibt den Ausbau seines Geschäftsmodells voran. Die bislang unter dem Namen Bezahl.de bekannte Lösung für Zahlungsmanagement firmiert künftig als "Aufinity Payment Management". Gleichzeitig erweitert das Kölner Unternehmen sein Portfolio um "Aufinity Cash Collection", eine neue Software zur Verwaltung offener Forderungen im Autohaus.
Mit diesem Schritt will Aufinity die gesamte Prozesskette rund um Zahlungen und Forderungen stärker abdecken. Bestandskunden behalten ihren bisherigen Funktionsumfang und können die neue Anwendung nach Unternehmensangaben ohne aufwendige IT-Projekte ergänzen.
"Wir haben bezahl.de zum Standard für Zahlungsmanagement in Deutschland gemacht", sagte Lasse Diener, CEO und Mitgründer von Aufinity laut einer Mitteilung. "Aufinity Cash Collection ist unser nächster, logischer Schritt auf dem Weg zu Autonomous Finance: Jede Forderung und Zahlung im Autohaus läuft auf Autopilot."
Offene Forderungen als Zeitfresser
Die neue Lösung adressiert ein Problem, das in vielen Betrieben nach wie vor hohen Aufwand verursacht. Laut dem "Automotive Payment Report 2026" betrachten 52 Prozent der Händler offene Posten und das Mahnwesen als größte Herausforderung im Zahlungsmanagement. Zugleich ermitteln 61 Prozent den Zahlungsstatus einer Rechnung noch manuell, häufig über Rückfragen in der Buchhaltung. Der Aufwand ist beträchtlich: In vielen Betrieben beansprucht die Nachverfolgung offener Forderungen einen erheblichen Teil der Arbeitszeit.
Genau an diesem Punkt setzt Aufinity Cash Collection an. Nach dem Upload einer OPOS-Liste übernimmt die Software die weitere Steuerung der offenen Posten. Alternativ lässt sich die Lösung direkt mit gängigen Buchhaltungssystemen verbinden.
Jede Forderung erhält dabei einen Verantwortlichen, einen Bearbeitungsstatus und definierte Fristen. Bleibt eine Zahlung aus, erstellt das System automatisch die notwendigen Mahnläufe. Die finale Freigabe für den Versand verbleibt jedoch im Autohaus.
Erfolgreicher Testlauf: Zahlungen treffen früher ein
Nach Angaben des Unternehmens zeigte bereits die Pilotphase mit sechs Handelsbetrieben messbare Effekte. Demnach verringerte sich der Bearbeitungsaufwand pro offenem Posten durchschnittlich um 30 Minuten. Gleichzeitig gingen Zahlungen im Mittel 15 Tage früher ein. Für Autohäuser könnte das nicht nur den Verwaltungsaufwand reduzieren, sondern auch die Liquidität verbessern.
Mit dem wachsenden Produktportfolio rückt zugleich die Automatisierung stärker in den Fokus. Perspektivisch sollen KI-Lösungen Zahlungs- und Forderungsprozesse weiter vereinfachen und zunehmend eigenständig steuern.
Vom Zahlungsanbieter zur Finanzplattform
Mit der Umbenennung verfolgt Aufinity jedoch größere Ziele als eine reine Markenharmonisierung. Das Unternehmen bündelt seine Produktwelt europaweit unter einem gemeinsamen Namen und positioniert sich zunehmend als Plattform für Finanzprozesse im Automobilhandel.
Gegründet wurde das Unternehmen 2018 von Lasse Diener und Ulrich Schmidt. Inzwischen beschäftigt Aufinity nach eigenen Angaben mehr als 200 Mitarbeiter an den Standorten Köln, Madrid, Rom und Paris. Über 2.000 Autohäuser nutzen die Software, über die jährlich rund elf Milliarden Euro Zahlungsvolumen abgewickelt werden.
Nach dem Markteintritt in Italien, Spanien und Frankreich bereitet das Fintech weitere europäische Expansionsschritte vor.