Das Unfall- und Schadengeschäft bleibt eine der wichtigsten Ertragssäulen im Aftersales. Das aktuelle AUTOHAUS Panel zeigt: Im Durchschnitt erwirtschaften die Betriebe 21 Prozent ihres Werkstattumsatzes mit diesem Business. Die Ergebnisse bestätigen die weiterhin hohe wirtschaftliche Relevanz dieses Geschäftsbereichs für den Markenhandel.
Gleichzeitig macht die Befragung deutlich, dass die Branche an einem Wendepunkt steht. Die Zeiten, in denen sich Ertrag vor allem über höhere Stundenverrechnungssätze und steigende Teilepreise sichern ließ, gehen zu Ende.
Genau hier setzt die Analyse des ehemaligen Allianz-Vorstands Carsten Crede anlässlich seines Vortrags auf der AUTOHAUS SommerAkademie 2026 an. Seine zentrale Kritik: Hersteller, Versicherer und Handel optimieren jeweils ihre eigene Position, verlieren dabei aber das Gesamtsystem aus den Augen. Das Ergebnis sind steigende Kosten, zunehmende Komplexität und ein Prozess, der für Kunden oft alles andere als einfach erscheint.
Die aktuelle AUTOHAUS-Befragung stützt diese Sichtweise. Zwar kommt der überwiegende Teil der Schadenaufträge weiterhin über den eigenen Kundenbestand in die Betriebe. Gleichzeitig erhalten aber bereits 38 Prozent der Unternehmen Aufträge über die Schadensteuerung der Versicherer. Flottenbetreiber, Leasinggesellschaften und Hersteller spielen ebenfalls eine relevante Rolle. Das Schadengeschäft wird längst nicht mehr allein vom Autohaus kontrolliert. Wer Kunden dauerhaft binden will, muss deshalb mehr bieten als Reparaturkompetenz.
Video-Kommentar von Chefredakteur Ralph M. Meunzel
Insgesamt zeigt sich der Handel optimistisch. Nur ein Prozent der Befragten will sein Engagement im Schadengeschäft reduzieren. 24 Prozent planen einen aktiven Ausbau, weitere 44 Prozent wollen den Bereich auf heutigem Niveau halten und gezielt optimieren. Die Branche glaubt also an die Zukunft dieses Geschäfts.
Die größten Herausforderungen
Doch die Frage lautet nicht mehr, ob sich das Schadengeschäft lohnt. Die Frage lautet, wie es künftig wirtschaftlich betrieben werden kann. Die größten Herausforderungen sind dabei eindeutig identifiziert. Rechnungskürzungen durch Versicherer führen die Liste mit Abstand an. Es folgen die Schadensteuerung durch Versicherer, der Fachkräftemangel sowie die zunehmende technische Komplexität moderner Fahrzeuge.
Interessant ist jedoch, dass viele Betriebe die Ursachen noch immer überwiegend außerhalb des eigenen Einflussbereichs suchen. Genau das stellt Crede infrage. Sein Argument: Solange alle Beteiligten lediglich über Preise diskutieren, bleiben die eigentlichen Ineffizienzen des Systems unangetastet.
Die größten Reserven
Tatsächlich zeigen die Umfrageergebnisse, wo die größten Reserven liegen. Mehr als die Hälfte der Betriebe sieht das größte Digitalisierungspotenzial in einer digitalen Schadenakte, die alle Beteiligten miteinander vernetzt. Gleichzeitig bieten bislang nur wenige Unternehmen digitale Schadenmeldungen, Online-Terminvereinbarungen oder digitale Statusinformationen für Kunden an. Die Branche erkennt den Handlungsbedarf, befindet sich bei der Umsetzung aber noch längst nicht am Ziel.
Die wichtigste Botschaft der Befragung lautet daher: Das Schadengeschäft bleibt ein strategischer Erfolgsfaktor für den Handel. 82 Prozent der Teilnehmer sehen darin ein unverzichtbares Instrument zur Kundenbindung. Doch die Zukunft dieses Geschäfts entscheidet sich an Produktivität, Prozessqualität und digitaler Vernetzung.