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Wilfried Wilhelm Anclam: "Wir haben Corona abgeschlossen"

Wilfried Wilhelm Anclam: "Wir haben Corona abgeschlossen"
Wilfried Wilhelm Anclam, Vorstandschef der AUTOLAND AG, plant eine komplette Marktdurchdringung in Ostdeutschland.
© Foto: Prof. Hannes Brachat

Wilfried Wilhelm Anclam gilt als Deutschlands größter und bester Autodiscounter. Die Zentrale der AUTOLAND AG ist in Leipzig-Brehna. AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes Brachat sprach dort mit dem Kfz-Unternehmer über das aktuelle Branchengeschehen.


Datum:
05.07.2021
Autor:
Prof. Hannes Brachat
Lesezeit:
6 min
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AUTOHAUS: Herr Anclam, Sie haben nun den dritten Lockdown in ihrem Unternehmen hinter sich. Was sind ihre Erfahrungen und Konsequenzen seit dem 16. März 2020, als alles mit Corona begonnen hat?

Wilfried Wilhelm Anclam: Wir haben temporär die Mitarbeiter in Kurzarbeit gehabt, beispielsweise im Januar und Februar 2021. Wir sind dann gut in den März des Jahres gestartet und das lief bis heute erfreulich weiter. Das "Click & Meet" hat super funktioniert. Und so konnten wir ganz gute Verkaufszahlen einfahren. Natürlich nicht in der Dimension wie in coronafreien Jahren. Im Moment fahren wir wieder auf Spitzenniveau. Wir haben, das darf ich sagen, Corona abgeschlossen.

AH: Sie können das für alle ihre 24 Standorte von AUTOLAND sagen?

W. W. Anclam: Ja, das gilt für das gesamte Unternehmen, einschließlich der Autoland-Zentrale in Brehna.

Ware

AH: Vielfach ist zu registrieren, das es keine aktuelle neue Autoware gibt, sprich Lieferzeiten verkauft werden müssen. AUTOLAND hat in der Regel einen aktuellen Fahrzeugbestand von 10.000 Fahrzeugen?

W. W. Anclam: Wichtig, Gebrauchtwagen sind im Preis gestiegen. Der Einkaufspreis hat sich erhöht. Der Verkaufspreis ebenso. Im Neuwagenbereich ist eine Verknappung zu spüren. Dadurch, dass wir Stock-Ware eingekauft haben und das ab März in großen Stückzahlen, können wir gegenwärtig von Mangel an Ware nicht sprechen. Geht das Marktgeschehen wie gegenwärtig weiter, kann ich mir aber für den Herbst eine Verknappung der Ware vorstellen.

AH: Da Sie international unterwegs sind, gilt das auch für andere Märkte?

W. W. Anclam: Das gilt auch für Europa. Es gibt noch einige Länder, wo noch ausreichend Ware vorhanden ist. Wie ich eben angedeutet habe, man muss sich kräftig eindecken, wenn man über den Herbst kommen möchte. Das ist meine Einschätzung.

Die drei Vertriebsschienen
© Foto: AUTOLAND

Vertriebswege

AH: Sie offerieren quasi drei Vertriebsschienen, AUTOLAND, AUTOWELT und AUTOHÄNDLERWELT. Was steckt dahinter?

W. W. Anclam: Wir sind in diesem Vertriebs-Trio sehr gut unterwegs. Sowohl bei AUTOLAND im Gebrauchtwagenbereich, als auch bei AUTOWELT, wo wir das Preissegment bis 10.000 Euro anbieten. Und im Händlerbereich war es immer so, dass man uns quasi die Fahrzeuge aus den Händen gerissen hat.

AH: Wie schafft man es, dass Gebrauchtwagen unter 10.000 Euro ein Geschäft sind?

W. W. Anclam: Wir haben diesen Vertriebszweig 2014 konzipiert. Und letztes Jahr war es dann soweit, dass wir ihn an den Markt bringen konnten. Wir machen da exzellente Verkaufszahlen. Jedes Fahrzeug wird mit Gutachten verkauft. Die Kunden sind sehr davon angetan, eine genaue Zustandsbeschreibung des Fahrzeugs zu bekommen. Transparenz und Ehrlichkeit zahlen sich aus. Die Preise finden hohe Akzeptanz. Jedes Fahrzeug wird mit Garantie verkauft, die im Fahrzeugpreis enthalten ist. Wir haben mehr Kunden als Autos.

E-Auto

AH: Welche Strategie Fährt AUTOLAND in Sachen E-Auto?

W. W. Anclam: Der Markt ist für uns als großer Player noch zu klein. Natürlich haben wir die Entwicklung im Blick.

Marketing & Werbung

AH: Zu ihren Besonderheiten gehört seit Jahren eine auffällige, markante Werbung. Sie haben darin eine Wandlung herbeigeführt?

W. W. Anclam: Wir waren früher ausschliesslichoffline aktiv. Da haben wir viele Millionen in die Print-Werbung investiert. Das hat sich radikal gewandelt. Print macht heute noch 25 Prozent unseres Werbebudgets aus. Die anderen 75 Prozent setzen wir online ein und erreichen damit bessere Verkaufszahlen als zuvor.

Online-Auftritt

AH: Der virtuelle Vertrieb erfordert auch im virtuellen Auftritt entsprechende Aktivitäten. Wie sehen dazu ihre Überlegungen aus?

W. W. Anclam: Sämtliche Online-Werbung funktioniert eigentlich richtig und erfolgreich, wenn man über eine erstklassige Homepage verfügt. Der Kunde muss dort Angebote finden, dass er sich da gerne im Netz aufhält und selbstredend in die jeweilige Niederlassung geführt wird. Sprich, die Homepage muss den Kunden faszinieren. Wir haben das noch nicht erreicht. Wir werden da aber in Kürze Akzente setzen.

AUTOLAND-Strategie

AH: Und wie sieht die Wachstumsstrategie der AUTOLAND AG aus? Sie haben aktuell 24 Standorte, Deutschland Ost. Sie haben ihr Unternehmen vor einem Jahr in eine AG gewandelt, auch dahinter stehen substantielle Überlegungen.

W. W. Anclam: Die Strategie ist die, dass wir sagen, wir müssen im Osten noch schneller wachsen. Wir haben fünf weitere Standorte, die in Kürze ans Netz gehen und zehn weitere Standorte gekauft, die wir 2022/23 entwickeln werden. Wir brauchen eine komplette Marktdurchdringung im Osten. Der Osten ist unsere Base. Von dort aus können wir dann den Startschuss für den Westen Deutschlands und für Europa geben. Und das mit Hilfe eines Börsengangs, wo wir dann die nötigen finanziellen Mittel hoffentlich generieren können, um das geplante Wachstum durchführen zu können.

Die grün eingezeichneten Standorte gehen dieses Jahr ans Netz.
© Foto: AUTOLAND

Personal

AH: Sie haben aktuell 900 Mitarbeiter. Wachstum erfordert ein personelles Mehr. Wie und wo finden sie das?

W. W. Anclam: Das bedarf wie die Beschaffung der Fahrzeuge einer klugen Vorgehensweise. Wir setzen da vier Bereichsleiter für Personalgewinnung ein, die von einem Chef geleitet werden. Personalgewinnung ist Tag für Tag deren Mission. Sie machen Akquise und führen Gespräche. Wir kommen so ganz gut voran. Gegenwärtig haben wir im Markt erhebliche Lohnsteigerungen. Da muss man dabei sein, um die Besten zu halten und neue Mitarbeiter zu bekommen. Wenn sie in der obersten Liga mitspielen wollen, brauchen sie entsprechend qualifizierte Mitspieler.

Präsentation

AH: Brancheninsider staunen immer wieder, wie Sie es schaffen, 24 Filialen einheitlich in dieser Ordnung und Systematik und blumenreichen Optik Tag für Tag lebendig zu halten?

W. W. Anclam: Man kann ja nicht Parkplätze bauen und dort einfach Autos hinstellen und verkaufen. Das wäre nicht mein Anspruch. Mein Anspruch ist Fahrzeugpräsentation, Ausstellung, nennen wir es Messe. Also nicht nur das Auto allein soll wirken, sondern das gesamte Umfeld. Eben auch Natur, Blumen, Sträucher, Bäume. Und dann das Regelwerk, das ich erstellt habe und das zeigt, wie was zu gestalten ist, wie sich die AUTOLÄNDER in der Öffentlichkeit zu präsentieren haben. Ja, das ist schon ein strenges Regelwerk. Und wir schauen gezielt, dass das gelebt wird. Deshalb ist es so, wie es ist.

Marktperspektive 2021

AH: Wie beruteilt Deutschlands größter automobiler Discounter die Marktperspektive bis Ende 2021?

W.W.Anclam: 2021 wird ähnlich wie 2020. Wir hatten 2020 einen Lockdown, dann nochmals am Ende 2020 den zweiten Lockdown, das gesamte Frühjahr 2021 dann den dritten Lockdown. So wir keinen weiteren Lockdown in diesem Jahr haben werden, werden wir vergleichbar 2020 abschließen. Einen richtigen Schritt nach vorne sehe ich erst für das Jahr 2022.

AH: Herr Anclam, wir danken für das Gespräch!

Wilfried Wilhelm Anclam kommt als Referent zur AUTOHAUS SommerAkademie 2021 (25. bis 28. August)
© Foto: Prof. Hannes Brachat
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