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Abkehr von E-Fuels: Wissing will voll auf Elektroantrieb setzen

13.01.2022 10:06 Uhr | Lesezeit: 5 min
Abkehr von E-Fuels: Wissing will voll auf Elektroantrieb setzen
Volker Wissing
© Foto: FDP

Welche Rolle sollen synthetische Kraftstoffe bei Autos sorgen? Aussagen des neuen Verkehrsministers sorgen für Aufsehen. Die Union sieht einen Kurswechsel.

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Verkehrsminister Volker Wissing hat mehr Tempo beim Ausbau der Elektromobilität angekündigt. Der FDP-Politiker sagte am Donnerstag im Bundestag, die kurzfristig verfügbare klimaneutrale Mobilität im Individualverkehr sei die Elektromobilität. "Wenn wir schnell CO2 reduzieren wollen, müssen wir sie stärker nutzen. Wir wollen die Klimaschutzziele im Verkehrsbereich einhalten."

Die Elektromobilität im Pkw-Bereich sei dafür ein wichtiger Baustein. Gleiches gelte aber auch für Strom basierte Kraftstoffe – nicht nur im Flugverkehr, auch im Schiffsverkehr, bei Nutzfahrzeugen und in den Pkw-Bestandsflotten. "Jeder Beitrag zur CO2-Reduktion ist wichtig", so Wissing. Mobilität müsse sich auch künftig 'technologieoffen' weiterentwickeln. Deswegen könne man nicht alles auf einen Antrieb umstellen. Bei der E-Mobilität sei der Ausbau der Infrastruktur für ihn eines der drängendsten Themen: "Niemand kauft sich an E-Auto, wenn er Stunden an der Ladesäule wartet."

Zuvor hatte Wissing dem Fachdienst "Tagesspiegel Background" gesagt: "Wir müssen die verschiedenen Energieträger dort einsetzen, wo sie am effizientesten sind. Das ist beim Pkw der E-Antrieb", sagte er. E-Fuels, also synthetische Kraftstoffe, werde man vor allem für den Flugverkehr brauchen. "Auf absehbare Zeit werden wir aber nicht genug E-Fuels haben, um die jetzt zugelassenen Pkw mit Verbrennungsmotor damit zu betreiben." Der Minister sagte weiter: "Wenn man sich die EU-Regulierung anschaut, sieht man, dass die Entscheidung für die E-Mobilität längst gefallen ist." Wenn der Umstieg forciert werde, könne Deutschland auch das von der neuen Bundesregierung angestrebte Ziel von mindestens 15 Millionen vollelektrischen Pkw bis 2030 schaffen.

Opposition beklagt Wortbruch

Der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Thomas Bareiß (CDU), kritisierte daraufhin: "Bundesminister Wissing und die FDP verabschieden sich von alternativen Kraftstoffen und vollziehen einen Kurswechsel." Dies sei ein klarer Wortbruch. "Von der immer viel gepriesenen Technologieoffenheit im Bereich der Mobilität ist damit nicht mehr viel übrig. Das schadet dem Automobilstandort Deutschland, und das schadet dem Klimaschutz, denn auch die Bestandsflotte braucht eine CO2-freundliche Zukunft, sonst ist das hohe Klimaziel nicht zu schaffen." Fraktionsvize Ulrich Lange (CSU) sagte: "Durch die pauschale Entscheidung der Ampel für das Elektroauto kann das Millionen Autobesitzern noch schmerzhaft auf die Füße fallen."

Im Wahlprogramm der FDP hieß es: "Klimafreundliche synthetische Kraftstoffe sind eine bereits heute verfügbare Alternative für alle Verkehrsarten, die ohne technische Umrüstung in herkömmlichen Verbrennungsmotoren verwendet werden können."

Die Präsidentin des Verband der Automobilindustrie, Hildegard Müller, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Europa und Deutschland dürfen keine Technologie ausschließen, die weltweit gebraucht wird, um die Klimaziele im Straßenverkehr zu erreichen" Wissing müsse einhalten, was er und seine Partei im Wahlkampf versprochen hätten. "Selbstverständlich brauchen wir E-Fuels aus erneuerbaren Energien auch für den Straßenverkehr. Ohne E-Fuels können die Fahrzeuge, die schon im Betrieb sind, keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten."

Zwar liege der Fokus auf der Elektromobilität, deren Erfolg mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur stehe und falle, so Müller. In Deutschland würden 2030 noch rund 30 Millionen Pkw mit Benzin- oder Dieselmotoren unterwegs sein. "Sie müssen mit synthetischen Kraftstoffen aus erneuerbaren Energiequellen versorgt werden, um klimaneutral unterwegs zu sein."

Die Chefin des Energieverbands BDEW, Kerstin Andreae, sagte mit Blick auf Wissing: "Das klare Bekenntnis zur Elektromobilität und zum Ziel, 15 Millionen vollelektrische Pkw bis 2030 auf den Straßen zu haben, ist ein wichtiges Signal für die Energiewirtschaft und alle Ladesäulenbetreiber."

Eine Absage an E-Fuels im Pkw hält der Leiter Verkehrspolitik beim Umweltverband BUND, Jens Hilgenberg, für folgerichtig. "Synthetische Kraftstoffe sind mit Blick auf Energieeffizienz, Preis und Verfügbarkeit jetzt und auch in Zukunft keine Option für den Pkw."

Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Verkehr

Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup sagte, Wissing solle umgehend erste Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Verkehr vorlegen. "Es reicht nicht, dass Volker Wissing inzwischen akzeptiert, dass der Verbrennungsmotor am Ende ist. Er muss ein Sofortprogramm im Verkehr auflegen, das große, schwere Spritfresser mit einer Neuzulassungssteuer teurer macht, das Dienstwagenprivileg abschafft und ein Ende des Verbrenners bereits ab dem Jahr 2025 festlegt." 

Der ADAC hält E-Fuels für elementar, um Klimaschutzziele zu erreichen. Technikpräsident Karsten Schulze sagte der dpa, trotz eines ambitionierten Hochlaufs der Elektromobilität würden 2030 noch mindestens 30 Millionen Pkw-Bestandsfahrzeuge mit Diesel- oder Ottomotor in Deutschland unterwegs sein. "Ohne E-Fuels werden diese nicht CO2-reduziert genutzt und perspektivisch klimaneutral betrieben werden können."

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KOMMENTARE


MH

13.01.2022 - 17:36 Uhr

Wo bitte schön kommt der Strom her, mit Wind und Sonne wird es nicht funktionieren. Wir haben ja unsere Nachbarländer, die haben ja auch Atomkraft, die geben uns, für viel Geld, schon was ab. Dann gibt es auch noch Menschen die auf dem Land leben und die keine Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel haben. Es ist sicherlich schön, wenn eine Mutter bei -10 Grad mit dem Lastenfahrrad ihr Kind 10 oder mehr km in die Kita fährt. Wie Realitätsfremd muss denn da sein, liebe Frau Schneider und lieber Herr Wissing?!


Michael Förster

13.01.2022 - 20:16 Uhr

Wie möchte unser neuer Verkehrsminister die Ladestruktur in Deutschland voranbringen? Man findet ja jetzt schon kaum freie Lademöglichkeiten, geschweige denn Schnellladestationen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es kaum Schnellladestationen, an den wenigen Ladesäulen gibt es die ersten verbalen Schlägerrein. In Berlin steht an jeder Säule ein Carsharing Fahrzeug. Man sucht inzwischen länger eine Ladesäule ( wenn Sie funktioniert) als einen freien Parkplatz. Es macht Sinn erstmal eine Ladestruktur zu schaffen und dann von Zielen über verkauften Elektroautos zu sprechen. Ich spreche aus Erfahrung, ich besitze 3 Elektroautos. Danke.


Peter Jankhöfer

13.01.2022 - 00:00 Uhr

Mal wieder ein Joke von der Umfallerpartei FDP. Vor der Wahl wurden E-Fuels als fortschrittlich und innovativ dargestellt. Die Forschung sollte nach der FDP weiterhin mit Geschwindigkeit betrieben werden. wieder mal Wahlkampfgetöse und nicht mehr. Die E-Mobilität wird eine Übergangslösung sein, und nicht mehr. Der Verbrenner wird auch für die Zukunft seinen Platz behalten. Die Zuwächse an E-Autos halte ich für trügerisch. Wenn es die Förderung nicht geben würde, sehe das Spiel anders aus. Schauen wir mal ab wir den ganzen Elektroschrott in den nächsten Jahren dann auch "nachhaltig entsorgt bekommen"


Dipl.-Ing. (FH) Frank Oesterle

14.01.2022 - 11:08 Uhr

Noch ein Blinder. Auch er: weg damit!


Sig

14.01.2022 - 12:51 Uhr

niemand "wartet stundenlang an der Ladesäule". E- Auto wird an der Steckdose geladen, wenn es ohnehin parkt. Übernacht, am Bahnparkplatz (o.k. da hat der Staatsbetrieb noch Nachholbedarf; einfache Dinge sind nicht immer einfach ;-) ), Firma oder Freizeitaktivitäten. Auf Langstrecken alle paar Stunden an der Schnellladestation wo man Pause macht.


Florian Heinze

15.01.2022 - 11:30 Uhr

Einmal arbeiten mit Profis. Herr Wissing sollte sich vielleicht noch etwas besser in das Thema Alternative Antriebe einarbeiten bevor er solche Aussagen trifft. Ich halte E-Fuels im Individualverkehr für essentiell wichtig als weitere Säule zur CO2 Reduktion, auf der anderen Seite wird mal wieder unter der Teppich gekehrt das E-Mobiltät sowohl in der Produktion der Fahrzeuge als auch des Stroms so ganz und garnicht CO2 Neutral ist, das will aber keiner hören.


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