Automobilstandort Deutschland: Die große Flucht

10.02.2026 16:40 Uhr | Lesezeit: 2 min
ZF Nachhaltigkeit Zulieferer
Die deutsche Automobilbranche steht unter Druck.
© Foto: ZF

Viele Automobilzulieferer streichen oder verschieben Investitionen in Deutschland, sagt der Branchenverband VDA und fordert politische Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

Der Automobilstandort Deutschland gerät nach Einschätzung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) zunehmend unter Druck. Investitionen und Arbeitsplätze wanderten verstärkt ins Ausland ab, erklärte VDA-Präsidentin Hildegard Müller auf der Jahrespressekonferenz des Verbands. Um gegenzusteuern, seien umfassende Reformen in Berlin und Brüssel notwendig, die Wettbewerbsfähigkeit und Standortattraktivität wieder in den Mittelpunkt stellen.

Grundlage der Warnung ist eine aktuelle VDA-Umfrage unter Zulieferern sowie Herstellern von Anhängern, Aufbauten und Bussen. Demnach wollen 72 Prozent der Unternehmen geplante Investitionen in Deutschland verschieben, verlagern oder ganz streichen. Konkret planen 28 Prozent eine Verlagerung ins Ausland, 25 Prozent verschieben Projekte, 19 Prozent streichen sie ganz. Für das außereuropäische Ausland sieht das teilweise anders aus: Während jedes dritte Unternehmen seine Investitionen in der EU zurückfahren will, planen deutlich mehr Firmen ein stärkeres Engagement in China (22 Prozent) und den USA (28 Prozent).

Zwei von drei Branchenfirmen bauen Jobs ab

Die Entwicklung wirkt sich zunehmend auf die Beschäftigung aus. Im Jahr 2025 haben 64 Prozent der befragten Unternehmen Stellen in Deutschland abgebaut, fast die Hälfte reduziert aktuell weiter. Lediglich fünf Prozent bauen hierzulande Personal auf. Von den Firmen, die Arbeitsplätze in Deutschland streichen, baut knapp die Hälfte gleichzeitig im Ausland Stellen auf. Kein Unternehmen verlagert Beschäftigung aus dem Ausland nach Deutschland zurück.

Als Hauptgrund nennen 87 Prozent der Unternehmen die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Müller spricht von einer "massiven Standortkrise" und warnt vor Folgen für Wohlstand und gesellschaftliche Stabilität. Ohne wirtschaftliche Stärke verliere Europa international an Bedeutung. Gleichzeitig kritisiert die VDA-Chefin eine aus Sicht der Branche zu starke Regulierung und forderte mehr marktwirtschaftliche Anreize statt zusätzlicher Auflagen, etwa bei Klimazielen und Industriepolitik.

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