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Hardware-Nachrüstung von Diesel: VW rät von geplanten Umrüstungen ab

VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch lehnt Hardware-Nachrüstungen von Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 5 ab.
© Foto: Volkswagen

In der Dieselkrise bleiben die Fronten verhärtet. Kaum legt der Verkehrsminister technische Vorschriften für Hardware-Nachrüstungen vor, meldet sich Volkswagen zu Wort - mit einer eindeutigen Botschaft an die Kundschaft.


Datum:
28.12.2018
9 Kommentare

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Dieselbesitzer haben auch kurz vor dem Start ins neue Jahr keine Gewissheit über Hardware-Nachrüstungen bei älteren Dieselautos. Zwar legte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Freitag technische Vorschriften für die Umbauten vor. Volkswagen aber reagierte umgehend: Der Branchenführer warnte vor einem höheren Verbrauch nach einer Umrüstung und vor negativen Folgen bei der Zuverlässigkeit der Autos: "Dies können wir als Automobilhersteller im Sinne unsere Kunden weder befürworten noch dafür haften. Deshalb raten wir von Hardware-Nachrüstungen ab."

VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch erklärte am Freitag, es gebe bis jetzt keine gesicherten Erkenntnisse, wie sich nachträgliche Eingriffe in das Steuerungssystem, die Komponenten und die Fahrzeugarchitektur im Dauerbetrieb langfristig auswirkten. "Eine technisch nicht ausgereifte Nachrüstlösung kann wichtige Fahrzeugeigenschaften zum Nachteil unserer Kunden verändern", so Welsch. "Das Fahrzeug wird sehr wahrscheinlich mehr verbrauchen, an Leistung verlieren und auch lauter werden. Eine Umrüstung, die einen enormen technischen und zeitlichen Aufwand bedeutet, kann zu massiven Problemen bei der Zuverlässigkeit und damit bei der Kundenzufriedenheit sorgen."

Die Hersteller haben Hardware-Nachrüstungen von Anfang an sehr skeptisch gesehen. Auch Scheuer hatte sich ablehnend geäußert. Er hatte aber auf Druck der SPD und des Kanzleramts im November mit den deutschen Herstellern einen Kompromiss erzielt. Dabei ging es vor allem um die Finanzierung der Nachrüstungen.

ADAC-Vize-Präsident Ulrich Klaus Becker kritisierte mit Blick auf VW, dass erneut "heftige Grundsatzdebatten" aufflammten. "Wer von Drittanbietern abrät, muss selber liefern", sagte Becker. Hardware-Nachrüstungen seien eine sinnvolle Möglichkeit, den Stickoxid-Ausstoß von älteren Fahrzeugen signifikant zu senken. Mit den nun vorgelegten Eckpunkten würden allerdings hohe Anforderungen an die Nachrüstung gestellt.

Umweltministerium verärgert über VW-Kritik an Diesel-Nachrüstungen

Das Bundesumweltministerium hat die massive Kritik von Volkswagen an Hardware-Nachrüstungen bei Dieselautos deutlich zurückgewiesen. "Die Reaktion von VW wundert uns", sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. VW habe sich bei Verhandlungen mit dem Verkehrsministerium im November bereiterklärt, Diesel-Fahrzeuge für bis zu 3.000 Euro mit Katalysatoren nachrüsten zu lassen. "Dass VW nun eine Rolle rückwärts macht und wieder ausschließlich auf die Erneuerung der Fahrzeugflotte setzt, ist ärgerlich und wird kaum das verlorene Vertrauen in den Autokonzern wiederherstellen. Denn ein wenige Jahre altes Fahrzeug gegen ein neues einzutauschen, können sich nur die Wenigsten leisten und ist ökologischer Irrsinn." 

Hardware-Nachrüstungen machten nicht nur die Luft sauberer, sondern stoppten auch die Entwertung der Fahrzeuge, die ohne Nachrüstungen nicht mehr in Fahrverbotszonen einfahren dürften, so der Sprecher. Ein durch die neue Hardwaretechnik möglicherweise steigender Spritverbrauch könne durch Software-Einstellungen ausgeglichen werden, dies hätten Experten nachgewiesen. (dpa)

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KOMMENTARE


Beobachter

28.12.2018 - 17:11 Uhr

Die Argumentation von VW ist wirklich bemerkenswert.Um die Leistungs- und Verbrauchsperformance der Dieselmaschinen zu erhalten und den Kunden einen Dominanzeffekt der eigenen Konzernprodukte zu suggerieren, wurde sehr viel Energie in die jahrelange Verschleierung der physikalischen Wahrheit gesteckt. Nun jedoch ist der Konzern nicht bereit - angesichts der geplatzten Seifenblase - ein Mindestmaß an Energie in eine nachträgliche technische Lösung für die geprellten Kunden zu stecken.Statt dessen präsentiert er sich liebe als Neuerfinder der autonomen und E-Mobilität mit einer präventiven Image-Kampagne. Chapeau!


car&van

28.12.2018 - 19:58 Uhr

Natürlich rät VW von Hardwarenachrüstungen ab - und rührt solange es eben geht die Verunsicherungs- und Bangemach-Trommel. Denn jeder nachrüstende Autofahrer kauft kein neues Auto...


MIKKIE

28.12.2018 - 20:14 Uhr

Ein Betrugs Unternehmen versucht seine Probleme weiterhin zu verschleiern. Jetzt sollen doch die anderen die Probleme lösen. Das KBA war und ist niemals in der Lage dieses Unternehmen zu Rechenschaft zu ziehen. VW und KBA scheinen miteinander zu arbeiten.


MIKKIE

28.12.2018 - 20:23 Uhr

Wer neue VW Fahrzeuge kauft weist in Zukunft nicht ob diese gekauften Fahrzeuge in Zukunft noch fahren dürfen. Ich rate jeden Neuwagenkaeufer von VW ab.


Carajan

29.12.2018 - 09:20 Uhr

Die Befindlichkeiten, die Volkswagen hier Sorge bereitet müßten eigentlich hinten anstehen. Der Geschädigte ist immer noch der Verbraucher, der für viel Geld ein Fahrzeug erworben hat, das nicht rechtskonform ist und damit am Markt einen erheblichen Wertverlust in Kauf nehmen wird.Der Verursacher muss seine Garantien entsprechend anpassen, damit Folgeschäden nach einer Umrüstung nicht am Verbraucher hängen bleiben.Ich gehe doch davon aus, das Herr Scheuer und sein Ministerium hier mehr als ein Lippenbekenntnis vom Hersteller erhalten hat, d.h. es wird doch wohl eine Art von Vertragswerk vorliegen, worin Volkswagen sich verpflichtet hat Nachrüstung vorzunehmen.


Karl-Heinz Scherer

29.12.2018 - 20:21 Uhr

Dieses Thema ist doch wahrlich nicht neu und überraschend! Die Automobilhersteller hätten das schon vor mehreren Jahren technisch lösen können; sowie die einhergehenden Konditionen und Voraussetzungen - Technik, Zulassung, Verkauf etc. - hierfür schaffen. Eine durchgängige Erneuerung des Fahrzeugbestandes dürfte wohl nicht realistisch sein. Also sind die Autofahrer wieder die Verlierer!


Michael Perez

31.12.2018 - 20:19 Uhr

Liebe VW-Manager,sie begreifen offensichtlich nichts. Überheblich, arrogant, selbstgefällig. Das ist VW heute. Bravo. Soll sich der blöde VW-Käufer doch gefälligst alle paar Jahre wieder einen neuen Volkswagen , Seat, Skoda, Audi kaufen. Hauptsache der Profit stimmt. Ich kaufe nichts mehr von Volkswagen. Schade das nicht alle so denken.


Rudi

02.01.2019 - 11:31 Uhr

Die Kommentatoren scheinen wie so oft fast alle immer noch nicht verstanden zu haben, um welche Umrüstungen es hier geht: Es geht um Umrüstungen von Dieselfahrzeugen im Allgemeinen und NICHT um die Betrugsfahrzeuge! Die Betrugsfahrzeuge werden/wurden bereits umgerüstet, jetzt geht es darum, die Fahrzeuge sauberer als vom Gesetz verlangt zu bekommen.


Autojosef

02.01.2019 - 15:08 Uhr

Auch wenn die Aussagen von einem „Volkswagen Manager“ getätigt wurde, so gilt sie letztlich für die ganze Branche. Betroffen sind alle PKW bestimmter Antriebe bzw. Kraftstoffart, denn Konformität besitzen die meisten Modelle nicht. Insofern macht es deshalb auch wenig Sinn, die Wut an einem einzigen Hersteller auszulassen.


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