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Mobilität der Zukunft: VW investiert deutlich mehr in China

Gefragter Mann: der neue VW-Konzernchef Herbert Diess in Peking
© Foto: Volkswagen

Deutsche Anbieter hinken auf dem wichtigsten Markt für Elektroautos bislang hinterher. Mit zusätzlichen Milliarden und einer neuen Marke blasen die Wolfsburger jetzt zum Angriff.

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Volkswagen will in China deutlich mehr als bisher geplant in die Entwicklung von Elektroautos und in das autonome Fahren investieren. Bis 2022 wollen die Wolfsburger mit ihren Partnern 15 Milliarden Euro für Zukunftsprojekte auf dem größten Automarkt der Welt in die Hand nehmen, wie der neue VW-Konzernchef Herbert Diess und China-Chef Jochem Heizmann am Dienstag vor dem Beginn der Pekinger Automesse ankündigten.

Gleichzeitig stellte VW eine neue Marke für Elektrofahrzeuge mit dem Namen "Sol" vor, deren Autos zusammen mit dem Joint-Venture-Partner JAC für den chinesischen Markt produziert werden sollen. Das erste Modell der Marke – ein kompakter SUV mit der Bezeichnung E20X – soll demnach noch in der zweiten Jahreshälfte herauskommen.

China ist Volkswagens wichtigster Markt, der Autobauer rückte neben Diess mit vielen weiteren Vorständen zum Messeauftakt in Peking an. Für Diess war es der erste Auslandsbesuch, nachdem er in der vorigen Woche das Amt des Konzernchefs von Matthias Müller übernommen hatte.

Leitmarkt für E-Mobilität

Das Land ist der Leitmarkt für E-Mobilität. In den letzten Jahren zogen die Verkäufe von E-Autos in China nach Branchenangaben stärker an als überall sonst auf der Welt. Die Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um den Verkauf von Autos mit alternativen Antrieben anzukurbeln. China sei nicht nur als Markt wegen der hohen Verkaufszahlen wichtig, sagte Diess. Vielmehr entstünden hier auch neue Trends rund um die Themen Vernetzung und Elektroantriebe.

In von Smog geplagten Großstädten wie Peking und Shanghai ist kaum noch an neue Nummernschilder für Benziner-Autos zu kommen. Käufer von E-Fahrzeugen profitieren dagegen von staatlichen Subventionen. Zudem verordnete die Regierung im September eine Produktionsquote auf Elektroautos von zehn Prozent, die ab 2019 greifen soll.

Heizmann kritisierte, dass Batterien für die E-Autos laut der bisher geplanten Regeln in China bei heimischen Anbietern eingekauft werden müssen und nicht aus dem Ausland eingeführt werden dürfen. «Wir hoffen, dass sich die Dinge noch ändern.» Westliche Diplomaten und Branchenbeobachter sehen in dem Verbot einen Versuch Pekings, nicht nur zum Weltmarktführer in der E-Mobilität zu werden, sondern auch die vorgelagerte Produktion von Batterien zu dominieren.

Die Zahl der verkauften Elektro- und Plug-in-Hybrid-Pkw lag 2017 bei 770.000, wovon ein Großteil jedoch von heimischen Anbietern abgesetzt wurde. Deutsche Autobauer hinken hier bisher hinterher. Bis 2025 will VW 40 alternativ betriebene Modelle in China auf den Markt bringen.

Die von den Wolfsburgern angekündigten Milliarden-Investitionen sollen auch in Bereiche wie Digitalisierung und Mobilitätsdienste fließen – darunter ein neues Carsharing-Angebot mit dem chinesischen Anbieter Shouqi. "Wir wollen in all diesen Schlüsselbereichen, in denen die Zukunft der Mobilität entschieden wird, vorne dabei sein", sagte Heizmann.

"Wir sind gut unterwegs"

Stärkster Treiber bleiben aber die auch in China beliebten SUV. Die Nachfrage nach den kompakten Geländewagen sei so groß, dass diese bald die Hälfte der Gesamtverkäufe oder sogar mehr ausmachen könnten. Nach Rekordverkäufen im vergangenen Jahr rechnet Volkswagen auch 2018 mit Zuwächsen. Der Gesamtmarkt dürfte nach Heizmanns Aussagen um vier bis fünf Prozent zulegen. "Wir sind gut unterwegs, besser abzuschneiden als der Markt."

Unmittelbare Auswirkungen neuer Regeln, wonach ausländische Autobauer künftig nicht mehr zwingend mit einheimischen Partnern produzieren müssen, sieht Diess für Volkswagen zunächst nicht. "Wir haben wenig Notwendigkeit, viel zu verändern", sagte der Manager. "Wir werden also zumindest in der Produktion – auch mit den Marken, die wir heute etabliert haben – so weitermachen. Wir sind mit dieser Joint-Venture-Politik sehr gut gefahren." Beobachter hatten ohnehin nicht mit abrupten Veränderungen gerechnet, weil die deutschen Autobauer in langfristigen Verträgen stecken.

Bisher dürfen ausländische Autobauer in dem Land nur aktiv sein, wenn sie dafür Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Firmen gründen. An diesen dürfen sie nicht mehr als die Hälfte der Anteile halten. Schrittweise soll dieser Zwang nun fallen. Im Geschäft mit Nutzfahrzeugen könnte die Grenze für ausländische Beteiligungen im Jahr 2020 passé sein, bei Pkw im Jahr 2022, bei Elektroautos aber auch schon deutlich früher. Das könnte Elektro-Konkurrent Tesla in die Karten spielen. Die Kalifornier verhandeln mit den chinesischen Behörden schon länger über einen ersten Produktionsstandort im Land.

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