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Fahrbericht Mercedes GLE Coupé: Dickschiff im Trainingsanzug

Fahrbericht Mercedes GLE Coupé
Dickschiff im Trainingsanzug
Der Plug-in-Hybrid des GLE Coupés kombiniert Vierzylinder, E-Motor und 31,2-kWh-Batterie.
© Foto: Mercedes-Benz

Nur kurz nach dem Mercedes den GLE neu aufgelegt hat reichen die Stuttgarter die Coupé-Version nach. Das schräge SUV mimt den durchtrainierten Sportler und fährt mit überarbeitetem Unterbau vor.

Von Michael Gebhardt/SP-X

Der Versuch, ein Dickschiff in einen engen Trainingsanzug zu zwängen, ist längst salonfähig. Was vor Jahren, als BMW mit dem X6 vorpreschte, in der Fachwelt für Entsetzen sorgte, hat sich schnell als Kundenmagnet herausgestellt: Kein Wunder, wollen die abgeschrägten SUV-Coupés einem doch die Entscheidung abnehmen, ob es ein praktisches oder doch lieber ein sportliches Auto werden soll. Dass auch Mercedes den neuen GLE wieder ins Fitness-Studio geschickt hat, ist also nur logisch. Ab Anfang 2020 steht die durchtrainierte Coupé-Alternative für mindestens 76.280 Euro beim Händler – das sind knapp 7.000 Euro mehr als für das Standard-SUV.

Dass die ungewöhnliche Liaison aus Hochbeiner und Sportwagen, trotz happigem Preisaufschlag, nicht ohne Kompromisse möglich ist, liegt auf der Hand: Gegenüber einem klassischen SUV gibt’s ob des schnittig abfallenden Dachs vor allem Einschränkungen beim Platzangebot hinten, die im Falle des 4,94 Meter langen GLE Coupés allerdings verschmerzbar sind: Zwar fühlt man sich insgesamt etwas eingebauter, doch reist man sowohl vorne im aktuellen Hight-Tech-Cockpit mit zwei breiten Displays wie auch im Fond genauso ordentlich wie im Standard-GLE. Eher stört da schon der beim Coupé eingesparte Haltegriff an der Decke. Auch der Kofferraum ist mit bis zu 1.790 Liter großzügig geschnitten, wenngleich in den konventionellen Bruder über 250 Liter mehr reingehen.

Mehr Kompromisse muss man in Sachen Sportlichkeit machen: Keine Frage, das GLE Coupé ist für seine Statur top in Form. Einen über 1,70 Meter hochbauenden Klops derart geschmeidig ums Eck bewegen zu können, ist beeindruckend, und nicht zuletzt dem großen Entwicklungsaufwand zu verdanken: Gegenüber dem GLE wurde der Radstand um sechs Zentimeter gestutzt, der Unterbau straffer abgestimmt, die Lenkung direkter ausgelegt und mit Hilfe von optionaler Luftfederung und 48-Volt-Wankstabilisierung legt sich der Mercedes bei Bedarf sogar richtig in die Kurve.

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Mercedes-Benz GLE Coupé (2020)

Von der Fahrdynamik eines flachen Coupés, das förmlich auf der Straße klebt und nach der nächsten Biegung giert, ist der Benz aber dennoch ein gutes Stück entfernt. Mindestens 2,3 Tonnen Leergewicht lassen sich – das ist kein Geheimnis – halt auch von feinster Ingenieurs-Kunst nicht beeindrucken und wollen lieber geradeaus als ums Eck. Übrigens: Auch in Sachen Geländegängigkeit müssen Coupé-Kunden etwas zurückstecken. Natürlich fährt auch das Schrägheck mit dem variablen Allradsystem vor; im Normalfall gehen 100 Prozent nach hinten, bei Bedarf kann die Hälfte des Drehmoments an die Vorderachse geschickt werden. Auch die Bodenfreiheit ist identisch mit dem GLE und mit maximal gut 20 Zentimetern ausreichend für Waldwege und grobe Schlagloch-Pisten. Auf ein spezielles Offroad-Paket mit Untersetzung und Sperren verzichtet Mercedes bei der Dynamik-Version allerdings.

Motorenseitig bedient sich das Coupé bei seinem etwas pummeligeren Bruder, allerdings steht zunächst nicht die komplette Palette zur Wahl. Wer einen Benziner will, muss zur 53er-AMG-Version greifen: Der Reihensechszylinder mit Elektro-Boost stellt 320 kW / 435 PS bereit, kostet allerdings auch knapp 93.000 Euro. Für den eingangs erwähnten Basis-Preis gibt’s den 200 kW/272 PS starken Sechszylinder-Diesel als 350d, etwas mehr Power (243 kW / 330 PS) stellt die 400d-Version des gleichen Aggregats für 81.634 Euro bereit. Auf diesem Preisniveau dürfte sich auch der Diesel-Plug-in-Hybrid 350de bewegen: Hier kombiniert Mercedes einen Vierzylinder mit dem E-Antrieb zu einer 225 kW/306 PS starken Einheit, die dank üppiger 31,2-kWh-Batterie im Bauch rund 100 Kilometer elektrische Reichweite ermöglicht. So ausgestattet bringt das Coupé allerdings nicht weniger als 2,7 Tonnen auf die Waage.  

Hybrid-Vmax liegt bei 210 km/h

Wer zuhause oder bei der Arbeit eine Steckdose nutzen kann, fährt mit dem Plug-in-Hybriden richtig gut: Die Fahrleistungen liegen auf dem Niveau des 350d, der Standard-Sprint ist in unter sieben Sekunden abgehakt; gefühlt schiebt der Teilzeit-Elektriker dank des kraftvollen E-Antriebs sogar ähnlich kraftvoll an wie der 400er – kein Wunder, stellen beide doch massive 700 Newtonmeter Drehmoment bereit, die, wie bei allen GLE, von einer samtigen Neungang-Automatik verwaltet werden. Die Hybrid-Vmax liegt mit 210 km/h knapp unter den Dieseln, damit ist man allemal flott genug unterwegs. Rein elektrisch ist Tempo 160 drin.

Solange genug Strom im Akku ist, schaltet sich der Verbrenner tatsächlich nur sehr selten ein, etwa beim Kick-Down oder wenn’s steil bergauf geht. Dass der Vierzylinder nicht ganz so seidig klingt wie der Reihensechser, ist Fakt, aber nicht weiter schlimm. Dagegen hilft am besten ein Stopp an der Gleichstrom-Schnellladesäule, wo nach 30 Minuten die Batterie wieder randvoll ist. Und wie steht’s um den Verbrauch? Den Sprit-Konsum gibt Mercedes mit theoretischen 1,3 Litern an, fährt man lange Strecken ausschließlich mit Diesel, dürfte der Durst allerdings wie bei den beiden Nur-Selbstzündern irgendwo bei sechs, sieben Litern liegen.

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