Mercedes C 400 4Matic Electric (94 kWh): Ganz schön viel

28.07.2026 03:01 Uhr | Lesezeit: 3 min
Die neue, rein elektrisch angetriebene Mercedes C-Klasse ist fast 4,90 Meter lang geworden.
© Foto: Mercedes-Benz

Die neue "C-Klasse elektrisch" hat viel Schnickschnack an Bord. Ob auch die rein elektrisch angetriebene Mercedes C-Klasse dem bekannten Image entspricht, haben wir in Langsamfahr-Finnland bemerkt.

1.050 Sterne im "Kühlergrill" (im Paket für 3.570 Euro), Burmester-4D-Sound (im Paket für 14.815 Euro), Twisted-Diamond-Nappaleder (im Paket für 3.201 Euro), Sky-Control-Sternenhimmel mit 162 beleuchteten Sternen im Glasdach (535 Euro), 39,1-Zoll-Hyperscreen (1.488 Euro), Hinterachslenkung mit Airmatic-Luftfederung (2.844 Euro), generative KI für komplexe Gespräche mit dem Virtual Assistant (zwei Jahre inklusive), erstes zertifiziertes "Vegan-Interieur" (kostenfrei!), Energizing Air Control (238 Euro), Digital Light (1.392 Euro). Alles verstanden? In der (intern) W520 genannten Mittelklasse-Limousine, die ausschließlich elektrisch rollt, gibt es alles, was (gut und) teuer ist. 95.000 Euro kostet daher der Testwagen, mit dem wir rund um Helsinki flüsterleise schleichen konnten.


Mercedes-Benz C 400 4Matic elektrisch

Mercedes C 400 4Matic von hinten stehend in der Sonne fotografiert Bildergalerie

C-Klasse startet als Topversion mit 489 PS

Aber fangen wir vorn an und erklären: Den Start der elektrisch angetriebenen C-Klasse (den "alten" W206 gibt es weiterhin) macht bis in den September der von uns bewegte C 400 4Matic – Topversion. Die zwei Elektromotoren bringen es im Bestfall auf knapp 500 PS und 800 Newtonmeter. Braucht man das? Nein. Legitimiert wird die Leistungsexplosion seitens Mercedes mit dem Hinweis: "Machen die anderen auch." Ist Wahres dran, relativiert aber den Leistungswahn kaum.

Vier (also 4) Sekunden benötigt der C 400 für den Spurt auf maximal erlaubtes Landstraßentempo. In Finnland sind 80 erlaubt. Das dauert drei (also 3) Sekunden bis dahin. Auf Autobahnen ist Tempo 120 das höchste der Gefühle. Spätestens dann schaltet die Zweigang-Automatik spürbar in die höhere Fahrstufe. Je nach Leistungsanforderung des Fahrpedals aktiviert die Automatik ab etwa 70 km/h den zweiten Gang (dann unmerklich), um dem Antrieb mehr Effizienz einzuhauchen. Aus 120 kann in Deutschland die Zahlenfolge 210 werden. Spätestens da wird abgeregelt. Das reicht, auch in Schnellfahr-Deutschland.

Erstaunlich ist, wie geschmeidig sich der C 400 in Bewegung setzt – im Eco-Modus. Dann wird nämlich nur beim Kickdown die volle Leistung abgegeben, sonst nur ein Bruchteil dessen. Und man ist dennoch schnell unterwegs – zu schnell für Finnland. Vorteil Finnland: Sobald man die Hauptstraßen außerhalb der Ortschaften verlässt, ist Asphalt ein Fremdwort. Hier zeigt der im ungarischen Kecskemét produzierte W520, wie feinfühlig die Elektronik die Kraft zwischen den Achsen verteilt und man damit die Straße zentimetergenau sezieren kann. Gepaart ist dieses Antriebsszenario mit einem Fahrwerk, das auf Komfort setzt – und sich sogar im Sport-Modus alltagsgerecht anfühlt. Zumindest dann, wenn man die erwähnte Luftfederung gewählt hat. Die 2,5-Tonnen-Limousine(!), die es nicht als T-Modell geben wird (schwerer Fehler), bügelt alles glatt, was ansatzweise uneben ist. Hat bereits eine C-Klasse die Strecke zuvor befahren, weiß eine nachfolgende C-Klasse (mit Luftfederung), wo sich Straßenschäden befinden. Via Car2X-Kommunikation werden diese Informationen gesendet und die Dämpferelemente Millisekunden vor der Straßenmacke in den passenden Modus versetzt. Lediglich die erste C-Klasse rasselt also ins Loch – Pionierarbeit nennt man das wohl.

Selbst mit den montierten 20-Zoll-Rädern, die optisch übertrieben wirken, ist das Setup komfortabel-fein, wie man es von einem Mercedes erwartet. 18 Zoll lautet die Serien-Mischbereifung, auch für den starken 400er, der leistungsmäßig nur noch von einem AMG-Modell übertroffen werden wird. Dass dieses die 700-PS-Mauer durchbricht, gilt als gesetzt. Machen die anderen ja auch. Trotz des erwähnten Komforts preist Mercedes den C 400 als "sportlichste C-Klasse" an. Das glauben wir nach ein paar Runden auf dem "Mickey-Mouse-Kurs" (kleine Kurvenradien, niedriges Tempo) des "Premier-Park-Test-Centers" nahe Helsinki. Abermals die Frage: Braucht man das? Nochmals: Nein.

C-Klasse, das Langstreckenauto per se

Die C-Klasse soll qua Definition Meter machen. Langstreckenauto, Vielfahrerauto, Vertriebler-Dienstwagen … was auch immer. Für die Kurzdistanz gibt es andere, bessere. So gleitet man durch die rahmenlose Türöffnung in die breit geschnittenen, aber ultrakomfortablen, AGR-zertifizierten Sitze, justiert über die Mimik in der Türverkleidung die Position, stellt mittels Knubbel an der Lenksäule elektrisch das griffige und mit Walzen versehene Volant ein, justiert die Außenspiegel klassisch über Tasten und blickt in den Rückspiegel, um sich zu wundern, wie klein die Heckscheibe geworden ist. Der Kofferraum scheint sich förmlich von unten aufzublähen. Dabei ist er mit 470 Litern für eine knapp 4,90 Meter lange Limousine nicht groß. Ein Teil des Fassungsvermögens wartet zudem im Unterboden auf Krimskrams. Wer die Fondlehnen umlegt, erntet eine Ladeluke mit Höhenprofil. Vorn, in den Frunk, passen nochmals 100 Liter. Alles in allem Platz genug fürs Gepäck.

Die Hinterbänkler freuen sich ebenfalls über ausreichend Beinfreiheit und aufgrund des serienmäßigen Glasdachs über Luft nach oben – freilich keine echte, denn ein Schiebedach gibt es nicht. Ebenso fehlt ein Rollo. Das Dach ist zwar abgedunkelt und soll Hitze draußen lassen. Und wer will, kann es in neun Segmenten mattieren (für 3.570 Euro im Paket). Richtig dunkel wird es nie. Und wer hinten sitzt, kann beim Blick nach oben sehen, was der Mensch am Lenkrad treibt. Sitzt dieser „ganz unten“, passen hinten kaum mehr Füße unter die Vordersitze. Ebenso ist der Einstieg in den Fond knifflig (niedrige Dachlinie). Die hinteren Seitenscheiben lassen sich nur zur Hälfte absenken und Dachhaltegriffe gibt es in der C-Klasse keinen einzigen. Da dürfte „Premium“ mehr bieten.

Bei den Materialien ist auch Luft nach oben. Das im Testwagen installierte Leder "Beech Brown" (Braun wie Buche) für 2.190 Euro könnte auch als "vegan" durchgehen, was im konkreten Vergleich kein Kompliment ist. Dann lieber gleich das Nappaleder wählen. Für 3.200 Euro (je nach Ausstattung in Kombination mit anderen Paketen) gibt es dann Leder, das man als solches identifiziert – und von einem Mercedes erwartet. Die mittleren Luftausströmer wirken wie vergessen und nachträglich aufgesetzt, und die Sonnenblende fühlt sich an wie im Fiat Panda.


Mercedes-Benz C 400 4Matic Electric (94 kWh)

Testwagenpreis: 94.783,50 € (brutto)
PSM-E-Motoren | Allradantrieb
360 kW/489 PS | 800 Nm | 4 s | 210 km/h
WLTP: 15,5 kWh | Reichweite: 708 km
Akku: 94 kWh (netto)
Laden: AC 11 kW  (Option 22)| DC 330 kW
Maße: 4.883 x 1.892 x 1.503 mm
Kofferraum: 470 + 101 Liter
Wartung: 2 Jahr/30.000 km
Garantie: 2 Jahre
Akku: 8 Jahre/160.000 km




Mercedes-Benz CLA 350 4Matic (Electric | 85 kWh)

Blauer Mercedes CLA beim Laden an einem HPC. Bildergalerie

Mercedes C-Klasse: Einstieg mit 85-kWh-Akku ab Herbst

Und so entfernt man sich verständlicherweise vom "tagesaktuellen" Basispreis des Mercedes-Benz C 400 4Matic elektrisch, der aktuell bei knapp 68.000 Euro liegt. Daher dürfte eher kein C 400 für unter 80.000 Euro "weggehen". Im Herbst folgt der C 250 mit Heckantrieb, 85er-Akku und rund 350 PS ab 63.000 Euro. Die Preisdifferenz ist somit eher gering. PS und Allradantrieb sind in Zeiten der E-Mobilität ziemlich inflationär.

Wieder ein Sprung zum Fahren: Wer die erwähnte (empfehlenswerte) Luftfederung bestellt hat, bekommt zeitgleich (im Preis inbegriffen) die Hinterachslenkung. Sie verringert den Wendekreis von 12,1 Meter auf 11,2 Meter (schon wieder so ein Zahlenspiel). Im Alltag ist der Vorteil vor allem innerstädtisch relevant. Die Fahrsicherheits- und Agilitätssteigerung der bis zu 4,5 Grad mitlenkenden Hinterachse ist netter Beifang.  

Geladen werden die 94 kWh über den serienmäßigen 11-kW-Anschluss oder mit 330 kW im DC-Modus. Optional gibt es für 650 Euro die 22-kW-AC-Option und einen DC-DC-Wandler, der es ermöglicht, an den älteren 400-Volt-DC-Ladern überhaupt Strom beziehen zu können. Das Akkupaket wiegt 550 Kilogramm. Heftige 1,9 Tonnen bringt die C-Klasse also ohne Batterien auf die Waage. Damit das Ganze noch effizient ist, hat Mercedes alle Register gezogen. Die Zweigang-Automatik haben wir bereits erwähnt, der entkoppelbare Frontmotor ist ein weiterer Aspekt und die Aerodynamik von 0,22 ein dritter Punkt. 15,5 kWh nennt Mercedes als Verbrauch pro 100 Kilometer für den voll ausgestatteten Testwagen. 708 Kilometer lautet die WLTP-Reichweite. Wer die versenkbaren Türgriffe wählt (die sind ab dem ersten Optionspaket inkludiert), fährt gut einen Kilometer weiter. So "viel" bringt das also beim Thema Aerodynamik.

In Finnland wird jeder die WLTP-Werte erreichen und im Sommer spielend unterbieten – auch mit Bügelgriffen. Und auf Deutschlands Autobahnen? Sind es deutlich weniger und dennoch mit die meisten, die man am Stück in einem Elektroauto fahren kann. Alles in allem also ganz schön viel.


Das AUTOHAUS Panel: Jetzt Besserwisser werden!

Das AUTOHAUS Panel ist der monatliche Fitness-Test für Ihr Autohaus. Werden Sie regelmäßiger Teilnehmer und sammeln Sie Panel-Punkte, die Sie in Sachprämien oder Einkaufsgutscheine tauschen können. Jetzt anmelden und 30 Euro-Willkommensgutschein sichern!

Zur Anmeldung

HASHTAG


#Limousine

Mehr zum Thema


#Mercedes-Benz

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


Assistenz der Aftersales-Leitung(m/w/d) - BMW & MINI

Oldenburg (Oldb);Westerstede;Wiefelstede;Wilhelmshaven;Jever

KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.