Der Blick in den Markt zeigt: Die Herausforderungen für den Gebrauchtwagenhandel haben sich in kurzer Zeit stärker verändert als in vielen Jahren zuvor. Beim "Customer Performance Day" in der Motorworld in Köln nutzte BCA Deutschland sein 30-jähriges Jubiläum deshalb weniger für Rückschau, sondern vor allem für eine Standortbestimmung gemeinsam mit seinen Kunden.
Den Auftakt übernahm Tobias Münch, CEO BCA Deutschland und COO Europa. Seine Botschaft: Die verfügbaren Fahrzeugvolumina steigen wieder, der Markt gewinnt an Dynamik – gleichzeitig nehmen Preistransparenz und Wettbewerbsdruck deutlich zu. Entscheidend wird, wie schnell Händler auf Marktbewegungen reagieren und wie konsequent sie Daten in ihre Entscheidungen einbinden.
Mehr Daten, mehr Entscheidungsdruck
Auch David Neuendorf (Commercial Director) und Florian Berr (Sales Director Demand) machten in ihrer Begrüßung klar, dass sich BCA stärker als Plattform und weniger als klassischer Auktionator positionieren will – mit einem klaren Fokus auf Prozesse, Daten und Kundenbindung. AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel griff diesen Gedanken in seinem Eingangsstatement auf. Auktionen seien letztlich ein faires, marktwirtschaftliches Instrument der Preisbildung. Entscheidend seien aber nicht die Systeme, sondern die Kunden, die sie nutzen – sie hätten BCA in den vergangenen 30 Jahren geprägt.
Im weiteren Verlauf setzte BCA auf ein klar strukturiertes Programm mit Workshops, Panel und Fachvorträgen. Inhaltlich ging es durchgängig um die gleichen Kernfragen: Wie entsteht heute ein "richtiger" Marktpreis? Welche Rolle spielt Geschwindigkeit im Vergleich zur Marge? Und wie verändert sich das Geschäft durch datenbasierte Steuerung?
Workshops zu Preisfindung und Bestand
In den Workshops arbeiteten Einlieferer und Käufer getrennt an diesen Themen. Karol Kaiser und Lampros Kourtounis zeigten, wie stark datengetriebene Preisfindung inzwischen die Vermarktung beeinflusst. Parallel wurde auf Käuferseite unter anderem die Finanzierung über Partner wie Santander thematisiert. Mit "FleetPace" brachte Sven Conrad zudem einen konkreten Ansatz für digitales Bestandsmanagement ein – ein Bereich, in dem Effizienzgewinne zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.
Am Nachmittag verdichteten sich die Themen im Panel. Neben Tobias Münch und Ralph M. Meunzel diskutierten Frederic Schnars und Jochen Küver (beide Autohaus Küver). Dabei wurde deutlich: Der Spagat zwischen Marge und Geschwindigkeit bleibt die zentrale Herausforderung. Während Daten eine immer größere Rolle spielen, sind unternehmerische Entscheidungen keineswegs obsolet – sie verschieben sich lediglich auf eine andere Grundlage. Gerade im volumenstarken Gebrauchtwagengeschäft zeigt sich, dass Transparenz nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führt, sondern vor allem den Entscheidungsdruck erhöht.
Mit dem Vortrag von Michael Schergen (Dataforce) wurde der Blick auf die Marktentwicklung insgesamt gelenkt. Daten sind längst nicht mehr nur Analyseinstrument, sondern Grundlage operativer Entscheidungen im Tagesgeschäft. Im Anschluss rückte das Thema Elektromobilität stärker in den Fokus. Tobias Dickmann, Michael Schneider (Aviloo) und Norbert Gerrits diskutierten die Zukunft von Elektrofahrzeugen im Remarketing – ein Segment, das trotz wachsender Bedeutung weiterhin durch Unsicherheiten geprägt ist.