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Automobiles Zukunftsforum: ZKF-Präsident kritisiert "ruinösen Raubbau am handwerklichen Mittelstand"

ZKF-Präsident Peter Börner hatte wie immer neueste Daten und Fakten für seine Mitgliedsbetriebe zur Hand. Seine umfassend angelegte Kritik allerdings äußerte er dieses Mal deutlich schärfer und stellte am Lausitzring das Modell Schadenlenkung "in seiner bisherigen Form" mehr als bisher in Frage.
© Foto: Archiv Presse + PR Pfauntsch

Peter Börner‘s Grundsatzreden zur Lage der Branche sind traditionell mit feinsinniger Kritik gespickt. Nach dem "Automobilen Zukunftsforum" am Lausitzring weiß man: Der ZKF-Präsident scheut auch nicht die harte Tonspur: Scharf geißelte er, dass an den K&L Fachbetrieben – noch während Corona waren sie als "systemrelevant" gefeiert – ungebremst ein "ruinöser Raubbau" betrieben werde. Das inzwischen 25 Jahre alte Modell Schadenmanangement wurde deshalb ob seiner Zukunftsfähigkeit erneut offen in Frage gestellt.

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Um allen Gästen und Teilnehmern des neuen Veranstaltungsformats "Automobiles Zukunftsforum", das von Donnerstag bis Samstag am Dekra-Lausitzring in Brandenburg stattfand, die situativen Gegebenheiten aufzuzeigen, in denen sich wirtschaftlich die ZKF-Betriebe aktuell befinden, holte ZKF-Frontmann Peter Börner rund eine Viertelstunde lang vor seiner eigentlichen Grundsatzrede breit aus. In einer thematischen "Tour d‘Horizon" warf er zunächst einen recht kritischen Blick auf die letzten beiden Corona-Jahre: "Ein wenig diskriminierend war und ist es, wenn zwei Jahre eine Diskussion um das Recht auf Homeoffice auf jedem Kanal geführt wird und der Handwerker scheinbar dabei keine Rolle spielt. In der gesamten Diskussion um Homeoffice und Hygiene habe ich von Handwerk nichts gehört. Ich weiß nicht, ob Herr Heil weiß, dass es auch Autolackierer und Fahrzeugbauer gibt, die nicht per Zoom und Teams arbeiten können."

"Aufträge ja, Erträge nein"

Trotz Lockdown, Lieferkettenunterbrechung, Preissteigerungen und Inflation "brummt das Handwerk wie noch nie", heiße es allenthalben. Doch auch hiervon spüre das energie- und verbrauchsmittelabhängige Karosseriebauer-Handwerk nichts. "Aufträge ja, Erträge nein." Nach all den Krisen der letzten Jahre in Deutschland, Europa und der Welt begleite die ZKF-Betriebe zum Einen die Sorge, welche Corona-Variante möglicherweise erneut das Leben beschränken werde, vielmehr aber, ob möglicherweise der Staat eine Energiezuteilung bzw. -beschränkung vornehmen werde. Das könne dann schnell zur Schließung von Lackieranlagen führen, die mit Gas und Öl betrieben werden. "Gas, Heizöl und Strom werden im Preis um Faktoren steigen, die wir uns heute nicht vorstellen können", so Börner.

Er zitierte auch die Bundesagentur für Arbeit mit dem Satz "Die Beschäftigung nimmt weiter zu und die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften bewegt sich weiterhin auf einem sehr hohen Niveau". Sein Kommentar darauf: "Ich glaube, wer in 5 Jahren noch das Personal hat, welches er heute beschäftigt, der wird zu den Gewinnern zählen. Aber wie schafft das der einzelne Betrieb in seinem regionalen Umfeld?"

"Ich fürchte, das geht nicht mehr lange gut"

Die nachgerichtete Frage sah der ZKF-Präsident nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass "Fachkräftesicherung, -beschaffung, Löhne, Nebenkosten, Investitionen in Weiterbildung und Ausstattung in der Summe gewaltige Herausforderungen und Mehrkosten sind – insbesondere dann, wenn die Betriebe in der Schadenlenkung ,verhaftet‘ sind und die steigenden Kosten bei Energie und Lack selbst tragen müssen. Teilweise ohne jegliche Entschädigung, oder nur mit zaghaften Anpassungen".

Partner sei die Werkstatt "nur dann, wenn sie liefert". Wenn sie dagegen etwas bekommen solle, "dann ist es eine eher einseitige Partnerschaft. Und ich befürchte, das geht nicht mehr lange gut".

Verdoppelung der Energiekosten

Nach seinem Exkurs zum Ukraine-Krieg und den langen Lockdown-Phasen in China sowie den daraus resultierenden wirtschaftlichen Problemen auch für Deutschland zog Börner nochmals ein paar einprägsame Preisvergleiche: K&L Betriebe zahlen seit Kriegsausbruch vom 24. Februar 2022 bis zu 2,30 Euro für einen Liter Diesel oder das Heizöl zum Betreiben der Lackierkabine. Ein Mitgliedsbetrieb sei bei einer Vergleichsrechnung mit den Energiekosten der letzten Jahre, in denen jeweils rund 100.000 Euro anfielen, zum Ergebnis gekommen, dass es im laufenden Jahr "wohl rund 200.000 Euro werden". Ergänzend sagte Börner: "Von wegen 7,9% Inflation, das sind 100% bei der Energie für Werkstätten, und da nutzt ein Euro mehr die Stunde nix."

ZKF sieht aktuelle SVS-Aufschläge als "viel zu gering"

Konkret sprach er damit den von den beiden großen Schadensteuerern gewährten Energiekosten-Aufschlag von einem (HUK-Coburg) bzw. drei Euro (Innovation Group) pro verrechenbarer Arbeitsstunde an, die er als viel zu gering einstufte. Im Gegensatz zur Eurogarant AutoService AG, die "auf den Stundensatz der Werkstatt viel mehr als jeder andere draufgelegt und auf positive Botschaften in den Medien verzichtet hat", hätten sich die beiden großen Schadensteuerer sogar öffentlich für "einen richtigen Schritt in die richtige Richtung feiern lassen". Scheinbar werde davon ausgegangen, so Börner, dass "mit einem oder drei Euro alles wieder gut" sei und die Betriebe ihre um 100% gestiegenen Energiekosten sowie alle sonstigen Preiserhöhungen bei Lackmaterialien etc. "schon irgendwie wegstecken". Dass die Karosserie- und Fahrzeugbaubetriebe, vor allem die im Schadenmanagement "verhafteten", zu kaum merklichen Konditionsverbesserungen tätig sein sollen, während die Karosseriestunde im Autohaus eines deutschen Herstellers 350 Euro koste, könne es nicht sein, so Börner.

Was brächten 40.000 verkaufte Mehrstunden?

Plakativ rechnete er vor, dass ein Betrieb selbst bei einem durchschnittlichen Stundenaufschlag von 2,50 Euro (zwei Euro für Karosserie, drei Euro für Lack) "im Jahr 2022 noch 40.000 Stunden verkaufen müsste, um allein die Mehrkosten für Energie decken zu können. Bei rund 1.600 verkaufbaren Stunden pro Mitarbeiter im Jahr und 800 Stunden, die ab jetzt noch im Jahr 2022 übrig sind, muss der Betrieb somit 52 produktive Mitarbeiter haben, um am Ende genau Nichts von den 2,50 Euro übrig zu haben". Börner bezog sein Rechenbeispiel auf den bereits erwähnten Mitgliedsbetrieb, der für sich bei einer Eigenanalyse auf 100% höhere Energiekosten kam (200.000 Euro in 2022 gegenüber jeweils 100.000 Euro in den vergangenen Jahren). Ein Stundenaufschlag von lediglich einem Euro im Schadenmanagement helfe deshalb "nichts, denn der eine Euro verschlimmert die Sache nur noch mehr".

Scharfe Vergleiche

Börner streifte auch die "verpuffenden Steuerhilfen", die vielfältigen, aktuellen Preisanpassungen bei Lebensmitteln, die angekündigte 16%-Gehälter-Anpassung für Mitarbeiter des Europäischen Parlaments in Brüssel und Straßburg bis 2023, die teilweise im Milliarden-Euro-Bereich nach Steuern liegenden Gewinne von Versicherungen, welche inzwischen sogar "im Bieterverfahren" Unfallschäden zur möglichst günstigsten Reparatur an hoch qualifizierte ZKF-Betriebe vergeben. Ebenfalls wußte er von einem Urteil des LG Stuttgart zu berichten, das einem Gutachter 50 Euro für Hilfskosten – konkret für "Schiebearbeiten an der Begutachtungsstelle" eines Unfallfahrzeugs – zugesprochen hat: "Ich schätze mal, Euer Lehrling hat geschoben, der Gutachter hat berechnet."

Konkret benannte Herausforderungen

Für wie schwierig er die kommenden Herausforderungen gerade für freie Unfallreparatur-Fachbetriebe hält, machte der ZKF-Präsident an weiteren markanten und aktuellen Beispielen fest:
• Eröffnung eines Schadenmanagement-Netzwerks durch einen Hersteller von Reparaturlacken,
• Start des inzwischen "fünften Versuches mit gebrauchten Ersatzteilen für die Unfallreparatur", bei der laut Prospekt "im Idealfall sind die Teile bereits im Originalfarbton lackiert sind und eine Reparaturlackierung nicht erforderlich ist",
• Start der Schadenlenkung eines Identteilehändlers für eine Versicherung,
• Verkauf von Fahrzeugen des chinesischen Autoherstellers Aiways bei Euronics; erster Servicetermin nach 100.000 Kilometern und Werkstattkette A.T.U. als Partner,
• Rückgang der Ausbildungsverträge um 18% beim Autolackierer und 6,7% beim Karosseriebauer,
• Beim Mercedes-Benz EQS läßt sich die Motorhaube nur noch von einer autorisierten Markenwerkstatt öffnen,
• ATU und Carglass verklagen mit Osborne-Clark den Fiat Konzern wegen Zertifikat auf der OBD-Dose,
• nicht endgültig geklärte Situation für Verbrenner-Fahrzeuge ab 2035,
• Audatex wird zum Ersatzteilhändler und fordert Margen am Ersatzteil ein.

"Kuriose Sachen" habe es auch früher schon gegeben, meinte Peter Börner zusammenfassend. Neu sei allerdings die sich "exponentiell erhöhte Häufung", der man mit hoher Aufmerksamkeit begegnen müsse.

200%-Reparaturen wegen fehlender Neufahrzeuge

In seiner präsidialen Grundsatzrede kam Börner schließlich auf die Neuzulassungs-Misere bei Pkw und Nfz zu sprechen, welche laut DAT bei Pkw eine 38%-Erhöhung (durchschnittlich 7.500 Euro) auch der GW-Preise innerhalb von zwölf Monaten nach sich zogen. "Damit ist aber auch die 130% Reparaturgrenze um diese durchschnittlich 7.500 Euro nach oben gewandert. Es ist also möglich, heute 7.500 Euro teurer zu reparieren und man ist noch immer nicht über der 130% Grenze." Flottenbetreiber würden "aus eigener Kasse nochmals fast 4.000 Euro obendrauf zahlen und lassen auch mal gerne bis 200% reparieren, weil keine Neuwagen verfügbar sind und die Mitarbeiter der Flotte mobil sein müssen", fügte Börner ergänzend – und dieses Mal nicht ganz unzufrieden – hinzu.

Kostspielige Administration

Aus dem Umfeld des Deutschen Handwerks und des Kfz-Gewerbes werde positiv wahrgenommen, was der ZKF als "kleiner" Verband leiste und u.a. mit repair-pedia oder dem Leitfaden für Hybrid- und Elektro-HV-Fahrzeuge für die Werkstätten auf die Beine gestellt habe.

Freilich nehme er, Börner, das positiv auf. Einen anderen "Trend" würden dagegen die Zeitstudie Chronos aus der IFL und der ZKF-Branchenbericht widerspiegeln: Jährlich müsse inzwischen je ein produktiver und ein unproduktiver Mitarbeiter – bei gleicher Anzahl der verkauften Stunden – eingestellt werden, "weil zu viel Administration in unsere Betriebe verlegt wird. Augenscheinlich sparen auch hier die großen Auftraggeber auf unsere Kosten".

"Löhne und Kosten nicht mehr haltbar"

Der Präsident leitet daraus folgende Forderung ab: "Es bedarf eines Umdenkens, wer welche Aufgabe übernimmt. IT und Digitalisierung müssen auch der Werkstatt einen Nutzen und nicht nur mehr Arbeit bringen. Wir sehen eine Trendwende kommen, eine, die das Preisdumping stoppen wird. Denn die Löhne, Energie- und Nebenkosten sowie die nötigen Investitionen sind unter den heutigen Voraussetzungen nicht mehr auf Dauer haltbar."

Chinesische Autobauer als neue Partner im Visier

Der ZKF ertüchtige gerade auch deshalb seine Mitgliedsbetriebe mit neuen Qualifikationen und Fachbetriebstypen wie Oldtimer, Caravan und E-Mobilität. Der Verband wolle selbstbewußt einen neuen Anspruch definieren und die gesamte Reparaturkompetenz am Fahrzeug für seine Betriebe beanspruchen. Börner machte unausgesprochen deutlich, dass für neue, ganzheitliche Service- und Reparaturpartnerschaften nicht die großen, etablierten Marken, wohl aber – und das sagte er dann doch sehr konkret – "neue Marken von chinesischen Herstellern" als künftige Auftraggeber auf dem Akquisezettel für Arbeiten "von der Karosserie bis zum Service" stünden. Und an seine Mitglieder gerichtet: "Dazu brauchen wir Betriebe, die mitmachen, die dabei sind, wenn Herausforderungen auftauchen und Lösungen geschaffen werden müssen. Danke, dass ihr heute als Teil der Zukunft unserer Branche hier seid. Ihr gestaltet den Verband und werdet die Gewinner sein."

Ausbildung als oberste Prämisse

Eine der "Kernaufgaben des Berufs- und Wirtschaftsverbandes ZKF als Arbeitgebervertretung in der Politik, der Gesellschaft und bei den Gesetzgebern" sei insbesondere die beständige Neuordnung der Ausbildungsberufe und die Schaffung auch neuer Fachrichtungen: "Während andere Berufe befürchten müssen, dass ihnen Schwerpunkte oder Fachrichtungen oder die gesamte Berechtigung entzogen wird, bekommen wir durch den Aufbau neuer Kompetenzen sogar Fachrichtungen dazu. Das ist ganz klar ein Gewinn unserer Zunft, unseres Berufes, unserer gesamten Branche." Um dem akuten Fachkräftemangel mittel- und langfristig zu entkommen, empfahl Börner: "Ausbilden, ausbilden, ausbilden. Denn 28 Betriebe mal vier Gesellen aus sieben Jahren macht bereits 112 Gesellen. Ich würde mir wünschen, wenn das alle so sehen würden."

Prekäre Situation im Nutzfahrzeugbereich

"Fast täglich neue Herausforderungen" sah der ZKF-Präsident auch für den Nutzfahrzeugbereich in seinem Verband. Anhänger- und Aufbauhersteller könnten seit dem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 quasi nicht mehr mit einer zuverlässigen Belieferung durch die Hersteller von Fahrgestellen rechnen: "Waren es zu Anfang der Pandemie noch die Auswirkungen von Werksschließungen der Fahrzeughersteller, so leidet die Branche seit dem letzten Jahr unter der weltweiten Halbleiterkrise. 12 Monate und mehr Lieferzeit sind die Normalität." Bereits seit dem Sommer 2021 bei den Nutzfahrzeugbetrieben des ZKF lagernde und bezahlte Ware – wie Koffersysteme, Holzböden und Ladebordwände – könnten nicht verbaut werden und zehrten an der Liquidität.

Als Verband sehe sich deshalb der ZKF "in der Pflicht, den Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen". Die empfohlenen AGBs für die Fahrzeugbauer, aber auch eine Preisanpassungsklausel habe man anwaltlich erarbeiten lassen und diese über die "ZKF-News" an die Mitglieder zur Verwendung verteilt. "Aber auch hier ist die enorme Kostensteigerung für Halbzeuge und Zulieferkomponenten ein kaum zu tragendes Risiko für den Handwerksbetrieb", so Börner. Aktuell kämen fast wöchentlich Preiserhöhungen, die nicht selten bei bis zu 30 % seit Beginn 2021 lägen. Von daher sei es "fast sträflich, ohne die vom ZKF erarbeitete Preisanpassungsklausel zu arbeiten".

Bei Nfz-Betrieben läuft nur Reparatur halbwegs gut

Im Neubaubereich verzeichnen die ZKF-Nutzfahrzeugbetriebe zwar einen guten bis sehr guten Auftragsbestand. Die fehlenden Fahrgestelle lassen laut Börner aber auch hier keine Abarbeitung des Vorlaufs zu, was zur monatelangen Anmeldung von Kurzarbeitern führe. Der Verband wolle sich deshalb aufgrund der aktuellen Marktsituation auch für eine Verlängerung der Kurzarbeit stark machen.

Bei den Betrieben, die sich rein auf die Nutzfahrzeugreparatur ausgerichtet haben, sähe es etwas besser aus. Grund: Fahrzeughalter und Flottenbetreiber halten ihre Fahrzeuge "einfach länger im Einsatz", um Mobilität abzusichern. Auch mit Blick auf diverse Fachveranstaltungen und den stark wachsenden Caravan-Bereich mit inzwischen 110 zertifizierten Betrieben dankte Börner dem gesamten Nfz-Referat für "eine sagenhafte Leistungssteigerung und Erneuerung, die mich stolz auf den ZKF macht".

Das "gekaperte" Caravan-Netzwerk

Kritik dagegen äußerte der Präsident an namentlich nicht näher benannten "Schadenlenkern", die "das Netzwerk sofort und kostenfrei gekapert und als das ihre den Versicherungen angeboten" hätten. Das sei "nachweislich falsch, da der Fachbetriebstyp "in Friedberg zwischen ZKF und der Eurogarant AutoService AG entstanden" sei.

"Sind wir eigentlich die einzigen Doofen?"

Nachdenklich und hoch kritisch zeigte sich Peter Börner schließlich beim Vergleich der ZKF-Betriebe mit denen unterschiedlichster anderer Handwerke: Während Maler, Maurer, Fliesenleger, Sanitär- und Heizungsbauer, Dachdecker "und sogar das Kfz-Gewerbe" ihre jeweils eigenen Preise machten und sich ihre Kunden aussuchten, die dann noch froh seien, irgendwann auch mit einer Leistung überhaupt bedient zu werden, mutmaßte der ZKF-Präsident, "ob wir die einzigen Doofen sind, die es nicht geschafft haben, den Gesetzen des Marktes zu folgen, mit denen Angebot, Nachfrage und Preis im Einklang stehen". Weiter konstatierte er: "Bei dem bestehenden Fachkräftemangel ist doch die Frage, ob mit zwei Facharbeitern weniger und ausgewählten Kunden, die das bezahlen, was erforderlich ist, nicht am Ende ein besseres Betriebsergebnis erzielt wird?"

Weniger Umsatz kann mehr Gewinn sein...

Das Rennen um den nächsten Auftrag, "bei wem auch immer etwas abzubekommen", sei deshalb heute nicht mehr der richtige Ansatz: "Wir sind Handwerker im Mittelstand und keine prozessoptimierte, industrielle Softwarebedienfirma mit kleiner angeschlossener Werkstatt. Ich will damit keinesfalls die Digitalisierung in den Betrieben verhindern, sondern sie im Gegenteil weiter beschleunigen. Aber wir im ZKF sind bestrebt, dass die Entscheidung der Software in den Händen der Werkstatt und nicht in denen des Auftraggebers liegt." Weniger Umsatz könne gegebenenfalls sogar mehr Gewinn bedeuten, "wenn man mal nachrechnet".

Freude über die Friedberg-Entscheidung 2012

Unter der Präambel "konsequente Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt" verwies der seit elf Jahren ehrenamtliche ZKF-Präsident und seit 15 Jahren im eigentlichen Hauptberuf als Eurogarant-Vorstand tätige Börner auf den 2012 getätigten Kauf der Immobilie in Friedberg, in der sowohl Verband, als auch die Eurogarant ihre heutige Heimat fanden. Bereits in zwei Jahren werde die Eurogarant AutoService AG das zukunftsorientiert modernisierte Bürogebäude abbezahlt und damit ein stabiles Eigentum geschaffen haben, das gerade in der Zukunft einen sicheren finanziellen Rückhalt biete. Börner dankte in diesem Zusammenhang all denen, die "vor zehn Jahren hinter dieser Entscheidung gestanden haben".

Neue Kultur im Verband

Mit selbst reflektiertem Blick auf den ZKF sprach Börner anschließend von einem "Wandel in der internen Kultur", der vor allem mit Thomas Aukamm als Hauptgeschäftsführer einherging und den Verband "zum Dienstleister" werden ließ. Vielfältige und komplexe Themen müssten heute schneller und digitaler verarbeitet sowie kommuniziert werden. Auch im geschäftsführenden Vorstand, "also unserem Präsidium mit Detlev Thedens, Claus Evels und Uli Schäfer", sei man "für alle Kernthemen sehr gut aufgestellt". Der engere Vorstand und die gewählten Vertreter des ZKF "ergänzen in allen Bereichen die Arbeit im Verband". Börner dankte "allen Wegbegleitern im Vorstand, der Geschäftsstelle, den Ausschüssen, den Landesverbänden sowie den Innungen und Obermeistern" für deren geleistete Arbeit.

Exit-Strategie wegen "hoher Ungerechtigkeiten"

Zum Abschluss seiner Grundsatzrede kam der ZKF-Präsident nochmals in aller Deutlichkeit auf die aus seiner Sicht "hohe Ungerechtigkeit im Markt" und den "ruinösen Raubbau" vorwiegend an den mit Schadenmanagement betrauten Betrieben zu sprechen. Sein Eingangsbeispiel dafür: "Von einem Händler ohne eigene Lackiererei habe ich eine Rechnung vorliegen mit 327 Euro Stundenverrechnungsatz, 28% UPE-Teileaufschlag sowie gesonderten Gutachten- und Rechtsanwaltskosten. Das alles wurde sofort bezahlt ohne Abzüge. Wir, die Freien Werkstätten müssen dagegen in einem Bieterportal den günstigsten Stundensatz anbieten. Passen wir unsere Preise an, versiegt diese Auftragsquelle, da immer einer noch billiger anbietet. Ihr erinnert euch: Dahinter steht der Versicherer mit 1,8 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern."

Nicht zuletzt deshalb habe man im ZKF einen Schwerpunkt auf das Thema "Exit-Strategie" gelegt mit der Frage: Gibt es Wege und Chancen außerhalb der Bindung an Schadenlenker und Versicherungen? "Und ja, wir glauben, die gibt es, und zwar reichlich, wie wir mit vielen Partnern und Beispielen von Betrieben in unseren Seminaren gezeigt haben. Wir glauben, den Fachkräftemangel können wir nicht mehr abstellen, aber wir können die Verschlimmerung verhindern."

Breite Suche nach Schadenmanagement-Alternativen

Man sehe andere Handwerke und deren Art, mit den steigenden Kosten in Form von z.B. erhöhten Stundensätzen und Anfahrtspauschalen umzugehen. Und auch, weil man "die Zügel der Schadenlenker und großen Versicherungen wohl nicht mehr locker" bekommen werde, könne es "nur die Aufgabe des ZKF sein, mit den Betrieben zusammen weitere Optionen zu entwickeln, die auf dem Weg der Wirtschaftlichkeit neue Perspektiven besitzen". Oder als Berufs- und Wirtschaftsverband in Berlin und Brüssel "Politik zu machen – mit unseren Speerspitzen ZDK und ZDH, mit unseren Verbindungen in die Branche und zu den Entscheidern". Einen engen Schulterschluss werde man zudem bilden mit den Autolackierern in der BFL, den Freien Werkstätten im ZDK und den Partnerwerkstattverbänden. "Für Stundensätze und Vertretung als Gewerkschaft im Schadenmanagement gibt es Partnerverbände, die das machen." Nutzen müsse man ferner "Optionen wie E-Mobilität, Caravan, Oldtimer. Und bei jedem neuen chinesischen Hersteller, der zu uns auf den Markt kommt, ist es unser Anspruch, das Body-Repair-Netzwerk mit unseren Top-Betrieben zu stellen."

Neue IT-Werkzeuge

Zeitgleich mit dem Automobilen Zukunftsforum starte man zwei neue Leistungen, die mit "numinos" und "service2muuv" benannt wurden. numinos sei eine neue Software, mit der alle Aufgaben erfüllt werden könnten, "ohne dass der Betrieb 27 unterschiedliche Portale von Lieferanten und Partnern managen muss".

service2muuv dagegen "ist das Verwaltungs-Programm, mit dem die Werkstatt eine Kleinflotte bis 30 Fahrzeugen problemlos in Eigenregie komplett organisieren kann". Laut Peter Börner reicht das Repertoire "vom Neuwagen über Leasing, Car-Abo, Tank- und Ladeinfrastruktur, Service, Reifen, Waschen, Logistik, Retoure, Führerscheinkontrolle, Fahrerunterweisung, UVV bis hin zur Kommunikation und Einladungen an den Flottenchef oder den Fahrer".

"Können der aktuellen Schadenlenkung kaum eine Zukunft geben"

Zukunftsforum habe man das neue Veranstaltungsformat auch deshalb benannt, "weil die Zukunft vor der Tür steht und wir im ZKF der Schadenlenkung unter den heutigen Voraussetzungen, wenn nicht schnellstens etwas geändert wird, kaum eine Zukunft geben können. Sie ist mehr und mehr ruinöser Raubbau am handwerklichen Mittelstand und das hat keiner von uns verdient". Die Eurogarant AutoService AG gelte weiterhin als "Benchmark, dass es auch aus Sicht der Werkstatt Schadenlenkung geben kann und nicht nur aus Sicht der Versicherung". (wkp)

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