Aktuell fokussiere sich die ganze Branche auf Abläufe und Prozesse, sagt Andreas Lau überspitzt: "Diese sind ohne Zweifel wichtig. Damit ein Betrieb aber mit fünfzig Mitarbeitern genauso läuft wie mit fünf, muss der Mitarbeiter in der Werkstatt genau das tun, was er tun soll. Und hier sind wir beim Handwerk. Die ganzen Prozesse bringen nämlich nichts, wenn keiner der Mitarbeiter den Hammer halten kann.“
In Schönberg, unweit von Lübeck in Mecklenburg-Vorpommern, betreibt die Familie seit 1991 die Bosch Service Lau GmbH & Co. KG und wickelt mit dreiundfünfzig Mitarbeitern, darunter zehn Meistern, etwa sechstausend Lackier-, Karosserie- und Mechanik-Aufträge pro Jahr ab. Dass das Leben selten in gerader Linie läuft, weiß wohl kaum jemand besser als Geschäftsführer Andreas Lau.
Der gelernte Bauer plant schon das Landtechnikstudium in Rostock, doch dann kommt die Wende. Bauer ohne Land ist doof in der neuen Welt, weiß auch Lau und denkt um. 1994 schließt er die Ausbildung zum Lackierer als Bundessieger ab und erweitert nach Meisterschule, Zusatzqualifikation und Betriebswirt die kleine Lackiererei seiner Mutter – gemeinsam mit Bruder Marco, der strategisch klug 1999 eine Karosseriebauerlehre beginnt und ihm heute als Meister den Rücken freihält.
Komplettes Angebot
Als sich eine lokale Kfz-Werkstatt 2003 umorientiert, wollen die Lau-Brüder keine Wettbewerber am Ort haben und übernehmen als Bosch-Service-Lau auch Mechanik- und Wartungsarbeiten. Andreas Lau: "Das war eigentlich so nie geplant, aber auf dem flachen Land musst Du einfach alles anbieten, sonst macht das eben ein anderer. Deswegen sind wir heute auch Vollsortimenter für alle Fahrzeuge bis fünfeinhalb Tonnen.“ In diesem Umbruch entsteht vermutlich der Slogan des Unternehmens: "Lau – Alles wird gut".
"Da wir als Lackierer immer mehr in die Karosseriereparatur gerutscht sind, haben wir bereits zu D-Mark-Zeiten in das Miracle-System der Carbon GmbH investiert“, und die Anschaffung, so Lau, habe sich in der Folgezeit mehr als nur wirtschaftlich ausgezahlt. Die Philosophie von "Instandsetzen statt Ersetzen" sei im Betrieb und bei den Mitarbeitern tief verwurzelt, der Einsatz der Carbon-Richtsysteme habe sich zudem in den Verhandlungen mit Versicherern und Schadensteuerern als massiver Vorteil erwiesen.
Das Upgrade auf das CBR-Richtsystem, einer Eigenentwicklung der Carbon GmbH, war 2022 dann die logische Konsequenz aus den Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Lösungsanbieter für Karosserie-Reparaturkonzepte, betont Andreas Lau, denn "wer beste Ergebnisse will, braucht das beste Werkzeug!“
Als Vorstand im Bundesverband der Partnerwerkstätten BVdP, Präsidiumsmitglied im Bundesverband Fahrzeuglackierer (BFL) und Landesfachgruppenleiter im Fachverband Mecklenburg-Vorpommern weiß Andreas Lau sehr wohl um die Nöte seiner Berufskollegen: "Wenn ich und meine Kollegen es selbst mit sechsstelligen Werbebudgets nicht schaffen, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, dann müssen wir verstärkt auf Quereinsteiger setzen.“ Mit Lösungen wie dem CBR-System schaffe man es, Quereinsteiger und Azubis für den Beruf zu begeistern und systematisch handwerklich aufzubauen.
Trainings unter realen Bedingungen
Damit das funktioniere, müsse in Werkzeug und – weitaus wichtiger – in Schulung investiert werden. Für besonders effizient hält Andreas Lau ein- und zweitägige Karosserietrainings vor Ort im Betrieb unter realen Bedingungen direkt an echten Schäden an Schweller, Seitenwand, Tür oder Radlauf. Unter Anleitung von Carbon-Trainer André Berckner wurden aktuell gleich vier Fahrzeuge mit der CBR-Klebetechnik, PushPull-Presse und den CBR-Zugwerkzeugen instandgesetzt. Von der aktuellen Schulung profitierten speziell die Lackierer, die bis dato weniger Erfahrung mit dem CBR hatten. "Unser Ziel ist es nämlich“, so Andreas Lau, "dass wir kleinere Schäden vermehrt direkt in die Lackiererei verlagern, um Kapazität für anspruchsvollere Schäden bei den Karosseriebauern zu bekommen.“ Das gebe natürlich ein bisschen Streit, weil jeder unbedingt mit dem CBR-System arbeiten wolle, schließlich seien die CBR-Komponenten viel leichter und ergonomischer, die Stromquelle prozesssicher und das Arbeiten ginge damit einfach schneller von der Hand.
Das CBR-System bedeute für Lau nicht nur mehr Effizienz und Mitarbeitermotivation, sondern auch Zukunftssicherung. Es sei eine Tatsache, dass nicht nur Oma Helga und Opa Kurt mehr auf den Geldbeutel schauen müssten und nicht mehr wegen jeder Schramme in die Werkstatt rennen. Durch "Instandsetzen statt Ersetzen" mit dem CBR-System könne er einerseits wirtschaftlich in der Welt der Schadensteuerung bestehen, zudem aber auch der privaten Kundschaft eine günstige, zeitwertgerechte Reparatur als Alternative zur fiktiven Abrechnung bieten. Aber auch der Nachhaltigkeitsgedanke spielt für die Lau-Brüder eine große Rolle: "Mit jedem Teil, das wir nicht ersetzen, leisten wir einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz und schonen wichtige Ressourcen.“
Wer auch in Zukunft erfolgreich sein wolle, müsse sehen, dass er mit Versicherern, Schadensteuerern, Flotten und Privaten sowohl auf Kundenseite wie auch beim Angebotsspektrum breit aufgestellt ist. Einer der Gründe, weshalb Lau mit Wohnwägen und Reisemobilen auch größere Objekte instandsetzt und lackiert. Mit vielen Standbeinen stehe das Geschäft auch in Krisenzeiten auf weitaus stabileren Füßen, meint Andreas Lau und schwärmt von seiner neusten Leidenschaft, der Lackierung von Riva-Yachten. "Seltsamerweise will niemand im Umkreis diese Boote machen. Mir zaubern diese Prachtstücke aber bei jedem Vorbeigehen ein Mega-Grinsen ins Gesicht. Einfach genial!"