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In Memoriam: Peter Vogt ist verstorben

Peter Vogt verstarb am vergangenen Donnerstag in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main.
© Foto: ZAK-Zert GmbH

Mit Peter Vogt verstarb am vergangenen Donnerstag im Alter von 82 Jahren ein Urgestein der deutschen Schadenwelt. Bei seinem früheren Arbeitgeber, der Zurich Gruppe Deutschland, setzte er ebenso wie im Sachverständigen-Verband ZAK e.V. sowie der ZAK-Zertifizierungsstelle nachhaltige Zeichen, die über seinen Tod hinaus wirken.

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Die Zertifizierten und Anerkannten hauptberuflichen Kfz-Sachverständigen, die sich innerhalb des ZAK e.V. sowohl aus freiberuflichen, als auch bei Versicherungen und Verbänden angestellten Kollegen zusammensetzen, trauern: Am vergangenen Donnerstag, den 11. August 2022, verstarb mit Dipl.-Ing. Peter Vogt eine ihrer bekanntesten Persönlichkeiten. Am 1. Dezember hätte er seinen 83. Geburtstag feiern können. Doch es sollte nicht sein. Ein Krebsleiden, das er vor zehn Jahren erfolgreich überwunden geglaubt hatte, ließ ihm nach erneutem Ausbruch keine weitere Chance auf noch ein paar zusätzliche Jahre im Kreise seiner Familie und Branchen-Weggefährten.

Baumeister einer einheitlichen SV-Organisation

Von 1968 bis 2003 war Peter Vogt durchgängig bei der Zurich Gruppe Deutschland beschäftigt, die meiste Zeit davon (ab 1981) als Chef-Sachverständiger. Peter Vogt baute die Kfz-SV-Organisation der Zurich zügig und sukzessive aus. Einen großen Schwerpunkt legte er dabei auf den Bereich der Unfallrekonstruktion. Im Jahr 1996 führte er erfolgreich die Kfz-Sachverständigen-Abteilungen der Agrippina und der Zurich zusammen. (Hintergrund: 2001 ist durch eine weitere Verschmelzung von Zurich und Agrippina die Zurich Gruppe Deutschland entstanden, die Vertriebsmarke Agrippina-Versicherung wurde danach aufgegeben.) Bis zu seinem Eintreten in den Ruhestand integrierte Peter Vogt 2003 federführend auch noch die Kfz-SV-Organisation des (mehrheitlich ein Jahr zuvor übernommenen) Deutschen Herold in die Zurich. Danach verabschiedete er sich mit 64 in den Ruhestand und übergab die Geschäfte an Josef Thelen.

"Ein Kfz-SV durch und durch"

Der heutige Leiter Schaden für Deutschland bei der Zurich Gruppe Deutschland, Markus Troche, sagte im Gespräch mit unserer Redaktion: "Die Werte und ,das Bild‘ eines Kfz-Sachverständigen hat Peter Vogt im besten Sinne vorgelebt und gelebt. Er war ein Kfz-Sachverständiger ,durch und durch'. Das werden alle, die ihn persönlich bei Zurich, im Markt oder beim ZAK kennengelernt haben, bestätigen können."

Im Kollegen-Schulterschluss zur großen "Hagel-Neuordnung"

Peter Vogt konnte aber auch streitbar sein, wenn es um wichtige Dinge ging, so beispielsweise in den Jahren vor und nach dem Millennium: Zu der Zeit gab es neben der 1999 vom AZT-Karosseriebeirat verabschiedeten "Kalkulationstabelle für nachlackierungsfreies Ausbeulen" nur eigene Abrechnungssysteme der Schadendienstleister. Während also die Allianz für sich eine Basis hatte, die deren damaliger Chef-SV Gerd Hoop vehement verteidigte, herrschte im übrigen Markt bis Anfang 2004 Preis-Wildwuchs.

Halbwegs beruhigt hatte sich der Markt hierzulande erst nach dem 22. April 2004, als auf Treiben vor allem der in der Benutzergemeinschaft Audatex (BGA) zusammenarbeitenden Versicherer "Hagelexpert" als zusätzliches Abrechnungstool offiziell zur Anwendung kam. Hagelexpert-Protagonisten und wesentliche Treiber für eine neue, geordnete Hagelschaden-Regulierung waren seinerzeit neben Peter Vogt auch seine Chef-SV-Kollegen Jürgen Wustmann (DEVK), Peter Brodt (Württembergische), Bernd Strunz (WGV), Bruno Feld (AXA), Andreas Lehrenfeld (Gerling), Heinz Deus (Concordia), Wolfgang Kroner (Sparkassen Versicherung), Kay Taudien (Provinzial Nord), Manfred Wittke (VHV), Thorsten Böhm (Audatex) und andere. Deren Errungenschaften, die im Schulterschluss mit den großen Dienstleistern und Tool-Entwickler Audatex vor fast zwei Jahrzehnten erkämpft wurden, haben grundsätzlich bis heute Bestand.

Familienmensch mit bayerischen Wurzeln

Peter Vogt war indes auch ein Mensch mit klaren Prinzipien und festen Konstanten. Seit 40 Jahren wohnte er zusammen mit seiner Frau Heide, mit der er übrigens mehr als 50 Jahre verheiratet war und eine gemeinsame Tochter hatte, in Frankfurt am Main. Seine Kindheit während des Zweiten Weltkrieges verbrachte er in Regensburg und fühlte sich selbst später immer gerne als "Bayer". Iris Bruchhäuser, seit inzwischen über 25 Jahren verlässliche "Seele" und wichtigste Ansprechpartnerin in der ZAK-Zertifizierungsstelle in Diez, erinnert sich im Gespräch mit AUTOHAUS, dass sie Peter Vogt jedes Jahr den sogenannten "Zefix!"-Jahreskalender der Süddeutschen Zeitung besorgen durfte.

Lebensaufgabe ZAK und SV-Zertifizierung

Dem ZAK e.V. gehörte Peter Vogt seit Gründung des SV-Verbandes mit an. Gemeinsam vor allem mit Ing. (grad.) Paul Krippendorf (verstorben im Oktober 2008) und Dipl.-Ing. Wolfgang Eberhardt (verstorben im Oktober 2019) gehörte Vogt zu den Mitbegründern der ZAK-Zertifizierungsstelle (ZAK-Zert GmbH). Er war auch einer der Ersten, die im Oktober 1996 selbst zertifiziert wurden. Wie sehr er dem Sachverständigenwesen verbunden war, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass er von Anfang an auch dem Prüfungsausschuss der ZAK-Zert GmbH als Mitglied angehörte und von 2009 bis 2019 sogar als dessen Vorsitzender wirkte. Wohlgemerkt war Peter Vogt schon 80, als er immer noch ein wichtiger Aktivposten mit blitzschneller Auffassungsgabe war. Das selbstlose Engegament prägte ihn übrigens bis kurz vor seinem Tod, wie Iris Bruchhäuser auf Nachfrage gegenüber unserer Redaktion mitteilte: "Einmal pro Woche war er bis zuletzt in Diez, Zertifizierungsprüfungen nahm er bis kurz vor seinem 80. Geburtstag noch selbst in Hannover ab."

Vom Geweih zur Stoßstange – der Schritt zum ZAK-Trainer

ZAK-Präsident Dr. Marc Trömner und -Vorstandsmitglied Manfred Wittke sowie ZAK-Zert-Geschäftsführer Andreas Peters würdigten ebenfalls das Lebenswerk von Peter Vogt, der immer bestrebt gewesen sei, die Zertifizierung und öffentliche Bestellung von Sachverständigen auf ein qualitativ vergleichbares hohes Niveau" zu hieven. Vogt zählte unstrittig auch zu den wichtigsten Initiatoren des "ZAK-Trainer online", einem modernen e-learning-Tool mit über 1.800 Fragen zu unterschiedlichsten Themenbereichen. Der ZAK-Trainer gilt in der Branche bis heute als führende, intelligente Lernplattform der digitalen Weiterbildung und Prüfungsvorbereitung.

Entstanden ist der ZAK-Trainer ursprünglich eher zufällig, als Peter Vogt bei seinem Marktredwitzer Kfz-Sachverständigenkollegen Wolfgang Heintges, zu dessen Firmengruppe u.a. auch ein Unternehmen für Lehr- und Lernsysteme gehört, auf den "Heintges Jagdtrainer" aufmerksam wurde. Diese frühe Lernplattform – als ideale Ergänzung zu Arbeitsblättern und anderen Unterlagen – faszinierte Vogt auf Anhieb. "Ob da jetzt Geweih oder Stoßstange drüber steht, ist doch eigentlich egal", soll er damals spontan gesagt haben – und Recht behalten: Gemeinsam mit seinem ZAK-Kollegen Wolfgang Eberhardt stieß er 2008 (!) aktiv den ZAK-Trainer an, den es ursprünglich noch auf CD gab und der längst zur allgemein geschätzten Online-Plattform erwachsen ist.

"Lebenswerk auf Dauer"

Der aktuelle und der vormalige ZAK-Präsident, Dr. Marc Trömner und Ralf Graf, ebenso wie ZAK-Vorstandsmitglied Manfred Wittke, der unsere Redaktion als Erster über den Tod von Peter Vogt informierte, sprachen unisono von einem "echten Lebenswerk mit dauerhaft bleibenden Werten", das Vogt für alle Sachverständigen und deren Höherqualifizierung hinterlassen hat.

Der SchadenBusiness-Redaktion von AUTOHAUS war Peter Vogt seit den 1990er Jahren ebenfalls eng und freundschaftlich verbunden. Wir verlieren mit ihm einen hoch kompetenten Branchen-Fachmann und verlässlichen, charismatischen Gesprächspartner. Unsere aufrichtige Anteilnahme gebührt deshalb ausdrücklich seiner gesamten Familie!  Walter K. Pfauntsch

Peter Vogt hielt bis ins hohe Alter engen Kontakt zu allen Sachverständigenkollegen – egal, ob Freiberufler oder Angestellte einer Versicherung. Das Bild entstand im Frühjahr 2009 und zeigt Vogt zusammen mit Roland Wolf (Kempten) und Wolfgang Heintges (Marktredwitz), bei dem er sich auch die Idee für das Lernportal ZAK-Trainer Online holte.
© Foto: Walter K. Pfauntsch
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