Mit einem parlamentarischen Frühstück in Berlin haben VDIK und die Automechanika Frankfurt ihre Dialogreihe "Road to Automechanika" eröffnet und ein Thema in den Fokus gerückt, das im Aftersales zunehmend strategische Bedeutung gewinnt: Connected Car Data. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Fahrzeugdaten in skalierbare Anwendungen überführen lassen, die Kunden Nutzen stiften und Betrieben Ertrag bringen.
Als Hintergrund der Diskussion verwies VDIK-Präsidentin Imelda Labbé auf Erkenntnisse aus dem DAT-Report. Die Unsicherheit vieler Kunden mache Kundenbindung zur zentralen Aufgabe im Aftersales. Vertrauen entstehe, so Labbé, durch fachlich kompetenten und möglichst proaktiven. Vernetzte Fahrzeugdaten seien dafür eine wesentliche Voraussetzung.
5G überall dort, wo Verkehr ist
Den politischen Rahmen setzte Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr. Angesichts geopolitischer Spannungen, fragiler Lieferketten und wachsenden Wettbewerbsdrucks dürfe die Branche Zukunftsthemen nicht aufschieben. Mobilität werde künftig nicht allein auf der Straße entschieden, sondern "in Rechenzentren, in der Cloud und im Code". Voraussetzung dafür sei eine leistungsfähige digitale Infrastruktur – einschließlich flächendeckender 5G-Verfügbarkeit überall dort, wo Verkehr stattfindet.
Zugleich betonte Hirte den sensiblen Umgang mit Fahrzeugdaten. Ihre Nutzung müsse sicher, transparent und an die Zustimmung der Nutzer gebunden bleiben. Mit der Novellierung des Intelligent Transport Systems Acts soll ein Ausgleich zwischen Innovationsfreiheit, Wettbewerb, Datenschutz und geistigem Eigentum geschaffen werden, verbunden mit dem Anspruch, europäische Standards zu setzen.
Sicherheit vor Hightech
Vor diesem Hintergrund ordnete Benedikt Middendorf (Deloitte) die lange mit Connected Car Data verbundenen Erwartungen ein. Über Jahre sei von einem wirtschaftlichen Durchbruch und vom "Daten-Gold" die Rede gewesen, tatsächlich habe sich dieses Versprechen bislang nicht eingelöst. Zahlungsbereitschaft zeige sich vor allem dort, wo Anwendungen sicherheitsrelevant sind.
Der wirtschaftliche Hebel für Aftersales-Use-Cases liege daher weniger in zusätzlichen Hightech-Funktionen als in klassischen Werkstattthemen wie Wartung, Garantie oder Rückrufen – sofern datenbasierte Services Kosten senken, Ausfälle vermeiden und Abläufe planbarer machen. Kunden gewinnen dadurch Transparenz und Planbarkeit, Anbieter die Grundlage für effizientere Prozesse.
Was heute schon funktioniert
Für die Skalierung von Connected Car Data erwies sich in der Praxis ein Punkt als entscheidend: Nicht technische Vielfalt, sondern verlässliche, markenübergreifende Verfügbarkeit grundlegender Fahrzeugdaten. Erst auf dieser Basis lassen sich Anwendungen sinnvoll in Service- und Betriebsprozesse integrieren – und nur dann bleiben sie wirtschaftlich darstellbar. Das gilt sowohl aus Plattformperspektive als auch aus Anwendersicht. "Der wichtige Punkt ist nicht, wie viele Datenpunkte wir anbieten können, sondern wie viele davon von einer Mehrheit der Hersteller verfügbar sind", brachte es Katharina Roecker (High Mobility) auf den Punkt. Für Finn übersetzt sich diese Logik unmittelbar in den Betrieb: Fahrzeugdaten kommen dort zum Einsatz, wo sie Effizienz schaffen und Prozesse planbarer machen. "Für uns ist der erste Schritt immer: Was will der Kunde wirklich haben – und wie schaffen wir mit Daten einen konkreten Mehrwert?", so Felix Moser.
Use Cases statt Grundsatzdebatten
In der Diskussion mit Patricia Stich (Volkswagen Group Info Services/CARIAD), Jürgen Lobach (FINN), Dr. Thilo Wagner (DAT) und Maike Lamping (GDV) kristallisierte sich ein zentrales Spannungsfeld heraus: Die technischen Möglichkeiten rund um Connected Car Data sind vielfach vorhanden, doch Standards, Konsentprozesse und regulatorische Unsicherheiten bremsen die Umsetzung in die Fläche.
Vor diesem Hintergrund bündelte Imelda Labbé die Diskussion in einer konkreten Frage an die Runde: Was kann der Verband jetzt beitragen? In den Antworten ging es weniger um neue Grundsatzdebatten als um praktische Orientierung. Genannt wurden vor allem das Sammeln und Strukturieren konkreter Anwendungsbeispiele sowie ein intensiverer Austausch zwischen Herstellern, Dienstleistern und weiteren Marktteilnehmern. Auf dieser Basis lasse sich die Debatte von abstrakten Datenmodellen hin zu umsetzbaren Anwendungen verschieben und regulatorische Fragen enger an der Praxis ausrichten. Der Weg zum digitalen Aftersales führt damit weg von der Grundsatzdebatte hin zu einer Standardisierung, die sich an der praktischen Nutzbarkeit für Betrieb und Kunden misst.