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VW-Aufsichtsratssitzung: Tag der großen Entscheidungen

Bei VW stehen bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag große Entscheidungen an.
© Foto: picture alliance/dpa | Peter Steffen

Hinter den Kulissen liefen wieder einmal die Drähte heiß. Am Donnerstag werden bei VW nun die Ergebnisse der verschobenen Planungsrunde erwartet. Wochenlange Gerüchte zur Zukunft des Vorstandsvorsitzenden könnten ein Ende finden – wenn auf den letzten Metern alles klappt.


Datum:
08.12.2021
Autor:
Jan Petermann, dpa
Lesezeit: 
5 min
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Es soll ein Tag der großen Entscheidungen werden, mit einem Themenspektrum und Erwartungsdruck wie lange nicht. Bei Volkswagen dürften am Donnerstag viele zentrale Beschlüsse fallen - Verbleib von Vorstandschef Herbert Diess inklusive. Die Position des 63-Jährigen wackelt nach Informationen aus Konzernkreisen seit Wochen erneut beträchtlich, jedenfalls aus der Sicht einzelner mächtiger Aufsichtsratsmitglieder. Auslöser dafür waren Sparvorschläge rund um eine turbulente Sitzung des Gremiums im September, die zuvor nicht mit dem einflussreichen Betriebsrat abgesprochen gewesen sein sollen.

Aber auch jenseits der Top-Personalie Diess mussten Manager und Kontrolleure des größten deutschen Unternehmens in etlichen Punkten nacharbeiten – etwa bei der Konkretisierung milliardenschwerer Investitionsvorhaben, der Werkbelegung sowie weiteren Besetzungen von Führungspositionen. Ursprünglich wollte VW die wesentlichen Fragen schon Mitte November geklärt haben, nun lief alles auf den 9. Dezember als Ersatztermin hinaus. Wobei auch hier bis zuletzt "alles im Fluss" sei, wie eine Quelle aus dem engeren Umfeld schätzte.

Die Debatte über Diess hatte die Sachthemen im Herbst streckenweise beinahe ganz in den Hintergrund gedrängt. Ein Vermittlungsausschuss des Aufsichtsrats traf sich mehrfach, um Lösungen zu suchen, die den reformfreudigen Manager im Amt halten und gleichzeitig die Wogen im Zoff mit der Arbeitnehmerbank glätten. Chefkontrolleur Hans Dieter Pötsch musste dem Vernehmen nach – wie schon in früheren Auseinandersetzungen – eine regelrechte Pendeldiplomatie betreiben.

Auch Mischlösung denkbar

Ob und wie genau sich einzelne Positionen verändern, wurde von offizieller Seite nicht kommentiert. Theoretisch denkbar wäre laut verschiedenen Berichten außer einem Abgang von Diess oder einer Weiterbeschäftigung im bisherigen System womöglich eine Mischlösung: Demnach bliebe er formal Konzernchef, würde sich in seiner Funktion jedoch auf eine Art strategische Gesamtplanung konzentrieren.

VW-Kernmarkenchef Ralf Brandstätter wurde unter anderem als zusätzliches Mitglied des Konzernvorstands und als China-Chef ins Spiel gebracht. Das könnte nach Interpretation einiger Beobachter weniger operativen Einfluss für Diess bedeuten, der bisher auch für die übergreifende Steuerung des zurzeit schwächeren China-Geschäfts verantwortlich ist. Im Juni vorigen Jahres hatte Diess bereits die Führung der Haupt-Volumenmarke VW Pkw an Brandstätter abgegeben. Damals hatte es geheißen, der Vorstandsvorsitzende der Gruppe solle so "mehr Freiraum für seine Aufgaben als Konzernchef" bekommen.

Auch hier schienen die Würfel aber noch nicht abschließend gefallen. Die weitere Koordination der eigenen Software-Sparte Cariad könnte derweil explizit dem Konzernchef zugeschrieben werden - es ist für Diess auch eines der zentralen Zukunftsthemen. Zu den Chancen eines solchen Modells wollten sich Unternehmen und Eigentümer nicht äußern.

Diess ist in der Branche insgesamt hoch angesehen für den Umfang und das Tempo, mit dem er Volkswagen weiter in die E-Mobilität und Digitalisierung führen will. Aufseiten des Betriebsrats, der IG Metall und teils auch des Landes Niedersachsen riefen sein zuweilen ruppiger, provokanter Ton und seine manchmal auch als unberechenbar empfundene Kommunikation allerdings schon öfter Befremden hervor.

Investitionen in Standorte

Inhaltlich geht es bei der alljährlichen Herbstrunde eigentlich um die Ausgaben für das weltweite Standortnetz. Damit einher geht die Verteilung von Modellen, Bauteilen und Entwicklungsbudgets – und natürlich die Auslastung der Werke mit möglichen Folgen für die Jobs.

Auf das inzwischen 70. Planungspaket ("PR70") von VW blickt die Autobranche diesmal besonders gespannt. VW hat den Bau einer neuen Fabrik für das volldigitalisierte E-Fahrzeug Trinity in der Nähe des Stammwerks Wolfsburg als Ziel ausgegeben. Die ausstehende Zustimmung des Aufsichtsrats dürfte hier nun eher als Formsache gelten.

Aber es gibt weitere Themen, die intensiv diskutiert wurden. Dazu gehört beispielsweise die Frage, wohin genau weitere der zunächst sechs europäischen Batteriezellwerke kommen. Der Betriebsrat hatte zumindest ein weiteres Zellwerk in Deutschland gefordert. Umstritten ist ferner die Frage, ob und wann neben Trinity ein gesondertes Elektromodell in Wolfsburg angesiedelt werden kann. Zu hören war etwa von der Übernahme von Teilen der Produktion der ID-Reihe aus Sachsen, zumindest in Stoßzeiten mit hoher Nachfrage. Der VW-Stammsitz ist wegen der Lieferkrise bei Mikrochips derzeit nur schwach ausgelastet, für das kommende Jahr rechnet das Management mit Verbesserungen.

Bestimmend waren angesichts der Kontroverse um den Stil von Diess in den vergangenen Wochen aber auch Fragen der Kommunikation. Nachdem in den Vorjahren Streit zwischen dem Konzernchef und dem langjährigen Betriebsratschef Bernd Osterloh über Sparprogramme und Arbeitsdruck an den Linien aufgeflammt war, griff Osterlohs Nachfolgerin Daniela Cavallo den Manager im Gefolge des September-Treffens scharf an.

Überlegungen, bei VW könnten 30.000 bis 35.000 Stellen überschüssig sein, nannte Cavallo "inhaltlichen Unfug". Diess solle sich lieber auf die Entwicklung einer Strategie gegen den Halbleitermangel und konkrete Zusagen für Wolfsburg konzentrieren, forderte sie. Der Vorstandschef entgegnete, er sei mit Blick auf die kolportierten Zahlen missverstanden worden. Gleichzeitig betonte er, die Zentrale müsse sich strecken, um mit der Konkurrenz mithalten zu können.

Top-Personalien und Formel 1-Engagement

Zum Abschluss der Planungsrunde könnten auch einige ergänzende Top-Personalien stehen. So soll die Ex-Deutsche-Börse-Managerin Hauke Stars Favoritin für das IT-Ressort im Vorstand sein. Chefjustiziar Manfred Döss könnte Nachfolger von Hiltrud Werner im Rechtsressort werden. Und zu China-Chef Stephan Wöllenstein verlautete aus Firmenkreisen, dieser werde wohl auf eine andere Stelle wechseln.

Auch die Motorsportwelt könnte womöglich nach Wolfsburg blicken. Immer wieder gab es Spekulationen über einen Formel-1-Einstieg von VW – in Vorgespräche über neue Techniken für teilelektrifizierte Motoren sollen Vertreter der Töchter Audi und Porsche nun zumindest eingebunden sein. Der Motorsport-Weltverband tagt am 15. Dezember, eine eventuelle Freigabe entsprechender Pläne käme also rechtzeitig.

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