Der Online-Versandhändler Amazon bereitet nach Informationen des US‑Fachportals "Car Dealer" den Markteintritt seines Fahrzeugmarktplatzes Amazon Autos in Großbritannien vor. Der Start soll demnach spätestens Ende 2026 erfolgen. Lieferanten und Partner würden bereits "positioniert", um die Einführung im britischen Markt vorzubereiten und noch in diesem Jahr erste Händlerfahrzeuge zu listen, heißt es in einem aktuellen Bericht.
Amazon-Autos-Direktor Steve Johnson bestätigte gegenüber "Car Dealer" im Rahmen der NADA‑Konferenz in Las Vegas, dass ein UK‑Start lediglich eine Frage des Zeitpunkts sei. "Es ist nicht die Frage, ob, sondern wann", sagte Johnson. Zwar liege der aktuelle Fokus klar auf dem US‑Geschäft, dennoch sei Großbritannien aufgrund seines Marktpotenzials attraktiv – "trotz der komplexen Gesetze und Vorschriften dort".
Parallel dazu berichten Quellen, dass der UK‑Launch "unmittelbar bevorsteht" und Gespräche mit Dienstleistern bereits laufen. Amazon sondiere, wie Finanzierung, Garantien und weitere F&I‑Produkte technisch und prozessual integriert werden können. In den USA können Verbraucher auf der Plattform bereits neue und gebrauchte Autos auswählen, Finanzierungsangebote einholen und Zusatzleistungen wie Fahrzeuggarantien hinzufügen. Das Modell sieht vor, dass Amazon den Kunden nach Abschluss der digitalen Schritte mit einem "vollständig vorbereiteten Deal" an den Händler übergibt.
Auf Expansionskurs
Großbritannien wäre laut Bericht der erste von fünf europäischen Märkten, die Amazon im Zuge seiner internationalen Expansion adressieren will. In den USA bietet Amazon Autos bereits Neuwagen verschiedener Hersteller an, darunter Hyundai, Mazda, Subaru, Ford und Kia. Das Gebrauchtwagengeschäft ist aktuell in 130 US‑Städten verfügbar und wird sukzessive ausgebaut.
Im Heimatmarkt USA lockt Amazon Händler derzeit mit kostenfreien Anzeigen und betont, nicht an Fahrzeugverkäufen zu verdienen. Johnson: "Wir beteiligen uns nicht an der Marge im Frontend und nehmen keinen Umsatzanteil bei Fahrzeugverkäufen." Das Geschäftsmodell basiere auf Werbung, ergänzte er. "Heute verzichten wir auf Gebühren, während wir den Marktplatz weiter ausbauen. Das wird nicht für immer so bleiben, aber unser Fokus liegt darauf, das Ökosystem zu erweitern." Künftige Funktionen könnten gesponserte Listings umfassen.
Johnson betonte außerdem, dass Amazon Autos Händlern keine Preisvorgaben mache. "Händler kontrollieren die Preisgestaltung, die Bestände, die Deal-Struktur, die F&I‑Sätze und die Aufschläge – genauso wie andere unabhängige Verkäufer auf Amazon ihre Produkte und Preise selbst bestimmen."
Eine offizielle Bestätigung zum Europastart gibt es jedoch weiterhin nicht. Ein Amazon‑Sprecher erklärte gegenüber "Car Dealer" lediglich: "Wir konzentrieren uns derzeit darauf, Amazon Autos in den USA auszubauen, wo wir kontinuierlich neue Händler, Fahrzeugbestände und Funktionen für Kunden hinzufügen."