Nicht ein großer Autohersteller, sondern eine spezialisierte Design- und Ingenieursfirma setzt den nächsten Impuls für den autonomen Nahverkehr: Die UE Studios haben mit dem Robo-Shuttle "SUE" (Self-Driving Urban E-Shuttle) jetzt ein Projekt erfolgreich auf die Räder gestellt, das den ÖPNV grundlegend verändern könnte.
Das vollelektrische, autonom fahrende Fahrzeug wurde komplett in Deutschland entwickelt und ist als real einsetzbarer "People Mover" für Kommunen und Betreiber konzipiert. Ziel ist es, Mobilitätslücken zu schließen – insbesondere dort, wo klassische ÖPNV‑Angebote aus wirtschaftlichen oder infrastrukturellen Gründen an Grenzen stoßen.
"Wir haben SUE von Grund auf neu entwickelt und gestaltet, um der Fortbewegung von morgen ein Gesicht zu geben", sagte Alexander Uedelhoven, Projektleiter und Prokurist der UE Studios am Mittwoch anlässlich der Weltpremiere. "Es ist unser Beitrag zu einer autonomen und nachhaltigen Mobilität, die die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer sowie der Kommunen und Betreiber konsequent in den Fokus rückt."
"SUE" gilt zugleich als politisches Signal: Das Projekt wurde vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert und versteht sich als Beitrag technologischer Souveränität im internationalen Wettbewerb autonomer Mobilitätssysteme.
Autonom "Made in Germany"
"SUE" basiert auf einer straßenzugelassenen 48‑Volt‑Skateboard‑Plattform und einer eigens entwickelten autonomen Softwarearchitektur. Der Kleinbus wurde in Deutschland konstruiert, designt und gebaut – inklusive der Fahrzeugsysteme, der Sicherheitsstruktur und der digitalen Steuerung. Damit positioniert sich SUE laut Uedelhoven als Gegenentwurf zu bisherigen Shuttle‑Konzepten, die oft aus dem Ausland stammen oder im Pilotstadium bleiben.
Ermöglicht wurde das Projekt durch ein breites Konsortium aus Industrie, Forschung und Kommunen. Dazu gehören unter anderem DB Regio, ElringKlinger, TÜV NORD Mobilität, Fraunhofer EMFT, Hochschulen und mehrere Modellkommunen. Die Uedelhoven GmbH fungiert als Konsortialführerin und Herstellerin.
Nutzererlebnis statt Technikshow
Besonderes Gewicht legen die Entwickler auf einen auf den Menschen ausgerichteten Designansatz. Der Innenraum wurde mit Blick auf Komfort, Orientierung und Zugänglichkeit gestaltet, dazu gehören großzügige Sichtachsen, hochwertige Materialien und klare Linien.
"Unsere Materialien ermöglichen es, Designfreiheit, Leichtbau und Kreislauffähigkeit miteinander zu verbinden", erklärte Jochen Hardt, Leiter Global Marketing Mobility bei Covestro. "Das sind zentrale Voraussetzungen für die Mobilität der Zukunft." Ziel sei es, Akzeptanz für autonome Mobilität zu schaffen – nicht über technische Inszenierung, sondern über ein überzeugendes Fahr‑ und Raumgefühl.
Technik für den Echtbetrieb
Das Fahrzeug ist für Geschwindigkeiten bis 50 km/h ausgelegt – deutlich schneller als viele bisherige Shuttle‑Prototypen. Die 48‑Volt‑Architektur soll Betrieb und Wartung ohne spezielles Hochvolt‑Fachpersonal ermöglich, was die Kosten für Kommunen senkt. Die modulare Systemarchitektur soll zudem flexible Anpassungen erlauben und Wartungsprozesse erleichtern.
Perspektive Europa
Der Personentransporter verfügt bereits über eine Straßenzulassung und eine Ausnahmegenehmigung für den autonomen Testbetrieb. Erste Pilotstrecken – darunter eine Verbindung zwischen Neustadt an der Donau und Bad Gögging – sollen zeigen, wie SUE bestehende Netze sinnvoll ergänzen kann. Perspektivisch wird der Einsatz in weiteren europäischen Regionen geprüft.
Die UE Studios mit Sitz in Gaimersheim und München sind ein weltweit anerkannter Design- und Ingenieursdienstleister mit rund 200 Mitarbeitern. Im Automotive-Bereich hat das Unternehmen bereits mit Herstellern wie Mercedes-Benz, Audi, Cupra, Hyundai und Nio, unter anderem bei Showcars und Prototypen, zusammengearbeitet.