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Autohandel: Kfz-Zulassung bleibt großer Störfaktor

Bei der Kfz-Zulassung ist nach wie vor keine Besserung in Sicht.
© Foto: picture alliance/Carsten Koall/dpa

Nach wie vor brennen dem Autohandel die Probleme bei der Fahrzeugzulassung auf den Nägeln. Laut DAT-Befragung sehen 62 Prozent darin ein Hemmnis für ihr Geschäft. Generell lässt Corona die Branche nicht los.


Datum:
24.11.2020
8 Kommentare

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Der Kfz-Zulassungsprozess in Deutschland bremst die Autohäuser weiter stark aus. Im am Dienstag veröffentlichten DAT-Barometer geben 62 Prozent der befragten Kfz-Betriebe an, dass sie die Situation in den Zulassungsstellen aktuell in erheblichem Maße behindere. Zur Jahresmitte lag der Anteil der kritischen Stimmen mit 59 Prozent etwas niedriger. 30 Prozent sehen derzeit in geringem Maße ein Hindernis, und lediglich bei acht Prozent läuft es wie bisher. Fast neun von zehn Händler (87 Prozent) würden es begrüßen, eine Zulassung selbst — ohne Zutun einer Behörde — durchführen zu können.

Das Thema Kfz-Zulassung brennt dem Kfz-Gewerbe schon seit einiger Zeit auf den Nägeln (wir berichteten). Der Dachverband ZDK engagiert sich am Projekt "i-kfz" des Bundesverkehrsministeriums. Das Ziel: eine bundeseinheitliche digitale Lösung, mit der die Zulassung auch im Autohaus möglich ist.

Wie aus der DAT-Erhebung für den Monat November ebenfalls hervorgeht, beschäftigt die Corona-Pandemie die Autohäuser nach wie vor massiv. So sehen sich 64 Prozent der Händler wegen der aktuellen wirtschaftlichen Situation vermehrt mit Rabattforderungen konfrontiert. Dies ist ein leichter Rückgang um fünf Punkte gegenüber der Befragung im Juni 2020. Gleich geblieben ist, dass aktuell 15 Prozent der Betriebe krisenbedingt Mitarbeiter entlassen mussten.

Die Kundenansprache verändert sich

Corona hat auch auf das Kommunikationsverhalten der Kfz-Unternehmen großen Einfluss. Laut DAT führen sieben Prozent mehr Video-Beratungen durch, 40 Prozent telefonieren mehr als zuvor, und 45 Prozent verzeichnen ein erhöhtes Aufkommen an E-Mail-Anfragen. Die Hälfte aller Händler gab allerdings zu Protokoll, sie würden wie bisher ohne nennenswerte Änderungen mit Kunden und Interessenten kommunizieren.

Die Studie zeigt außerdem einen hohen Informations- und Beratungsbedarf bei der Umweltprämie. Knapp zwei Drittel (62 Prozent) der Autohäuser erklären, dass es wegen der Förderung von E-Fahrzeugen viel Gesprächsstoff zwischen Handel und Kaufinteressent gebe. Allein das macht deutlich, dass der Handel bei der Transformation hin zu alternativen Antrieben als Schnittstelle zwischen Autohersteller und Kunde unverzichtbar ist.

Junge Gebrauchte sind begehrt – Probleme bei Beschaffung

Über die Hälfte der Händler (55 Prozent) berichtet außerdem von Kunden, die sich in der aktuellen Situation eher für einen jungen Gebrauchten statt für einen Neuwagen entscheiden. Allerdings: Für 58 Prozent der Autohäuser gestaltet sich die Beschaffung von Werksdienstwagen (und auch Neuwagen) schwierig. Zudem sind 52 Prozent in diesem Segment eher knapp aufgestellt.

Durch die hohe Nachfrage auf dem GW-Markt stehen die Fahrzeuge auf den Höfen der Händler noch etwa 80 Tage, bevor sie verkauft werden (Diesel: 80 Tage; Benziner 79 Tage). Auch der Anteil an Fahrzeugen im Risikobestand (Standzeit länger als 90 Tage) ist laut DAT von zuletzt 38 auf 29 Prozent gesunken. Als Konsequenz konnten die Fahrzeugwerte im Oktober sogar leicht zulegen: Dreijährige Benziner erreichten 56,1 Prozent des ehemaligen Listenneupreises, Diesel 52,1 Prozent. (rp)

Der Automobilhandel schultert derzeit einen hohen Beratungsbedarf beim Thema E-Auto-Prämie.
© Foto: rh2010/stock.adobe.com
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KOMMENTARE


Dietmar Seyerle

25.11.2020 - 18:02 Uhr

Jetzt muss ich aber mal was positives beitragen:Ich lebe im Landkreis Kassel und habe mindestens 1X pro Monat (dienstlich u.privat) mit der Zul. Stelle in Kassel zu tun. Bei der Aussenstelle in Baunatal (meine nächstgelegene) bekomme ich telefonisch innerhalb weniger Tage (1-3) einen Termin und dieser wird bei meinem pünktlichen Erscheinen von den durchweg freundlichen Mitarbeitern auch prompt abgearbeitet. -Dafür gibt´s ein großes Kompliment. Dass für 3-4 Mitarbeiter regelmäßig zwei Türsteher alles überwachen verstehe ich nicht, muss ich auch nicht. In Kassel Stadt bemühe ich bei Bedarf den Zulassungsdienst Volker Kahl und habe selbst bei schwierigen Prozessen Oldtimer aus dem Ausland etc. innerhalb von 3-4 Tagen immer alles erledigt mit Wunsch KZ wenn verfügbar. Kollegen aus der Branche haben die selbe Erfahrung, hier in Kassel läuft das...


Wolfgang

26.11.2020 - 14:31 Uhr

@ Dietmar Seyerle, das freut mich für Sie. Unsere Erfahrungen mit den Zulassungsstellen Beispielhaft erwähnt HH,K,D,B,DU,W sprechen da eine ganz andere Sprache, Grottenschlecht ist da noch höflich ausgedrückt. Das aber jetzt auf Corona zu schieben wäre zu einfach. Das war schon vorher eine Katastrophe.


Bernd

26.11.2020 - 16:48 Uhr

Ich war 1998 mit Händlerkollegen in London zusammen. Als wir dort über unsere Probleme mit der Zulassungsstelle gesprochen haben, haben die Londoner Kollegen mitleidig gelächelt, denn Zulassungen hat man dort bereits vom PC im Büro aus erledigt. Das zum Thema Digitalisierung, so wie unsere Regierung es versteht.


Insider2

26.11.2020 - 17:36 Uhr

Dietmar Seyerle: Komme auch aus dem Landkreis/Stadt kassel. Meine/unsere Erfahrungen sind da leider völlig andere. Öfters hat man den Eindruck leider als würden sich die Damen und Herren neue Hindernisse einfallen lassen um die Zulassung nach hinten zu verschieben oder Sie nicht durchführen zu müssen.


Steiner

29.11.2020 - 09:10 Uhr

Es wundert mich immer wieder, wie die Autohändler alle Probleme der Zulassung auf die Zulassungsbehörden abschieben. Die Abmeldung über das Internet gibt es seit 2015 für Fahrzeuge, die seit 2015 zugelassen sind. Wird sie von den Händlern genutzt? Nein. Die Zulassung über i-kfz für Neuzulassungen für Privatpersonen auf Privatpersonen gibt es sei 10/2019. Wird dies durch ein entsprechendes verhalten der Händler unterstützt? Nein es gibt kein Angebot der Händler an ihre kundschaft diese Zulassung gemeinsam mit der kundschaft durchzuführen. Warum gibt es eigentlich immer die Endmonatsralley bei den Händlern? Die sogenannten "Tageszulassungen"? Diese belasten die Zulassungsbehörden unnötigerweise. Einen tag zugelassen, am nächsten tag abgemeldet. Geld- und Zeitverschwendung. Wissen sie übrigens, dass bei der Ausbildung zum Automobilverkäufer die Zulassung eines Fahrzeugs nicht angesprochen wird? Was folgt daraus? Diese Herrschaften wissen nicht einmal welche unterlagen für eine Zulassung benötigt werden. Wartezeiten bei der Zulassungsbehörde? Gering. Im Gegensatz zur Bestellung eines Fahrzeugs. Das kann schon mal ein halbes Jahr dauern. Dann die Qualität der Zulassungsunterlagen: unterirdisch. Mal fehlt die evb, mal ist sie falsch ausgefüllt, mal wird der Zulassungsantrag falsch ausgefüllt. Der unterschied zwischen Gewebetreibenden und einer Firma ist auch nicht bekannt . Ich kann noch einiges aufführen. Bitte nicht nur auf die Zulassungsbehörden einschlagen. Übrigens eine normale Neuzulassung, bei der keine Schwierigkeiten auftauchen, wird in längstens 8 Minuten erledigt.


Pitjes

02.12.2020 - 08:39 Uhr

@ STEINERschon erstaunlich wie Sie über Ihre Kunden sprechen. Sicherlich sind Sie einer der Gott sei Dank seltenen Spezies Mitarbeiter einer Zulassungsstelle die den Kunden als Last empfinden. Verkäufer als Herrschaften zu bezeichnen sagt Einiges über Ihrer Einstellung.Ich kann nur hoffen, dass die Möglichkeit der digitalen Zulassung und Abmeldung schnellstens zunimmt und erleichtert wird (...)


Lars

02.12.2020 - 09:06 Uhr

@SteinerDenken Sie ernsthaft, dass die "Endmonatsralley" mit Tageszulassungen aus Jux und Tollerei erfolgt? Oder hat vielleicht doch das Bonussystem der Hersteller damit zu tun?!


Steiner

02.12.2020 - 20:14 Uhr

Man sollte dann vielleicht ein bischen über das System der Bonuszahlungen nachdenken. Scheinzulassungen, und das sind die Tageszulassungen nun mal, sollten vielleicht nicht zu einem Bonus führen. Und es ist wahr, dass auf dem Ausbildungsplan der Automobilfachverkäufer das Zulassungswesen nicht oder nur am rande auftaucht. Bitte auch die Zulassungsbehörden nicht nur als Hindernis betrachten, sondern als Partner. Und da müssen beide Seiten zusammenarbeiten. Es ist wahr, dass die Möglichkeiten des ikfz nicht genützt werden. Aber dies liegt nicht nur an den Zulassungsbehörden, sondern auch an den Händlern. Diese nutzen nun mal nicht die jetzigen Möglichkeiten. Eine Außerbetriebsetzung kann schon jetzt von den Händlern durchgeführt werden. Es macht nur keiner. In manchen Bundesländern wurde während der Pandemie der Zugang zu ikfz erleichtert, indem ein Personalausweis ohne Freischaltung genutzt werden kann. Vielleicht sollten auch die Händler die imitative ergreifen und Misstände im deutschen Zulassungswesen angreifen. Für was brauchen wir zwei Fahrzeugpapiere? In manch anderem EU-Land genügt eins.


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