Forum Automotive mit Santander: "China skaliert, Deutschland diskutiert"

02.04.2026 16:35 Uhr | Lesezeit: 3 min
M_Kynast_Santander_IFA_HD
Der Markteintritt chinesischer OEMs ist kein Produktthema, sondern ein Systemthema; sagt Maik Kynast, Bereichsleiter Vertrieb Mobilität bei Santander vor Studierenden der HfWU.
© Foto: Autohaus/Christian Richter

"Deutschland und China - zweit Autowelten im Vergleich" war das Thema am ersten Vortragstag im Sommersemester. Eine Erkenntnis: Der Markteintritt ist kein Produktthema, sondern ein Systemthema. Preispositionierung, Gebrauchtwagenstrategien und Finanzierungsmodelle entscheiden darüber, ob chinesische Marken in Europa reüssieren – oder scheitern.

Auftakt zum Sommersemester der HfWU und zum Forum Automotive: Vor vollem Haus in Geislingen analysierte Maik Kynast, Bereichsleiter Vertrieb Mobilität bei Santander (demnächst Openbank), am Mittwoch, wie chinesische Autohersteller Vertrieb, Finanzierung und Marktlogik für sich neu und anders definiert haben – und warum das für Handel und Banken in Europa besonders relevant ist.

Aufschlag mit Hindernissen

Dabei stellt sich die Frage nach der strukturellen Wirkung dieses Markteintritts. Chinesische OEMs treffen hier auf einen Markt, dessen Erfolgsfaktoren sie weder kennen noch leicht akzeptieren wollen: gewachsene Händlernetze, die Leasinglogik sowie die Disziplin bei Restwerten. Entscheidend ist daher, warum diese Aspekte für Markt, Mitarbeitende und Kunden relevant sind. Preispositionierung, Gebrauchtwagenstrategien und Finanzierungsmodelle entscheiden darüber, ob chinesische Marken in Europa skalieren – oder scheitern.

Ausnahmen: Tesla und die China-Stores

Im Bereich Handel und Vertrieb wurde deutlich, dass Tesla eine Sonderrolle einnimmt. "Tesla verkauft 60.000 bis 80.000 Autos in Deutschland rein online – ohne Händler. Das kann sonst keiner", so Kynast. Während City-Stores ohne Händler in China funktionieren, sind sie hierzulande gescheitert. Entsprechend klar fiel die Einschätzung aus: "Wer in Deutschland erfolgreich sein will, muss den Handel ernst nehmen."

Auch bei Finanzierung und Leasing zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Onlinevertrieb und klassischem Handel. "Online hat Tesla rund 70 Prozent Finanzierungsquote erreicht – ohne Beratung", erläuterte Kynast. Im stationären Handel gelinge das trotz persönlicher Beratung häufig nicht. Gleichzeitig sei klar: "Ohne Gebrauchtwagenstrategie gibt es keine stabilen Leasingraten." Die Marke MG beispielsweise reagiert darauf und bereitet ein entsprechendes GW-Programm vor. Der Agenturbetrieb wurde bereits beendet.

Volatile Preispunkte

Bei Preislogik und Restwerten sind die chinesischen Fahrzeuge zwar wettbewerbsfähig, doch die Marktansprache gilt häufig als problematisch, so Kynast weiter. "Die Autos sind gut – die Preispositionierung ist teilweise schwierig", lautete seine zentrale Beobachtung. Deutschland werde von vielen Herstellern als Hochpreismarkt wahrgenommen, weshalb Modelle mit zu hohen Preisen eingeführt würden. Hinzu komme, dass Restwerte derzeit kaum kalkulierbar seien, da sich Zölle, Förderungen und Energiepreise ständig ändern.

Aus Bankensicht zeigt sich schließlich ein grundlegender Systemunterschied. Kynast: "In China kennt man kein Leasing und keinen klassischen Gebrauchtwagenhandel." In Deutschland hingegen bilde genau das die Basis des Geschäfts. Der Markteintritt chinesischer OEMs ist also kein Produktthema, sondern ein Systemthema. Handel und Banken werden zum entscheidenden Korrektiv zwischen Anspruch und Realität.


Praxisbezug für Studierende

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Forum Automotive" treten während des Semesters wöchentlich Expertinnen und Experten aus der Automobil- und Mobilitätsbranche an der HfWU auf. Die Reihe wird vom Institut für Automobilwirtschaft (IfA) gemeinsam mit der Fachzeitschrift AUTOHAUS organisiert und richtet sich vorrangig an Studierende aus automobil- und mobilitätswirtschaftlichen Studiengängen (Bachelor und Master).

Gastgeber und Moderatoren sind AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel sowie die IfA-Direktoren Prof. Stefan Reindl und Prof. Benedikt Maier, unterstützt von Prof. Frank Stenner. Ziel der Reihe ist es, theoretische Inhalte des Studiums in einen praxisnahen Kontext zu stellen – durch Fachvorträge und Diskussionen mit Entscheidern aus der Branche.




Im Fokus: Marktentwicklung aufgrund der E-Auto-Prämie

Sichern Sie sich die brandaktuellen Pulsschlag-Ergebnisse rund um die E-Auto-Förderung: Wirkt sie, wirkt sie nicht? Was bringen die Herstellernachlässe und was hält die Branche von den verzögerten Beantragungsmöglichkeiten?

Jetzt herunterladen

HASHTAG


#Forum Automotive

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Auto News für die Automobilbranche: AUTOHAUS ist eine unabhängige Abo-Fachzeitschrift für die Automobilbranche und ein tagesaktuelles B2B-Online-Portal. AUTOHAUS bietet Auto News, Wirtschaftsnachrichten, Kommentare, Bilder und Videos zu Automodellen, Automarken und Autoherstellern, Automobilhandel und Werkstätten sowie Branchendienstleistern für die gesamte Automobilbranche. Neben den Auto News gibt es auch Interviews, Hintergrundberichte, Marktdaten und Zulassungszahlen, Analysen, Management-Informationen sowie Beiträge aus den Themenbereichen Steuern, Finanzen und Recht. AUTOHAUS bietet Auto News für die Automobilbranche.