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Insolvenz in Eigenverwaltung: Auto Wichert steckt in der Krise

Jüngstes Leuchtturmprojekt in der Wichert-Geschichte ist der erst im November eröffnete Audi-Neubau in Hammerbrook.
© Foto: Auto Wichert

Bis vor kurzem standen die Zeichen beim großen VW-Konzernhändler aus Hamburg noch auf Wachstum. Doch jetzt die böse Überraschung: Die Autohausgruppe hat laut Medienbericht Insolvenzantrag gestellt.

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Paukenschlag in Hamburg: Das Autohaus Wichert hat beim zuständigen Amtsgericht Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen bestätigte am Dienstagabend entsprechende Medienberichte, unter anderem von der "Hamburger Morgenpost". Das Amtsgericht Mitte habe dem Antrag auf Eröffnung eines Eigenverwaltungsverfahrens entsprochen und die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Der Geschäftsbetrieb solle vorerst aufrecht erhalten bleiben, hieß es.

Gründe für die finanzielle Schieflage wurden nicht genannt. Nach AUTOHAUS-Informationen wurde die Wichert-Belegschaft am Nachmittag über die aktuelle Situation und das weitere Vorgehen informiert. Für den Händler sind rund 1.350 Mitarbeiter tätig.

Die hanseatische Autohausgruppe hat in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstumstempo vorgelegt. Ein Meilenstein war die Übernahme des insolventen Lokalrivalen Willy Tiedtke Anfang vergangenen Jahres (wir berichteten). Im November erfolgte die Eröffnung eines neuen Audi Terminals in Hamburg-Hammerbrook. Das Leuchtturmprojekt kostete nach Unternehmensangaben über 15 Millionen Euro.

Aktuell ist Auto Wichert an 23 Standorten in und um Hamburg mit den Marken Audi, Seat, Skoda, VW Pkw und VW Nutzfahrzeuge präsent. Erst im Januar hatte die Handelsgruppe einen Wechsel an ihrer Spitze angekündigt: Bernd Kußmaul zieht sich altersbedingt aus der Geschäftsführung zurück – seine Aufgaben übernimmt zum Quartalsende Bernd Lindemann. Kußmaul hatte das Unternehmen 1986 zusammen mit dem weiteren Geschäftsführer und Inhaber Bernd Glathe übernommen und zu einem der bundesweit bedeutendsten Autohäuser im Markenverbund des Volkswagen-Konzerns ausgebaut.

Insolvenzverwalter in eigener Sache

Bei der Eigenverwaltung behält der Schuldner die Verfügungsgewalt und Finanzhoheit über sein Unternehmen. Damit will man vor allem das vorhandene unternehmerische Know-how bei der Restrukturierung nutzen. Die Geschäftsführung erhält vom Gericht einen Sachwalter an die Seite gestellt. Dieser überwacht das Management und prüft unter anderem auch die Perspektiven der angeschlagenen Firma. Im Fall Wichert wurde Sven-Holger Undritz als vorläufiger Sachwalter bestellt. Der Rechtsanwalt war schon in mehreren anderen größeren Hamburger Insolvenzverfahren aktiv. (rp)

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KOMMENTARE


Schmidt

18.02.2020 - 15:59 Uhr

Oha .. das hätte ich nicht erwartet .. Letztes Jahr erst für 15 Mio. einen Audi Terminal gebaut und jetzt pleite? Tut mir leid für die Mitarbeiter, die nicht wissen, was jetzt passiert.. Größer ist nicht automatisch besser ..


ExVerkäufer

18.02.2020 - 16:05 Uhr

Lindemann übernehmen Sie. Den Fachmann für verbrannte Erde zur richtigen Zeit eingekauft.


Carajan

18.02.2020 - 16:48 Uhr

Es ist immer wieder das gleiche, Expansion um jeden Preis. Gigantische Glaspaläste werden gebaut und alles finanziert durch die Banken. Besonders Zukäufe bilden ein großes Risiko, weil es sich um kein organisches Wachstum handelt. Fremdkapital über die Captive Banken und Hausbanken erhöhen die Abhängigkeit noch mehr. Ganz unschuldig an dieser Misere sind die Hersteller auch nicht, wenn sie immer wieder neue CI-Modelle favorisieren. Aber in erster Hinsicht sind alle Unternehmer auch Kaufleute und die müssen auch mal bei sagen können.


M.Bellinger

18.02.2020 - 16:56 Uhr

Es ist wahrscheinlich erst der Beginn einer Rezession im Autohandel. In den letzten Jahren haben einige Betriebe „Leuchttürme“ errichtet, die ihnen nun auf die Füße fallen können. Einkaufsrabatte können nur noch über Volumenverkäufe generiert werden und die Abhängigkeit vom Kapitalgeber wird immer erdrückender. Der ganze Handel befindet sich im Umbruch und die Hersteller drücken jetzt auch selber mit Direktverkauf in die ohnehin angespannte Lage. Die Dieselmisere tat bzw. tut ein übriges dazu.


Detlef Rüdel

18.02.2020 - 16:59 Uhr

Wachstum um jeden Preis? Weniger ist manchmal mehr. Lieber etwas weniger Umsatz, dafür aber eine deutlich bessere Rendite. Hoffe für alle Beteiligten, das man das sinkende Schiff retten kann. Viel Erfolg ...


Renato

18.02.2020 - 17:24 Uhr

Willy Tiedke übernommen, gewaltigen Flagship Store (€ 15,0 Mio.) in Hamburg er-richtet??!? Da stimmt doch irgendwas nicht, wie kann ein so renommiertes großes Unternehmen solche Risiken eingehen. Wie kann ein Controlling so kurzfristig versagen ohne Alarmstufe. Keine Bank würde heute so ohne weiteres so gewaltige Summen ohne Sicherheiten zusagen. Das „riecht“ nach frisierten Geschäftszahlen bei der Genehmigung des Kapitalbedarfs oder noch schlimmer......! Insolvenz in Eigenregie hört sich zunächst mal gut an, aber schon die Veräußerung der Tiedke Gruppe war ein Kraftakt. Es wird mit Sicherheit erhebliches Tafelsilber verkauft werden müssen, um einigermaßen wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen.


Raffayaner

18.02.2020 - 18:36 Uhr

Das war doch nur eine Frage der Zeit, getrieben durch Gier und Großmannssucht.Leidtragende sind die Beschäftigten (ohne BR) und ihre Familien.


CG

18.02.2020 - 20:34 Uhr

Ich wünsche allen Mitarbeitern vor allen den EX Tiedtke MA viel Kraft. Gerade den Schock verarbeitet und dann nochmal das ganze durchzumachen :-( War selbst davon betroffen. Drücke euch die Daumen!!!


Aviator

18.02.2020 - 20:40 Uhr

Musste es ein Leuchtturm für 15 Mio sein? Werden wir nie erfahren, weil wir nicht bei den Gesprächen zwischen Autohaus GL und Hersteller zuhören können. Ich denke aber, dem Kunden ist eine ehrliche und ernst gemeinte Begrüßung in einem kleineren Haus und eine legale gut funktionierende Abgasanlage vom Hersteller wichtiger als diese Glastempel.


BMW Verkäufer

18.02.2020 - 21:01 Uhr

... hatte mich auch schon sehr verwundert, alle sparen ein, haben kaum noch Dividende, etc. Und Wichert übernimmt noch kaputte Händler, baut noch für 15 Millionen ... habe immer sehr viel von b.glathe gehalten, aber da wurde wohl völlig missgewirtschaftet, traurig für die Mannschaft


M. Bellinger

18.02.2020 - 21:06 Uhr

Der Fall erinnert an die Insolvenz (2010) der Mag-Metz Gruppe aus Berlin (Opel, GM, Honda + Alfa Romeo). Auch hier wurde expandiert zu Zukäufe, insbesondere im damals schon stagnierenden Opel Segment. Nur knapp ein Jahr zuvor wurde der in Turbulenzen geratene Frankfurter Opel Händler „GVO GmbH“ mit etlichen Filialen erworben. Am Schluss waren es über 50 Standorte. In geordneter Insolvenz wurde das Unternehmen schließlich zerschlagen. Vom Stammbetrieb blieb kaum was übrig. Die Ursache waren hohe GW Kosten bzw. Beleihungen und viel zu schnelle Expansion durch fremdfinanzierte Zukäufe. Im Prinzip ein alter Hut, leider.


Marion Vogel

18.02.2020 - 21:14 Uhr

Da soll einer verstehen, sehenden Auges in die Pleite. Anton Schlecker hat’s doch schon vor Jahren vorgemacht. Seine Drogeriekette hat expandiert und expandiert. Man versuchte mit Einkaufsvorteilen aus Volumenabschlüssen wirtschaftlich zu bleiben und plötzlich aus dem nichts Schieflage - Insolvenz - Abwicklung - Staatsanwaltschaft - Gefängnis - Ende der Durchsage.


Henry

18.02.2020 - 23:29 Uhr

Wie schön wäre es doch, gäbe es wieder viele kleine Händler, inhabergeführte Unternehmen mit persönlicher Note. Ich bin den defizitären, nur durch Notenbanketatismus aufrechtzuerhaltenden, faden eintönigen und grauen Einheitsglibalusmus so leid ... Und das trifft auf fast alle Branchen zu, bis hin zum Essen, man sehe sich nur diese schrecklichen Restaurantketten an ...


Hosssdieheidebrennt

19.02.2020 - 01:07 Uhr

Man kann es auch so sehen. Machste brav deine Hausaufgaben für den Konzern, biste ein gutes Paket, um geschluckt zu werden. Zählt dann noch der Preis? Und die Grundstücke sind doch alle in Hamburg? Au, das ist teuer!!!


Winfried Schultze

19.02.2020 - 07:37 Uhr

Da werden ja wieder zahlreiche Mitarbeiter, Lieferanten und wohl auch wieder Kunden die Zeche zahlen müssen, die das Management organisiert hat.


Opel Partner

19.02.2020 - 09:33 Uhr

Es ist immer das Gleiche: Gier frisst Hirn - immer weiter und höher hinaus!


Frank Fehling

19.02.2020 - 10:42 Uhr

Gott sei Dank, das ich zum richtigen Zeitpunkt den Absprung aus dem Verkauf getätigt habe. Die Leidtragenden sind wie immer die Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen, sehr trauig,aber das ist die Realität. Die Hersteller setzen den Händler die Daumenschrauben an, denn deren Standards, Auflagen und sonstiges müssen laut Händlervertrag erfüllt werden. Die Autohäuser mit Markenvertrag sind doch nur Helfeshelfer. Alle haben sich in der Vergangenheit und Gegenwart aufgeregt über deren Geschäftsgebaren der Hersteller, aber trotzdem werden immer wieder die Händlerverträge unterschrieben, selbst Schuld. Das wissen die Hersteller, die gehen kein Risiko ein, sondern der markengebundene Vertragshändler. Die Automobilbranche ist im Sinkflug.


Rudi

19.02.2020 - 11:00 Uhr

Wir gut, dass es hier alle wieder besser wissen und ohne jegliche Grundlage schon die Ursache analysiert haben. Wer von 1986 bis heute sehr erfolgreich auf dem Markt war, der kann so viel erstmal nicht verkehrt gemacht haben. Bei Wichert sind nun viele Punkte zusammengekommen, die jeder für sich zu stemmen gewesen wäre, im Zusammenspiel aber zum Genickbruch geführt haben. Es wird noch weitere Händler treffen, unabhängig von der Marke.


Hans Exner

19.02.2020 - 11:10 Uhr

Größenwahn und Selbstüberschätzung der geschäftsführenden Gesellschafter waren noch nie die Basis für ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Banken müssen endlich aufwachen und die Marken Audi, VW und Skoda nicht mehr als „Bank“ sehen. Auffällige, negative Kennzahlen schon in den Bilanzen der letzten Jahre wurden auch von den Kreditgebern übersehen (???). Sehr bedauerlich für viele engagierte Mitarbeiter. Ein Unternehmen ohne Image verlässt die Hamburger Autobühne.


Der Alteisenprinz

19.02.2020 - 11:52 Uhr

....... das wird noch nicht der Letzte sein, der in die Knie geht? Immer größere Paläste, Stückzahlen ohne jeglichen Ertrag generieren und dann noch die Probleme mit den Rückläufern? Wer das noch nicht erkannt hat, hat vom kaufmännischen Handeln in der Autobranche keine Ahnung. Bin ich nur froh, dass ich in einem kleinen Betrieb mit Übersichtlichkeit arbeite. Stückzahl ist für uns nicht alles. Der Kunde steht bei uns im Mittelpunkt, nicht der Glaspalast! Unsere Kunden bedanken sich für die persönliche Betreuung und hieraus resultiert auch fast automatisch das nächste verkaufte Automobil! Und, das muss nicht vor oder in schönen Glaswänden oder auf einem Holzboden ausgeliefert werden!?!


Andreas

19.02.2020 - 12:05 Uhr

Zumindest für nicht VW-Eingeweihte kommt diese Nachricht überraschend. Obwohl man sich als jemand,der lange in dieser Branche unterwegs war, immer wieder fragt, wie solche Expansionen finanziert werden und wie damit anschliessend Geld verdient werden soll/kann. Bleibt zu hoffen, dass das Unternehmen sich restrukturieren kann und dass der Belegschaft, vor allem den doppelt betroffenen Ex-Tiedke-Mitarbeitern, eine vernünftige Perspektive eröffnet wird.


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