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Mitsubishi fährt Europa-Geschäft zurück: "Das ist bitter"

Mitsubishi-Rückzug auf Raten: Die aktuellen Modelle bleiben in Europa zwar zunächst noch auf dem Markt. Aber dann dürfte Schluss sein.
© Foto: picture alliance/Silas Stein/dpa

Den Mitsubishi-Handel hat die Ansage des Herstellers von Montag, keine neuen Modelle mehr nach Europa zu bringen, kalt erwischt. Kein Partner hat das angesichts der derzeitigen Erfolgswelle der Marke hierzulande erwartet.


Datum:
29.07.2020
13 Kommentare

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Von Doris Plate/AUTOHAUS

Es war ein Paukenschlag. Am Montag wurde bekannt, dass Mitsubishi keine neuen Modelle mehr nach Europa bringen will. Angesichts der derzeitigen Erfolge der Marke hierzulande hatte niemand geglaubt, dass der Hersteller Ernst machen würde. Obwohl schon seit Monaten bekannt war, wie die regionale Aufteilung zwischen den Allianzpartnern Renault, Nissan und Mitsubishi laufen soll. Mitsubishi jedenfalls will sich zukünftig auf die Märkte Afrika, Ozeanien und Südamerika konzentrieren.

Betretene Gesichter beim Handel

Noch im Juni hatte der deutsche Importeur MMD Automobile, der mehrheitlich zur Emil Frey Gruppe gehört, zu einer "Green Mobility Roadshow 2020" eingeladen, auf der neue Modelle vorgestellt werden sollten. Diese wurde heute abgesagt. Beim Handel gibt es betretene Gesichter. "Ich bin sprachlos", sagt ein Partner der Marke auf AUTOHAUS-Anfrage. Für die 450 Händler ist es mehr als bitter: "Ausgerechnet jetzt, wo wir auf der Erfolgsschiene waren."

Denn in früheren Jahren hat die Marke schon mal geschwächelt, derzeit geht es aber nach oben. 2019 wurden in Deutschland rund 52.000 Mitsubishi-Pkw neu zugelassen. Das war ein Marktanteil von 1,4 Prozent. Im ersten Halbjahr 2020 schafften die Händler trotz Corona-Shutdown 24.222 Zulassungen und damit einen Marktanteil von zwei Prozent. Und der Importeur verbreitete Zuversicht – und wurde offenbar ebenfalls kalt erwischt. Denn noch Mitte Juni hatte Emil Frey-Geschäftsführer Bernhard Linnenschmidt verkündet, dass die große Handelsgruppe in Neu-Ulm für Mitsubishi ein Autohaus bauen würde. Doch dann kam die Entscheidung des Herstellers.

Problematisch wird es 2022

Die Autohäuser haben nun einige Monate Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Denn zunächst geht das Geschäft weiter. Wie zu hören ist, steht schon fest, was dieses und nächstes Jahr noch geliefert wird. Problematisch wird es 2022, wenn dann keine neuen Modelle wie zum Beispiel der geplante Nachfolger des Outlander Plug-In Hybrid kommen. Hunderte Existenzen und Tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Ob es angesichts des Rückzugs der Marke einen Ausgleichsanspruch geben wird, wird derzeit geprüft. Garantiearbeiten und Service werden wohl noch länger bleiben.

Ein Fünkchen Hoffnung

Manche hoffen aber auch noch. "So ein Management wechselt auch schon mal", heißt es. Die Autos gebe es weiter. Auch der Importeur verhandelt offenbar noch. In der Absage der Roadshow heißt es jedenfalls von Mitsubishi Motors Deutschland: "Durch den neuen Produktplan werden wir die Informationen zu zukünftigen Modellen leider verschieben müssen." Hoffentlich nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.

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KOMMENTARE


Nordlicht

29.07.2020 - 16:49 Uhr

Daihatsu, Infiniti, Daewoo/Chevrolet, Lada, Mitsubishi,....mal sehen, wer noch geht


Mein Name

29.07.2020 - 17:29 Uhr

Es werden doch auch immer weniger Modelle für Europa noch gebaut. Macht keinen Sinn mehr bei den unverhältnissmäßigen Auflagen aus Brüssel


WHK

29.07.2020 - 18:09 Uhr

Und Nissan ? Ist ja auch nicht mehr für Europa zuständig und Verkaufszahlenmässig auch nicht gerade ein Senkrechtstarter.


Mitsufan

29.07.2020 - 18:29 Uhr

....drum prüfe mit wem man sich ins Bett legt... Die große Mutter Renault fährt doch leider immer die gleiche Schiene. Marke einverleibt , Technologie-Transfer in die eigene Marke und dann faktisch in Europa plattgemacht. Liebe Mitsubishi-Partner, hofft nicht auf Wunder! Schaut euch an was bei Nissan und Lada passiert ist - das ist euer Weg! Aber kleiner Tipp: China hat interessante, gute Autos und sehnt sich nach Europa. Da braucht dann kein Mensch mehr einen staatlich subventionierten Renault mehr. - Und ihr Politiker der EU: Nissan und Mitsubishi beschäftigen schon ein paar tausend EU-Bürger. Lasst die nicht im Regen stehen!Sonst verliert ihr noch ein paar Prozent vom Wahlvolk. Herr Finanzminister EU-Autos werden nicht nur bei VW gebaut...denken sie mal ne Viertelstunde drüber nach. Schaffen se' schon!


Beobachter

29.07.2020 - 18:34 Uhr

Wenn man sieht, zu welchen Konditionen aktuell viele Importfahrzeuge im gewerblichen Leasing verramscht werden, auch "dank" diverser Online-Vermittler, da wundert es mich nicht, dass einige Marken hierzulande kaum noch profitabel arbeiten können. Ich bin mir sicher, dass weitere Marken folgen werden.


Rudi S.

29.07.2020 - 18:37 Uhr

Europa kann sicher auch ohne Mitsubishi überleben. Mitsubishi auch ohne Europa?


Michael Schneider

29.07.2020 - 19:52 Uhr

Sind die Co2-Vorgaben dafür verantwortlich?


Emobilitãtsberatung-berlin K.D. Schmitz

29.07.2020 - 19:53 Uhr

Ich tippe auf SUZUKI.


Annotator

30.07.2020 - 13:33 Uhr

Wenn schon die Japaner bei uns das Feld räumen !


Jörn

31.07.2020 - 10:40 Uhr

Als Verkäufer dieser Marke kann ich schon jetzt sagen, dass die Kunden mehr als Zurückhaltend sind. Mehrere Bestellungen wurden storniert. Die Freude auf die neuen Modelle (Eclipse Cross PHEV, etc.) war groß... Jetzt werden wir also nur noch den optisch aus 2010 stammenden Outlander bis zum Ausverkauf als Hybrid anbieten und uns von den Mitbewerbern auslachen lassen ob des angestaubten Innendesign... Das hier massiv auch Existenzen bedroht sind (sowohl Angestellt als auch Inhaber) scheint völlig vergessen zu werden.


Marc L.

01.08.2020 - 11:37 Uhr

@Rudi S.: Die Antwort auf ihre Frage lautet: Oh ja, können sie. Denn Europas größter Fehler z.Z. ist, dass es glaubt, wichtig und unentbehrlich zu sein. Die Realität ist aber, dass Europa recht unbedeutend ist, gerade für den Automarkt. Asien und Nordamerika sowie Südamerika sind bedeutende Märkte, schaut man auf deren Größe, Kaufkraft und vor allem Regelungen für gewisse Normen. Europa katapultiert sich hier gerade voll selber ins Abseits mit immer mehr härteren Normen, die selber die eigenen Marken nicht schaffen und betrügen. Zudem ist Europa maßlos überteuert in seinen Produkten. Qualität hat seinen Preis. Was das betrifft, schneiden die deutschen Marken z.B. nicht gerade sauber ab. Französische Marken stehen da nicht viel besser, sowie die Italiener. Hier haben die Asiaten das Zepter eisern in der Hand. Und genau die ziehen sich zurück. Nur für das "Feine" Europa Extraentwicklungen herzustellen, um die Normen hier einzuhalten für die paar Käufer, während 3 andere Kontinente sich um das einfache Produkt reißen ... die logische Schlussfolgerung sieht man. Bin selber 5 Mal in Japan gewesen. Was die Marken dort haben und auffahren, würden sich hier mehrheitlich auch die Leute anlachen."Die Märkte sind unterschiedlich" ist eine Falschaussage, denn Familie hat jeder Markt sowie Business. Wenn ich aber ein Produkt nach den anderen streiche und nur noch ein einziges (SUV) übrig lasse, sind die Leute gezwungen, dieses zu kaufen. Das hat dann nichts mehr mit "Die Leute wollen haben" zu tun. Europa wird recht steril werden und abgeschottet, von Marken und Produktvielfalt wird wenig übrig bleiben in SUV-Europa. Eine Kategorie, eine Form, gleiches Aussehen. Die DDR hat es mit dem Trabant und Wartburg vorgemacht.


Macke

02.08.2020 - 19:46 Uhr

Ich wollte mir die Tage so einen Space Star in neu kaufen, jetzt kaufe ich nicht mehr. Schade! Tschüss Mitsubishi. Hatte auch schon mal zwei Daihatsu - warum gönnt man uns keine GÜNSTIG-Autos? Ich möchte keine VWs mehr, die auch nicht besser sind - aber überzogen überteuert.


Erwin Tischler

03.08.2020 - 23:12 Uhr

Vielleicht ist das Problem ja mit "grauen" Reimporten zu lösen?


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