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Reaktionen der Händlerverbände auf Stellantis-Kündigung: "Zeitpunkt und Zeitdruck unglücklich"

Auch in den Händlerverbänden ist man nicht glücklich über die heute erfolgte Netzkündigung.
© Foto: Stellantis

Die Händler wurden von der heute Vormittag ausgesprochenen Kündigung aller europäischen Stellantis Händler- und Serviceverträge kalt erwischt. Die betroffenen Händlerverbände hoffen auf konstruktive Verhandlungen.


Datum:
19.05.2021
Autor:
dp
Lesezeit: 
4 min
1 Kommentare

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Es hat nur 15 Minuten gedauert, Fragen waren nicht erlaubt. In einer Viertelstunde erklärte Stellantis Deutschland Chef Amaury de Bourmont am Mittwochmorgen den Händlern der zu dem neuen Konzern gehörenden Marken, dass ihre Händlerverträge zum 31. Mai 2021 gekündigt werden und damit am 31. Mai 2023 auslaufen. Für manche ein Schock, für die meisten ein weiterer Beweis dafür, dass es mit der Wertschätzung der Hersteller für ihre "Partner" nicht weit her ist. "Amaury de Bourmont hat sich uns noch nicht einmal persönlich vorgestellt als neuer Chef. Seine erste Amtshandlung war die heutige Händlerkonferenz mit der dort verkündeten Kündigung", so der Vorstand des Fiat Konzern Händlerverbandes Wilfried Blöbaum.

LoI erst im Juli

Auch der Verband Deutscher Opel Händler (VDOH) empfindet ebenso wie der Verband Deutscher Citroen-, DS & Peugeot Vertragspartner (VCDP) den Zeitpunkt, den auferlegten Zeitdruck und die gewählte Form der Kommunikation als "unglücklich". Ähnlich formuliert es der Alfa Romeo und Jeep Händlerverband. Denn erst im Juli soll klar sein, wer einen Letter of Intent (LoI) bekommt und damit rechnen darf, weiterhin Handelspartner von Stellantis zu sein. Üblicherweise kommt der LoI für die "Zukunftspartner" mit der Kündigung. Das heißt, dass ab sofort alle Vertragshändler der Marken für einige Wochen in der Luft hängen.

Vieles unklar

Und auch wenn im Juli der LoI kommt, ist noch lange nicht klar, was in dem neuen Vertrag stehen wird, denn die aktuell geltende Vertikal-GVO, die die Rahmenbedingungen für den Kfz-Vertrieb definiert, läuft erst 2022 aus. Ob es eine Nachfolgregelung gibt und was darinstehen wird, weiß wohl auch der Stellantis Konzern im Juli 2021 noch nicht. Noch weniger, was zukünftig in der Kfz-GVO, die sich mit After Sales beschäftigt, geregelt sein wird. Denn die läuft erst 2023 aus. Allerdings verpflichtet ein (LoI) den Händler auch nicht zur Unterschrift, wenn er die dann im tatsächlich vorliegenden Vertrag festgehaltenen Regelungen nicht akzeptieren kann. Außerdem ist auch das Margensystem, das noch viel wichtiger sein dürfte, dann noch nicht bekannt. Was das für die jetzt anstehenden Investitionen bedeutet, wird wohl viele Händler in den nächsten Monaten beschäftigen.

Händlerverbände hoffen auf Verhandlungen

Die betroffenen Händlerverbände gehen davon aus, dass die Verhandlungen konstruktiv und sachlich durchgeführt werden. Der Alfa Romeo und Jeep Händlerverband freut sich "auf die jetzt startenden Workshops, mit dem Ziel, für alle Partner eine zukunftsorientierte Lösung zu finden".  Nach den Statements aller beteiligten Händlerverbände hat der Hersteller bereits angekündigt, dass die Händler-Vertreter in die Verhandlungen der neuen Verträge eingebunden werden.

Untereinander abstimmen

Alle nationalen Stellantis-Händlerverbände wollen darauf achten, dass die neuen Vertragsinhalte nach deutscher Rechtslage umgesetzt werden und sich auch diesbezüglich abstimmen. Und: Die Vereinheitlichung und Anpassung aller Stellantis-Verträge kann durchaus auch Sinn machen, indem zum Beispiel die Vereinigung aller Marken unter einem Autohaus-Dach vereinfacht und damit Kosten reduziert werden.

Drängendere Probleme

Über alldem sollte aber auch nicht vergessen werden, dass es derzeit drängendere Probleme in den Händlernetzen gibt, wurde in den Gesprächen deutlich. Konkret genannt wurden die fehlenden Umsätze durch die Corona-Pandemie sowie fehlende Fahrzeuge durch die Halbleiterproblematik oder Modellpalettenbereinigung. Noch mehr Gründe, warum die Kündigung zur Unzeit kommt.

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KOMMENTARE


Peter Storch

19.05.2021 - 21:58 Uhr

Es war aus meiner Sicht vorauszusehen, das so eine Aktion kommen würde. Möglicherweise werden hier auch Marktbereinigungen korrigiert und die Markenvielzahl neu geordnet. Die Art und Weise der Kündigung bzw. Kommunikation läßt auf eine neue ruppige Geschäftspartnerschaft schließen, das ist für die betroffenen Vertriebspartner wenig motivierend. Hoffentlich geht der Schuss nicht nach hinten los.


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