Der GWM Haval 7 sieht aus, als sei er einer Affäre zwischen Defender und Landcruiser entsprungen. Bei dem klassisch-kantigen Geländewagen sehen die Chinesen augenscheinlich einen Markt zwischen Vorstadt und Forsthaus. Doch der H7 könnte vor allem seines Preises wegen zum Überraschungserfolg werden. Wir durften in China in einer Vorserie erste Fahreindrücke sammeln.
Zwischen Lifestyle und Lastesel soll er sich einsortieren, der H7. Und der erste Blick auf den Wagen macht Lust auf eine nähere Bekanntschaft. Die kantige Jeep-DNA, die Leiter an der Seite, das Offroad-Flair – Chinas Autobauer beherrschen die Klaviatur des Designzitats nach wie vor perfekt.
Hat man die 4,80 Meter lange Karre erstmal erklommen, ist man von ledriger Wohlfühlanmutung umgeben. Die Mitte des Frontbereichs wird von einem großen, 15,6-Zoll-Touchscreen dominiert, trotz preisbewussten Plastikeinsatzes wirkt der Innenraum keineswegs billig, sondern solide verarbeitet und gut durchdacht. Was an Kunststoffen noch nicht ganz so edel wirkt, soll, so versichern es die Verantwortlichen bei GWM, für den europäischen Markt noch mit höherwertige Materialien und Oberflächen, ausgestattet werden.
GWM Haval H7 (2026)
Beim Fahrverhalten setzt der H7 klar auf Komfort. Das Fahrwerk ist vergleichsweise weich abgestimmt und zielt darauf ab, Unebenheiten effektiv auszugleichen. Diese chinesische Auslegung passt vor allem zum strapaziösen Großstadtverkehr, soll aber ebenfalls noch auf die europäische Kundschaft, die mehr Präzision erwartet, abgestimmt werden. Ansonsten fährt sich der Wagen in der Tat wie ein SUV, das Expeditionsgefühl beschränkt sich auf normalem Untergrund aufs Äußere. Erst auf Rüttelstrecken und anderen Gemeinheiten eines Testparcours zeigt sich das doch recht souveräne Fahrwerk.
Europa-Premiere: intelligentes Allradsystem für Hybride
Innovativ ist der H7, den es als Benziner, Hypriden und Plug-in-Hybriden geben wird, mit seiner neuen Hi4-Technologie. Dabei handelt es sich um ein intelligentes Allradsystem für Hybridfahrzeuge, das in Europa erstmals zum Einsatz kommt. Es verteilt die Antriebskräfte variabel zwischen Vorder- und Hinterachse und kann im Idealfall eine ausgeglichene 50:50-Verteilung erreichen. Unterstützt wird dies durch einen zusätzlichen Elektromotor an der Hinterachse.
Das Ziel ist eine Kombination aus Effizienz und Kontrolle. Systeme wie das Torque Vectoring greifen aktiv in die Kraftverteilung ein, um Traktion und Stabilität zu verbessern – auf Asphalt ebenso wie auf losem Untergrund. Ergänzt wird das durch ein vierstufiges Hybridgetriebe, das für gleichmäßige Kraftentfaltung sorgen soll.
Auch klassische Offroad-Technik kommt zum Einsatz. Sperrdifferenzial, Allradantrieb und eine ordentliche Anhängelast machen deutlich, dass der H7 mehr sein will als ein reines Lifestyle-SUV. Gleichzeitig bleibt die Technik so ausgelegt, dass sie auch im Alltag effizient arbeitet – unabhängig davon, wie stark die Batterie gerade geladen ist.
Vom reinen Verbrenner bis zum PHEV
Beim Antrieb verfolgt GWM weiterhin seine Komplettstrategie. Neben dem Plug-in-Hybrid wird es auch klassische Verbrenner und Vollhybride geben. Der Benziner setzt auf einen neuen 2,0-Liter-Turbomotor mit 164 kW / 223 PS, kombiniert mit einem neunstufigen Doppelkupplungsgetriebe. Neben einem klassischen Benziner wird der Haval H7 auch als Vollhybrid sowie als Plug-in-Hybrid angeboten. Für die elektrifizierten Varianten kommt ein 1,5-Liter-Benziner zum Einsatz, der je nach Ausführung von einem oder zwei Elektromotoren unterstützt wird.
GWM Haval Jolion Pro
Die Systemleistung variiert entsprechend: Der Vollhybrid erreicht bis zu 182 kW / 248 PS, während der Plug-in-Hybrid mit größerer Batterie auf bis zu 250 kW/340 PS kommt. In der Allradversion mit zusätzlichem Elektromotor sind sogar bis zu 340 kW / 462 PS möglich. In dieser Konfiguration beschleunigt das SUV in rund fünf Sekunden von null auf 100 km/h. Die elektrische Reichweite des Plug-in-Hybriden gibt der Hersteller mit etwa 120 Kilometern an.
Ein zentrales Thema bleibt die Sicherheit. Die Karosserie besteht zu mehr als 70 Prozent aus hochfestem Stahl und ist auf maximale Stabilität ausgelegt. Ergänzt wird das durch moderne Assistenzsysteme, darunter Innenraumüberwachung, Kindersicherheitssysteme und zentralen Frontairbag. GWM strebt für den H7 die Bestwertung von fünf Sternen im Euro-NCAP-Crashtest an.
Der Marktstart ist für Ende 2026 geplant. Der in Rede stehende Einstiegspreis von etwa 35.000 Euro dürfte dabei zum größten Trumpf des H7 werden. Und bei Great Wall Motor wird weiter auf Offroad gesetzt. Mit Einführung der Marke Tank in Europa stehen zumindest der Tank 300, Spitzname "China-Bronco", später dann wohl auch dessen Brüder, bis hoch zum 700er, der die G-Klasse von Mercedes herausfordern soll, ins deutsche Autohaus. Eine Offensive, die den Markt von Dacia bis Mercedes angreift – das kann man durchaus ambitioniert nennen.